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Erfolgreiche junge Forscher gehen ins Ausland - Fehlende Nachwuchsförderung und Effizienz-Defizite gefährden Medizin-Fortschritt

12.04.2007
"Erfolgreiche junge klinische Forscher sehen für sich in Deutschland keine guten Zukunftsperspektiven und gehen ins Ausland, wo sie mit ihrer guten Ausbildung gerne genommen werden", warnt Prof. Dr. Rainer Dietz (Berlin), der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) auf der Auftakt- Pressekonferenz der 73. Jahrestagung der DGK, die am 13. April in Mannheim beginnt - erwartet werden 6000 Teilnehmer. "Für Deutschland ist es bitter und teuer, diese Leute zu verlieren und mit speziellen Rückkehrer-Programmen einzelne von ihnen zurückzuholen."

Eine Ursache dieser Fehlentwicklung, so der DGK-Präsident, liegt unter anderem darin, dass es in Deutschland für so genannte "Translational Research" keine systematische Nachwuchsförderung gibt - also für jene Forschungszweige, die sich damit beschäftigen die Erkenntnisse der Grundlagenforschung möglichst schnell und effektiv in neue Strategien der Krankheitsbekämpfung umzusetzen.

Prof. Dietz: "Deutschland hat solche Programme - noch - nicht. Jede Universität sucht nach individuellen Lösungen in ihren forschungsaktiven Abteilungen." In einigen Ländern hingegen habe diese Entwicklung nicht nur Alarm ausgelöst, sondern bereits zu Unterstützungsprojekten für junge klinische Forscher geführt.

"Die Klinische Forschung in Deutschland befindet sich einer strukturellen Krise, die sich nicht nur durch unzureichenden Input und Output, sondern auch als Effizienzdefizit darstellt", befindet auch Prof. Dr. Matthias Schrappe (Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e.V.). "In der Grundlagenforschung ist die biomedizinische Forschung in Deutschland konkurrenzfähig, jedoch besteht Nachholbedarf in der Umsetzung in klinische Studien und die Alltagsversorgung."

Erfolgsrate in der Entwicklung neuer Substanzen in den letzten Jahren gefallen

Mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms und der Aufdeckung molekularer Krankheitsursachen ging die Erwartung einher, dass die Entwicklung von Medikamenten gezielter, effizienter und schneller möglich sei. "Entgegen dieser Erwartung ist allerdings die Erfolgsrate in der Entwicklung neuer Substanzen in den letzten Jahren nicht gestiegen, sondern gefallen", so Prof. Dietz. Mit dem Verlust an Talenten gehe eben auch die Umsetzung von neuen Erkenntnissen aus der Grundlagenwissenschaft in praktisch nutzbare Innovationen verloren.

Versorgungsforschung soll Defizite in Deutschland beseitigen

Neben der Grundlagenforschung, der translationalen Forschung, und der klinisch-evaluativen Forschung spiele deshalb die Versorgungsforschung heute eine zentrale Rolle. Prof. Schrappe: "Sie beschäftigt sich mit der Umsetzung der Ergebnisse klinischer Studien in die Praxis der Gesundheitsversorgung hinsichtlich ihrer Wirkung auf Qualität und Effizienz in individueller und sozioökonomischer Perspektive. Versorgungsforschung ist ergebnisorientiert, multidimensional (interdisziplinär und interprofessionell) und patientenorientiert."

Versorgungsforschung ist ein wissenschaftlicher Ansatz, der der Hochschulmedizin die Möglichkeit gibt, in der gegenwärtigen Strukturkrise durch Öffnung zu anderen Akteuren des Gesundheitswesens Kontakt aufzunehmen und den wissenschaftlichen Anspruch mit dem Entwicklungsbedarf in der Hochschulmedizin zu verbinden. Diese Perspektiverweiterung soll einen entscheidenden Schritt zur Bewältigung der Defizite der Klinischen Forschung in Deutschland darstellen, sagt Prof. Schrappe.

Kontakt:
Prof. Dr. Eckart Fleck, Pressesprecher der DGK
Christiane Limberg, Pressereferentin der DGK, Tel. im Kongresszentrum 0621-41065002

Roland Bettschart, B&K Medien- und Kommunikationsberatung, Tel. im Kongresszentrum 0621-4106-5003 oder mobil 0043 676 6356775

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

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