Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Kartoffelchips-Effekt – Kann Essen süchtig machen? "Forum Life Science 2015" am 11./12. März

06.02.2015

„Hedonische Hyperphagie“ oder genussvolles übermäßiges Essen heißt das Schlagwort. Jeder hat es schon einmal erlebt und eine Packung Chips bis auf den letzten Krümel verputzt. Denn Kartoffelchips können kurzzeitig süchtig machen.

Auch wenn das Verhalten bekannt ist, die Vorgänge auf zellulärer und molekularer Ebene sind bisher noch unverstanden. Angesichts der Zunahme ernährungsbedingter Erkrankungen ist es von großer Bedeutung, die Zusammenhänge zwischen Lebensmittel-Inhaltsstoffen, Stoffwechsel und dem Gehirn besser zu verstehen. Mögliche Antworten dazu gibt der Internationale Kongress „Forum Life Science“ am 11./12. März 2015 an der Technischen Universität München in Garching.

So stellt Prof. Monika Pischetsrieder, FAU Erlangen-Nürnberg, neueste Forschungsergebnisse aus dem interdisziplinären Forschungsfeld „Neurotrition“ vor.

Des Weiteren tauschen Referenten aus Wissenschaft und Wirtschaft in der Vortragsreihe „Food & Nutrition" nicht nur aktuelle Erkenntnisse über den Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit aus, sondern präsentieren auch Anforderungen an die Ernährung, neue Technologien zur Produktion wie z. B. "Vertical Farming", Perspektiven und Lösungsansätze für die Versorgung mit Nahrungsmitteln sowie Verfahren zur Analytik, Konservierung und Verpackung von Lebensmitteln.

Ernährung und Gesundheit

Neue Erkenntnisse zeigen, dass das menschliche Mikrobiom nicht nur eine große Rolle bei der Verdauung und dem Schutz vor pathogenen Mikroorganismen spielt. Die Zusammensetzung der Darmflora kann auch Einfluss auf Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose haben, wie Dr. Gurumoorthy Krishnamoorthy, MPI für Neurobiologie, berichten wird. Für die weitere Erforschung der molekularen Mechanismen erhielt er 2014 den ERC Starting Grant für den Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe.

Essen dient nicht nur zur Energieversorgung unseres Körpers. Einzelne Inhaltsstoffe der Nahrung können die Regulation der Gene und damit Stoffwechsel und zelluläre Prozesse beeinflussen. So kann sich Ernährung schon während der Schwangerschaft und in der frühkindlichen Entwicklung auf Erkrankungen im späteren Leben auswirken. Über die metabolische Programmierung durch unsere moderne Ernährungsweise referiert Prof. Dr. Berthold Koletzko, Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU München.

Die Zunahme von Übergewicht und Adipositas sowie ernährungsbedingter Erkrankungen, aber auch die unzureichende Versorgung mit essentiellen Mikronährstoffen stellen weltweit die Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen. Welchen Beitrag kann die Lebensmittelindustrie in diesem Kontext leisten? Dr. Jörg Spieldenner, Nestlé Research Center, Lausanne (CH) diskutiert in seinem Vortrag die aktuellen Probleme und zeigt Lösungsansätze, die soziale, gesundheitliche und ökologische Aspekte umfassen.

Für Menschen, die an Stoffwechselstörungen, Krebs oder an den Folgen eines Schlaganfalls leiden, ist die Nährstoffversorgung häufig nicht ausreichend. Sie benötigen daher spezielle Produkte. Dr. Ardy van Helvoort, Nutricia Advanced Medical Nutrition, präsentiert aktuelle Forschungserkenntnisse zum Nährstoffbedarf und wie diese in neue medizinische Ernährungsprodukte einfließen.

Nahrungsmittelversorgung und Lebensmittelsicherheit

Die Weltbevölkerung könnte bis 2050 auf fast zehn Milliarden Menschen anwachsen. Schon heute lebt fast die Hälfte der Menschen in Städten. Auch weil die Fläche an fruchtbarem Agrarland weltweit abnimmt, stellt sich die Frage nach der künftigen Versorgung der Menschheit mit ausreichend Nahrungsmitteln. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt dafür im Rahmen des EDEN-Projekts (Evolution and Design of Environmentally-closed Nutrition-Sources) eine „Vertical Farm“.

In Hochhäusern sollen mit Hilfe von Hydroponik- und Aquaponik-Technologien z. B. Gemüse angebaut und Fische gezüchtet werden. Daniel Schubert, Leiter des Projekts spricht über das Konzept und die Herausforderungen, um ganzjährig und ertragreich, unabhängig von Sonnenlicht und Wetter Lebensmittel zu produzieren. Damit ließen sich auch Grundlagen für die Nahrungsmittelversorgung in Forschungsstationen z. B. in der Antarktis oder im Weltraum schaffen.

Um der weltweit steigenden Nachfrage nach Fleisch zu begegnen, wird nach alternativen Proteinquellen als Futtermittel in der Tierzucht gesucht. Jens Legarth, European Protein, Dänemark, stellt eine Fermentationstechnologie vor, um für verschiedene Nutztierarten passende eiweißhaltige Futtermittel herzustellen. Mit natürlichen Enzymen und Milchsäurebakterien angereichert, haben sie einen positiven Effekt auf die Gesundheit und erlauben zukünftig möglicherweise auch den Verzicht auf Antibiotika in der Tierzucht.

Dr. Peter Eisner, Fraunhofer Institut IVV, stellt Lupinenproteine als eine alternative Eiweißquelle für Lebensmittel vor. Das neu entwickelte Verfahren ermöglicht die Entfernung der bitteren Störaromen und Aufbereitung der Proteine für die Herstellung von z. B. fettreduzierter Mayonnaise, Wurst, Frischkäse oder Speiseeis. Das Verfahren hat inzwischen Industriereife erlangt und die Wissenschaftler haben dafür Ende 2014 von Bundespräsident Joachim Gauck den Deutschen Zukunftspreis verliehen bekommen.

Die schonende Konservierung von Lebensmitteln ist für Hersteller und Verbraucher gleichermaßen wichtig. Prof. Monique Lacroix, INRS Institut Armand Frappier, Laval, Kanada, präsentiert biokompatible essbare Polymere, die die Haltbarkeit leicht verderblicher Lebensmittel verbessern und wertvolle bioaktive Inhaltsstoffe schützen. Zudem erlauben diese Polymere die Produkte mit bioaktiven Substanzen wie Antioxidantien oder auch Probiotika anzureichern. Die Haltbarkeit von Pilzen, Salat und Gemüse konnte so schon verlängert werden.

Weitere hochkarätige Referenten der Unternehmen BASF, Beneo, Betagro Group, Wacker Chemie und von wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut IVV, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der Technischen Universität München sowie der Universität Hohenheim berichten über funktionelle Lebensmittelzutaten, neue Analytik- und Konservierungsmethoden, alternative Pflanzenproteinen und Chancen zur Sicherung der Ernährung.

Der Kongress
Neben dem Themenblock „Food & Nutrition“ stellen die Vortragsreihen „Pharma Development“ und „Industrial Biotechnology“ ebenfalls innovative Anwendungsfelder der Life Science-Technologien vor. Behandelt werden Trends und Strategien in der Pharma-Entwicklung, neue Ansätze in der Immunonkologie und der Impfstoffentwicklung, sowie zell- oder DNA/RNA-basierte Therapieoptionen. Die Reihe „Industrial Biotechnology“ umfasst Trends in der Bioökonomie, neue Verfahren zur Entwicklung biobasierter Chemikalien und Biokraftstoffe der 2. Generation, das Thema Biokatalyse und Industrieenzyme sowie Urban Mining und Rohstoffgewinnung mit Hilfe der Biotechnologie.

Mehr als 60 Referenten aus Europa, Thailand, den USA und Kanada konnten für Vorträge gewonnen werden; erwartet werden wie in 2013 erneut rund 1.000 Teilnehmer.
Eine große Fach- und Posterausstellung ergänzt das Programm.

Erneut verleihen die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) e. V. und Roche als Sponsor den German Life Science Award an talentierte Nachwuchsforscher aus den Biowissenschaften.

Dieser im Abstand von zwei Jahren ausgerichtete internationale Kongress bietet direkten Kontakt zu Experten und Anwendern der Biotech-, Chemie-, Pharma-, und Lebensmittelindustrie sowie der Medizin. Er vermittelt Information über neueste Entwicklungen, Trends, Strategien und Märkte und ermöglicht den aktiven Erfahrungsaustausch. Daraus lassen sich gezielt neue interdisziplinäre Kooperationen anbahnen – für die nächste Generation innovativer Produkte in den Life Sciences.

Der Kongress wird von der Bayern Innovativ GmbH, Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer des Freistaates, konzipiert und organisiert und durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Energie, Medien und Technologie gefördert. Mit dem Kongress werden auch die Ziele der Cluster-Offensive mit den bayernweiten Clustern Biotechnologie, Ernährung und Chemie unterstützt.

Das vollständige Programm und weitere Informationen zum Kongress finden Sie unter www.bayern-innovativ.de/fls2015 

Hinweise

Die Pressekonferenz zum Forum Life Science und dem Forschungspreis German Life Science Award ist am 11. März 2015 für 12:30 Uhr angesetzt. Sie erhalten dazu eine gesonderte Einladung.

Ab 19:00 Uhr gibt es am 11. März 2015 für die Teilnehmer aus aller Welt einen Staatsempfang auf Schloss Dachau.

Weitere Informationen:

http://www.bayern-innovativ.de/fls2015
http://www.bayern-innovativ.de/fls2015/presse

Dr. Petra Blumenroth | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht
22.03.2017 | Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

nachricht Über Raum, Zeit und Materie
22.03.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie