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Climate Engineering-Konferenz 2017 in Berlin eröffnet

10.10.2017

Am Montagabend hat Mark Lawrence, wissenschaftlicher Direktor am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS), in Berlin die Climate Engineering Conference (CEC17) eröffnet. Die internationale Konferenz befasst sich mit Maßnahmen für mögliche Eingriffe ins Klimasystem, ihren Potenzialen und Risiken. Vier Tage lang diskutieren Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft intensiv über Erforschung, Risiken und Regulierung von Geoengineering.

Im Pariser Abkommen hat sich die internationale Staatengemeinschaft auf ambitionierte Klimaziele verständigt. Doch wie lassen sie sich verwirklichen? Der Weltklimarat IPCC geht davon aus, dass bis 2100 riesige Mengen an Kohlendioxid aktiv aus der Atmosphäre entfernt werden – zusätzlich zur beinahe vollständigen Reduktion der Treibhausgasemissionen.


Eröffnung der Climate Engineering Conference 2017 in Berlin.

© IASS/Dirk Enters

“Es wird äußerst schwierig, die Ziele des Pariser Abkommens ganz ohne eine Form des Climate Engineering zu erreichen. Wir brauchen deshalb dringend eine offene und kritische Debatte über die verschiedenen Formen und Folgen solcher Eingriffe ins Klimasystem”, sagte Mark Lawrence bei der Eröffnung.

Forum für internationalen, kritischen und transparenten Austausch

Das Forscherteam am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung hat deshalb rund 250 Expertinnen und Experten zur diesjährigen Climate Engineering Conference nach Berlin eingeladen. „Die CEC17 ist die wohl wichtigste Plattform für den globalen, kritischen und transparenten Austausch zu diesem hochkontroversen Thema“, erklärte Stefan Schäfer, Leiter des Forschungsprojekts zu Climate Engineering am IASS und Mitorganisator der Konferenz.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus Wissenschaft und Politik sowie aus zivilgesellschaftlichen Organisationen. Sie bringen sehr unterschiedliche Ansichten und Perspektiven mit: Wissenschaftler, die Climate Engineering erforschen, treffen auf Umweltaktivisten und politische Akteure. Rund 50 Teilnehmende sind aus Schwellen- und Entwicklungsländern angereist. Sie werden zusätzlich an einem begleitenden Treffen der Solar Radiation Management Governance Initiative (SRMGI) teilnehmen.

Diskussion über geplantes Feldexperiment zur Reflektion des Sonnenlichts

Die Frage, ob die Forschung das Labor verlassen darf, gehört zu den größten Spannungsfeldern in der Diskussion um das Geoengineering. David Keith, Physiker an der Harvard-Universität, wird auf der CEC17 sein geplantes Feldexperiment und die damit verbundenen Governance-Aktivitäten diskutieren (Mittwoch 14:00).

In weiteren über 30 Veranstaltungen geht es auf der Konferenz um Maßnahmen aus den Bereichen Kohlendioxidentfernung (CDR, Carbon Dioxide Removal) und Reflektion des Sonnenlichts (SRM, Solar Radiation Management). Debattiert wird, ob und wie die Paris-Ziele auch ohne Climate Engineering erreichbar sind (Dienstag 11:00), wie in der Klimapolitik mit Akteuren umzugehen ist, die ‚fake news‘ propagieren („Trumped!“, Mittwoch, 9:00) und welche Leitlinien der Forschung in einem „Code of Conduct“ gesetzt werden sollten (Donnerstag, 14:00). Interaktive Veranstaltungen wie das Spiel „To Gabon or not to Gabon“ (Dienstag, 16:00) sollen den Austausch unterstützen.

Politikrelevant: Entwicklung eines international gültigen Regelwerks

Dringlich sei die Entwicklung international verbindlicher Regeln, sagte Mark Lawrence: „Am IASS arbeiten wir an Konzepten für die Governance von Climate Engineering und beraten politische Akteure darin, wie sie entsprechende Maßnahmen entwickeln können.” Der politische Umgang mit Geoengineering ist eines der großen Themen bei der CEC17. Auch Janos Pasztor, ehemals Klimaberater von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und heute Exekutivdirektor der Carnegie Climate Geoengineering Governance Initiative (C2G2), gehört zu den aktiven Teilnehmern der Konferenz.

Die Climate Engineering Conference wird wie schon 2014 vom Institut für transformative
Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam ausgerichtet. Partner sind das Haus der Kulturen der Welt (HKW) und die Initiativen SRMGI und C2G2. Medienpartner ist Der Tagesspiegel.

Programm und Pressemappe finden Sie unter www.ce-conference.org

Twitter-Hashtag #DiscussCEC

Statements der Rednerin und Redner beim Pressegespräch am 10. Oktober

Lili Fuhr, Heinrich-Böll-Stiftung

„Eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius erfordert radikale Emissionsreduktionspfade, die weit über das klassische Denken der Ökonomie hinausgehen. Dazu gehören ein politisch gelenkter vorzeitiger Ausstieg aus der Produktion fossiler Rohstoffe, nachhaltige kleinbäuerliche Landwirtschaft und eine Reduktion des Ressourcen- und Energieverbrauchs durch Null-Abfall-Ansätze der Kreislaufwirtschaft. Die dafür notwendigen erprobten und lokal angepassten Technologien sind bereits vorhanden. Zusätzlich müssen wir uns dafür einsetzen, unsere natürlichen Ökosysteme wiederherzustellen, vor allem unsere Regenwälder, Moore und Ozeane. Wenn wir uns ernsthaft auf eine tiefgehende Diskussion von ökologisch und sozial gerechten Alternativen einlassen, die den Klimawandel an den Ursachen anpacken, gibt es keinen Grund zu glauben, dass wir Geoengineering benötigen.“

David Keith, Harvard-Universität

„Für ein stabiles Klima müssen die Emissionen auf Null zurückgefahren werden. Und es ist durchaus möglich, die Emissionen sehr rasch zu reduzieren, während gleichzeitig die wohlhabenden Menschen ihren Zugang zu Energiedienstleistungen behalten und der Zugang für arme Menschen verbessert wird. Doch auch ein sofortiger Stopp der Emissionen würde die bereits vorhandenen Klimarisiken nicht beseitigen – er würde lediglich die Ansammlung von weiterem CO2 und damit zusätzliche Klima-Folgen aufhalten. Meiner Ansicht nach kann solares Geoengineering im besten Fall eine Ergänzung zu Emissionsreduktionen darstellen, aber sicher keinen Ersatz dafür. Es ist möglich, dass eine Kombination aus Emissionsreduktionen, Kohlendioxidentfernung und solarem Geoengineering zu einem deutlich sichereren Klima führen würde als Emissionsreduktionen allein oder als die Kombination aus Emissionsreduktionen und Kohlendioxidentfernung. Möglich – aber nicht nachgewiesen. Die zentrale politische Herausforderung besteht darin, mehr über solares Geoengineering zu lernen – eine potenziell nützliche und gleichzeitig potenziell gefährliche Technologie. Denn dieses Forschungsfeld wird wahrscheinlich überbewertet und von Akteuren ausgenutzt werden, die sich Emissionsreduktionen entgegenstellen.“

Pablo Suarez, Red Cross Red Crescent Climate Centre

„Der humanitäre Sektor arbeitet weltweit an vorderster Front aktiv gegen die Auswirkungen des Klimawandels. Geoengineering ist eine humanitäre Angelegenheit: Denn absichtliche, groß angelegte Eingriffe in das Klimasystem der Erde würden starke Effekte auf die am stärksten benachteiligten Menschen haben. Die Menschen, auf die möglicherweise die schlimmsten Auswirkungen zukommen, müssen einbezogen werden – besonders angesichts der Wahrscheinlichkeit von ‚ausbeuterischem Geoengineering‘, bei dem rücksichtslos egoistische Handlungen schädliche Konsequenzen für andere Menschen nach sich ziehen können. Die Verknüpfung von Wissenschaft, Politik und humanitärer Praxis ist unerlässlich. Dabei muss ein Rahmenwerk für das Risikomanagement im Bereich Geoengineering geschaffen werden, damit die Interessen der am stärksten benachteiligten Menschen berücksichtigt und gewahrt werden.

Bei Rückfragen und zur Vereinbarung von Interviews wenden Sie sich bitte an

Eva Söderman / Anja Krieger
Presse & Kommunikation
Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung/
Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. (IASS)
Berliner Straße 130, 14467 Potsdam
Tel. +49 (0)331 288 22-340/479
Fax +49 (0)331 288 22-310
E-Mail eva.soederman@iass-potsdam.de / anja.krieger@iass-potsdam.de
www.iass-potsdam.de

Das IASS forscht mit dem Ziel, Transformationsprozesse hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft aufzuzeigen, zu befördern und zu gestalten, in Deutschland wie global. Der Forschungsansatz des Instituts ist transdisziplinär, transformativ und ko-kreativ: Die Entwicklung des Problemverständnisses und der Lösungsoptionen erfolgen in Kooperationen zwischen den Wissenschaften, der Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft. Ein starkes nationales und internationales Partnernetzwerk unterstützt die Arbeit des Instituts. Zentrale Forschungsthemen sind u.a. die Energiewende, aufkommende Technologien, Klimawandel, Luftqualität, systemische Risiken, Governance und Partizipation sowie Kulturen der Transformation. Gefördert wird das Institut von den Forschungsministerien des Bundes und des Landes Brandenburg.

Weitere Informationen:

http://www.ce-conference.org/

Eva Söderman | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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