Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Energie von unten - 9. Geothermische Fachtagung Karlsruhe

17.11.2006
Zufriedene Branche - Volle Auftragsbücher
Parlamentarische Staatssekretärin Klug: Ausbau der Geothermie unverzichtbar. Bund unterstützt Forschung und kooperiert bei der Absicherung geologischer Risiken

Knapp 500 Teilnehmer trafen sich vom 15.-17.11.06 im Karlsruher Kongresszentrum zur 9.Geothermischen Fachtagung. Hinter dem Motto der Veranstaltung, "Mehr Energie von unten" steht der Anspruch der Erdwärmebranche, künftig einen weitaus deutlicheren Teil zur Versorgung mit sauberer Energie beitragen zu wollen. "Es ist sehr erfreulich, welch großer Nachfrage sich unsere Unternehmen gegen übersehen," formulierte Simone Probst, die in Karlsruhe neu gewählte, künftige Präsidentin des Bundesverbandes Geothermie (GtV-BV).

"Überall wird nach Auswegen aus der Falle gesucht, in die wir auch durch die stark gestiegenen Kosten für fossile Energieträger geraten sind. Die Geothermie bietet hier eine verlässliche, preisstabile Alternative," betonte die Physikerin Probst, ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, die am 1. Januar ihr neues geothermisches Ehrenamt antritt. "Unsere Erde ist nun einmal eine unerschöpfliche Energiequelle."

Deutlich wurde in Karlsruhe, dass inzwischen in allen Bereichen qualifiziertes Personal gesucht wird, um die wachsenden Aufgaben bewältigen zu können. Die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen hat sich erheblich verbessert. In immer mehr Neubauten finden sich Erdwärmeanlagen für Heizung und Warmwasser. Die Systeme sind zuverlässig, komfortabel und können auch ohne staatliche Fördermaßnahmen mit den konventionellen Konkurrenten Gas oder Öl mithalten. 2006 verzeichnete man erneut einen enormen Zuwachs bei neu installierten Anlagen von knapp 12.000 im Vorjahr auf nunmehr rund 24.000. Auch für das kommende Jahr zeichnen sich vergleichbare Wachstumsraten ab. Der Sanierungsbereich verlangt allerdings erhöhte Anforderungen an die Umstellung eines alten Gebäudes auf das neue System. Effiziente Erdwärmeanlagen sind nur bis zu einer Vorlauftemperatur bis 45 °C zu haben. Dazu passende Heizkörper sind in vielen bestehenden Gebäuden nicht vorhanden, fällige Umrüstungen dann mit Investitionen verbunden, die u. U. nicht so ohne weiteres getragen werden können. "Für diesen Bereich erhoffen wir uns künftig Unterstützung aus dem Marktanreizprogramm des Bundes," erklärte Ralf Schramedei, Leiter der Sektion Oberflächennahe Geothermie des GtV-BV.

... mehr zu:
»GtV-BV

"Wir können uns vor Anfragen kaum noch retten," fasste der Vertreter eines Planungsbüros die Situation zusammen, in sich er und vielen seiner Kollegen befinden. Sein Unternehmen entwickelt Konzepte für die Nutzung von Wärme aus warmem bis heißem Tiefenwasser. Das Interesse aus dem öffentlichen und privaten Sektor nach verlässlichen Alternativen zur herkömmlichen Versorgung hat auch für solche Systeme dramatisch zugenommen, die Thermalwasserschichten in einem oder mehreren Kilometern Tiefe anzapfen. Inzwischen wird gutes Geld mit der Projektentwicklung verdient.

Kopfzerbrechen bereitet der Mangel an Tiefbohrgeräten. Der weltweite Markt ist praktisch leer gefegt. Die Geräte befinden sich im Einsatz bei der Erschließung der letzten Erdöl- und Erdgaslagerstätten. Hohe Bohrkosten werden auf die Endkunden abgewälzt. Bei der Geothermie führt diese Situation zu steigenden Preisen in einem Kernbereich der Projekte. Besonders hinderlich ist die Situation in den Fällen, in denen entsprechende hohe Temperaturen in großen Tiefen erreicht werden müssen, die sich für die Stromproduktion eignen. "Einige Vorhaben, die sich auf Grund der Einspeisevergütungen aus dem EEG vor ein oder zwei Jahren noch gerechnet hätten, geraten jetzt in Probleme oder müssen zurückgestellt werden," bedauerte Horst Kreuter, Sektionsleiter Tiefe Geothermie. Rund 160 Erlaubnisfelder wurden in Südbayern und entlang des Oberrheins inzwischen vergeben. Würden auf allen geothermische Kraftwerke entstehen, löste das Investitionen von mehreren Milliarden Euro aus.

Eine der Schwerpunktregionen der Entwicklung ist der Oberrheingraben. Kreuter konnte während der Fachtagung die Bildung eines "Regionalforums Oberrhein" des Bundesverbandes bekanntgeben, in dem sich die Akteure aus den Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen zusammenfinden sollen, um ihre Anliegen gemeinsam vorantreiben zu können.

Klar wurde während in Karlsruhe aber auch, dass es bei der Erschließung von Lagerstätten noch wichtige Aufgaben zu lösen gibt. Vor allem muss die Prognosesicherheit vor Beginn der Bohrungen konsequent weiter erhöht werden. Im Untergrund gilt es die Methoden zu verbessern, die einen dauerhaften Betrieb einer Anlage gewährleisten können. "Langfristig müssen wir darauf hinarbeiten, dass uns ein Methodenkatalog zur Verfügung steht, der jedes Projekt zu einem Erfolg macht," betonte Kreuter.

Am letzten Tag erhielt der Kongress Besuch aus Berlin. Die zukünftige GtV-BV-Präsidentin konnte die Parlamentarische Staatsekretärin im Bundesumweltministerium Astrid Klug in Karlsruhe begrüßen. In der Abschlussveranstaltung stellte Frau Klug klar, dass ihr Haus auch weiterhin die Entwicklung der Geothermie unterstützen werde. Der Anteil der Geothermie-Forschung am Gesamtbudget für Erneuerbare Energien habe 2005 bei 20% und damit bei 18 Mio. Euro gelegen. Die deutschen Wissenschaftler hätten sich mittlerweile einen international beachteten Spitzenplatz erarbeitet. Zur Absicherung der geologischen Risiken von geothermischen Projekten erarbeite man derzeit in Kooperation mit anderen Bundesministerien, der KfW-Bank und der Versicherungswirtschaft die Details für die Errichtung eines Projektfonds.

Vor der Abschlussveranstaltung besuchte Frau Klug in Begleitung des Karlsruher SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Jung, die Ausstellung GEOEnergia2006, die mit ihren mehr als 40 beteiligten Unternehmen parallel zur Tagung einen Überblick über die technische Entwicklung und das Leistungsangebot der Branche präsentiert hatte.

Die Versammlung verabschiedete Prof. Horst Rüter, der in diesem Jahr die Geschicke der GtV-BV in einer schwierigen Übergangs- und Umstrukturierungsphase zum Bundesverband geleitet hatte und sein Amt am Ende des Jahres an die neue Präsidentin weiterreicht.

Pressekontakt:
Werner Bußmann
Geothermische Vereinigung e.V. - Bundesverband Geothermie
Gartenstr. 36
49744 Geeste
Tel: +49 (0) 5907 - 545
Fax: +49 (0) 5907 - 7379
Email: geothermische-vereinigung@t-online.de

Werner Bußmann | Geothermische Vereinigung e.V
Weitere Informationen:
http://www.geothermie.de

Weitere Berichte zu: GtV-BV

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge
17.01.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau