Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

113. Internistenkongress: Reform statt Abwicklung für Deutsches Gesundheitswesen

18.04.2007
Reform statt Abwicklung für Deutsches Gesundheitswesen: Patientenorientierung und medizinische Expertise sollten im Mittelpunkt stehen

Deutschland hat eines der leistungsfähigsten Gesundheitssysteme der Welt. Das kostet Geld. Unter den aktuellen finanziellen Zwängen sind Entscheidungen im deutschen Gesundheitswesen in erster Linie ökonomisch geprägt. Nicht immer jedoch sind diese medizinisch sinnvoll und nützen dem Patienten. Ob das Gesundheitssystem mit den derzeitigen Reformen zukunftsfähig bleibt oder keine Zukunft mehr hat, diskutieren Vertreter von Ärzten, Krankenkassen, Patienten und Industrie auf dem 113. Internistenkongress im Rahmen des Symposiums der Korporativen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Ein Vergleich zu Ländern wie Australien und Kanada, Neuseeland, den USA und Großbritannien bestätigt Deutschlands Gesundheitswesen hohe Qualität. Doch dieses System hat seinen Preis. Seit 1977 sind in Deutschland mehr als 50 Reformgesetze entstanden. Die meisten davon mit dem Ziel, Kosten zu senken. "Wenn man sich die zahlreichen 'Reformen' des Gesundheitssystems betrachtet, so sind diese nicht angelegt, die Struktur und Patientenversorgung zu verbessern, sondern angesichts der überall steigenden Kosten und der begrenzten Ressourcen überwiegend von ökonomischen Zwängen geprägt", klagt Professor Dr. med. Ulrich Robert Fölsch, Beauftragter für die Korporativen Mitglieder der DGIM.

Auch die am 1. April in Kraft getretenen Reformen bringen weitere Einschränkungen mit sich. Problematisch ist insbesondere der Umgang bei der Kostenerstattung neu entwickelter Medikamente. Sie werden heute meist erst erstattet, wenn so genannte Endpunktstudien vorliegen - auch wenn sich bereits während des Studienzeitraums ihr Nutzen für den Patienten deutlich zeigt. Da diese Studien oft über mehrere Jahre andauern, kann kostbare Zeit für die Behandlung der Patienten verloren gehen. Dr. Ottfried Zierenberg, Sprecher der Korporativen Mitglieder der DGIM und Geschäftsführer Medizin bei der Pharmafirma MSD Sharp & Dohme, führt im Vorfeld des Internistenkongresses ein Beispiel aus der AIDS-Therapie an: Mitte der 90er Jahre führten neue Proteasehemmer zu einem Durchbruch in der HIV-Behandlung. Hätten diese Medikamente erst nach dem Ablauf von Endpunktstudien die Zulassung bekommen, wären viele Patienten schon während dieser Zeit gestorben.

Die DGIM und ihre Korporativen Mitglieder fordern deshalb, dass Entscheidungen nicht nur aus dem Blickwinkel der Ökonomie fallen, sondern vor allem aus dem der Medizin und damit aus Sicht der Patienten. Es sei zudem bedenklich, dass Krankenkassen und Gesundheitspolitik die Medizin inzwischen vermehrt hinsichtlich der Inhalte kontrollieren: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hinterfragt nicht mehr nur Sinn und Notwendigkeit medizinischer Leistungen. Er entscheidet mittlerweile, welche Leistungen medizinisch sinnvoll und damit vergütungsfähig scheinen. "Insgesamt führt diese Entwicklung zu einer zunehmenden Pauschalierung der Krankenversorgung und berücksichtigt nicht die Bedürfnisse des einzelnen Patienten", betont Professor Fölsch, Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin; Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel.

Die DGIM setzt sich darüber hinaus dafür ein, dass die medizinisch Handelnden sich in die Entwicklung dieser Reformprozesse aktiv einschalten können. Denn sie trügen dafür Sorge, dass die noch vorhandene hohe Qualität der Versorgung der Patienten sich nicht durch Sparzwänge an der falschen Stelle verschlechtert.

KONTAKT FÜR RÜCKFRAGEN:

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
D-70451 Stuttgart
Tel: 0711 89 31 552
Fax: 0711 89 31 167
E-Mail: info@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim.de
http://www.dgim2007.de

Weitere Berichte zu: DGIM Gesundheitssystem Gesundheitswesen Internistenkongress

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus
19.09.2017 | Universität des Saarlandes

nachricht Zwei Grad wärmer – und dann?
19.09.2017 | Wissenschaft im Dialog gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

10. Cottbuser Medienrechtstage zu »Fake News, Hate Speech und Whistleblowing«

18.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Ausschreibung des Paul-Martini-Preises 2018 für klinische Pharmakologie

19.09.2017 | Förderungen Preise

Simulation von Energienetzwerken für Strom, Gas und Wärme

19.09.2017 | Energie und Elektrotechnik