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Internationale Konferenz zur Supraleitung in Dresden

05.07.2006
Vom 9. bis 14. Juli 2006 findet im Internationalen Congress Center Dresden eine große internationale Konferenz zur Supraleitung statt, zu der an die 1000 Supraleitungsexperten aus aller Welt, darunter drei Nobelpreisträger, erwartet werden. Unter dem Titel "Materials and Mechanisms of Superconductivity and High Temperature Superconductors" (M2S) - zu deutsch "Materialien und Mechanismen der Supraleitung und der Hochtemperatur-Supraleiter" - diskutieren die Teilnehmer eine Woche lang die neusten Ergebnisse zur Physik und den Anwendungsmöglichkeiten dieser interessanten Materialklasse.

Das Phänomen Supraleitung, also verlustfreier Stromtransport, fasziniert seit Entdeckung der ersten Supraleiter im Jahre 1911 Wissenschaftler und Laien gleichermaßen. Als vor nahezu 20 Jahren die Entdeckung der Hochtemperatursupraleitung in oxidischen Keramiken durch Georg Bednorz und Alex Müller bekannt wurde, führte dies schnell zu überaus euphorischen Anwendungsvisionen in der Elektronik, Messtechnik, Verkehrstechnik und insbesondere im Bereich der Energietechnik. Supraleitende Kabel sollten Überlandstromleitungen ersetzen und deren Energieübertragungsverluste vermeiden, gigantische supraleitende Magnete für die Energiespeicherung genutzt werden, leistungsfähigere Generatoren und Motoren gebaut sowie komplett neuartige Strombegrenzungseinrichtungen in Energieübertragungsnetzen ermöglicht werden. Die damals einsetzende Forschung zeigte in den folgenden Jahren sehr deutlich, dass ein langer Weg von der Entdeckung bis zur technologischen Anwendung dieser Materialklasse zu überwinden ist. Nach einer vorher nie da gewesenen Flut von Publikationen sind mittlerweile viele, aber bei weitem nicht alle physikalischen Eigenschaften der Supraleiter geklärt. Daneben wurde die gesamte Festkörperphysik um eine große Menge neuer Erkenntnisse bereichert, von denen viele ebenfalls bereits technologische Relevanz haben.


Supraleitendes Material Yttrium-Barium-Kupfer-Oxid, hergestellt im IFW Dresden. Foto: IFW Dresden

Alle drei Jahre trifft sich die internationale Szene der Supraleiterforscher zu M2S-Konferenzen, um ihre neuesten Ergebnisse zum Mechanismus der Supraleitung, zur Charakterisierung und Synthese supraleitender Materialien und zu neuen Perspektiven für die Anwendung auszutauschen. Dabei sind theoretische Berechnungen und Vorhersagen genauso gefragt wie experimentelle Ergebnisse. Die breit angelegte Forschung auf dem Gebiet der Supraleitung führt dabei immer wieder zu neuen Erkenntnissen und Entdeckungen, die viele weitere Fragen nach sich ziehen. So wurden in jüngster Zeit neue supraleitende Verbindungen entdeckt, wie zum Beispiel Boride, Borkarbide, dotierte Fullerene, organische Supraleiter oder schwere Fermionen. Für jede dieser Substanzen tut sich mit der Entdeckung eine Reihe von Fragen auf, die es mit Experimenten und theoretischen Modellen zu beantworten gilt.

In diesem Jahr findet die internationale M2S Konferenz erstmalig in Dresden statt, was auch ein Zeichen dafür ist, dass die Dresdner Wissenschaftler auf dem Gebiet der Supraleitung an vorderster Front erfolgreich tätig sind. In Dresden wird Supraleitungsforschung insbesondere im IFW Dresden, an der TU Dresden und in den beiden Max-Planck-Instituten für Chemische Physik fester Stoffe und für Physik komplexer Systeme betrieben. Das Forschungszentrum Rossendorf wird sich künftig insbesondere mit dem dort im Aufbau befindlichen Hochfeldmagnetlabor an der Erforschung der Supraleitung und verwandter physikalischer Phänomene beteiligen. Alle diese Einrichtungen wirken an der Organisation der M2S-Konferenz mit und tragen zu deren Finanzierung bei. Die M2S-Konferenz wird vom Leibniz-Institut für Festkörper und Werkstoffforschung (IFW) Dresden veranstaltet und von Prof. Jörg Fink organisiert und geleitet. Finanzielle Unterstützung erhält die Tagung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, vom Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, vom International Institute for Complex Adaptive Matter, von der International Union of Pure and Applied Physics, vom Verlag Elsevier sowie von den oben genannten Dresdner Einrichtungen, die sich mit Supraleitung beschäftigen.

Besonders prominente Teilnehmer der Dresdner Tagung sind die Nobelpreisträger Alex Müller, Philip W. Anderson und Alexei A. Abrikosov. Alex Müller hatte zusammen mit J. Georg Bednorz 1986 die Hochtemperatur-Supraleitung entdeckt. Philip W. Anderson erhielt den Nobelpreis 1977 für die grundlegenden theoretischen Leistungen zur Elektronenstruktur in magnetischen und ungeordneten Systemen. Alexei Abrikosov entwickelte die Theorie für sogenannte Typ-II-Supraleiter, die auch in Magnetfeldern stabil sind. Neben diesen Pionieren der Supraleitung werden auch zahlreiche junge, sich noch in der Ausbildung befindende Forscher aus aller Welt (z.B. Japan, USA, China, Russland, Frankreich) anwesend sein.

Öffentlicher Abendvortrag mit drei Nobelpreisträgern

Im Rahmen der M2S-Konferenz findet am Dienstag, dem 11.07.2006, von 20:30 - 22:00 Uhr ein öffentlicher Abendvortrag mit drei Nobelpreisträgern statt. Unter dem Motto "20 Jahre Hochtemperatur-Supraleitung" werden folgende Kurzvorträge (in engl. Sprache) gehalten:

- Alex Müller, Zürich: Experimental confirmations since Houston 2000
- Alexei A. Abrikosov, Argonne: Unusual magnetic transition and its consequences.
- Philip W. Anderson, Princeton: 20 years of talking past each other: The theory of high Tc
Ort: International Congress Center Dresden, Großer Saal
Beginn: 20:30 Uhr
Eintritt frei
M2S-Preise
Traditionell werden auf den M2S-Konferenzen drei Preise verliehen, um besonders wichtige Beiträge auf dem Gebiet der Supraleiterforschung anzuerkennen und öffentlich heraus zu stellen. Dies sind der Berndt-T.-Matthias-Preis, der John-Bardeen-Preis und der Kamerlingh-Onnes-Preis. Zusätzlich wird bei der diesjährigen M2S Konferenz der Kurti-Preis verliehen. Die Preisverleihung erfolgt während der Eröffnungssitzung am 10. Juli 2006 von 9-10 Uhr. Die vier Preisträger werden innerhalb des Tagungsprogramms gesondert ausgewiesene Plenarvorträge halten.

Bernd-T.-Matthias-Preis für Supraleitende Materialien

Der Matthias-Preis wird verliehen, um innovative Beiträge zu Materialaspekten von Supraleitern zu würdigen. Er ist nach dem Physiker Bernd T. Matthias benannt, der die Supraleitung an den meisten intermetallischen Verbindungen zuerst gefunden hatte. Der diesjährige Preisträger ist Prof. Frank Steglich, Direktor am Dresdner Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe, der 1979 die Schwere-Fermionen-Supraleitung entdeckt hatte. Der Preis ist mit 5.000 $ dotiert und wird vom Texas Center for Superconductivity at the University of Houston, Texas, USA, gesponsert. Den Preisträgervortrag mit dem Titel "Superconductivity and Magnetism: From Antagonism to Mutual Interplay" wird Prof. Steglich am Dienstag, dem 11.07.2006, 8:30 - 9:00 Uhr halten.

John-Bardeen-Preis für die Theorie der Supraleitung

Dieser Preis ist nach dem US-amerikanischen Physiker und zweifachen Nobelpreisträger für Physik John Barden (1908-1991) benannt. Einen der Nobelpreise erhielt er für die theoretische Erklärung der Supraleitung mit dem BCS-Modell. Der Bardeen Preis wird für theoretische Arbeiten verliehen, die signifikant neue Einblicke in die Natur der Supraleitung gestatten und zu überprüfbaren Vorhersagen führen. In diesem Jahr wird der Preis in Höhe von 5.000 € von der Dresdner Bank gesponsert. Verliehen wird der Preis an Prof. Alexander Andreev, Direktor des renommierten Kapitza-Instituts in Moskau, sowie an Kazumi Maki (Los Angeles) und Douglas Scalapino (Santa Barbara) für die wegweisenden Arbeiten dieser drei Forscher zum quantentheoretischen Verständnis der Supraleiter. Am Montag, 10.07.2006, 10:00 - 10:30 hält Prof. Andreev den Preisträgervortrag mit dem Titel: "Electron Pairs for High-Tc cuprates".

H.-Kamerlingh-Onnes-Preis für Supraleitungsexperimente

Der Onnes-Preis ist nach dem Entdecker der Supraleitung Heike Kamerlingh Onnes benannt. Er wird für herausragende Experimente verliehen, die die Natur der Supraleitung beleuchten. Gesponsert wird der mit 5.000 $ dotierte Preis vom Verlag Elsevier. Den diesjährigen Onnes-Preis erhalten N. Phuan Ong (Princeton), Hidenori Takagi (Tokyo), and Shin-ichi Uchida (Tokyo) in Würdigung ihrer bahnbrechenden Experimente an Kupraten. Der Preisträgervortrag mit dem Titel "Effect of disorder on Tc and electronic inhomogeneity in high-Tc cuprates" findet am Mittwoch, 12.07.2006, 8:30 - 9:00 Uhr statt.

Kurti-Preis

Der Kurti-Preis wird seit 2004 jährlich einmal vergeben, um die Arbeit von jungen Wissenschaftlern zu unterstützen, die für ihre Forschung tiefe Temperaturen und/oder hohe Magnetfelder verwenden. Der Preis ist mit 8.000 € dotiert und wird von der Firma Oxford Instruments gesponsert. Benannt ist der Preis nach Professor Nicholas Kurti (1908-1998), einem herausragenden Tieftemperaturphysiker am Clarendon Laboratory der Universität Oxford. Der Kurti-Preis geht in diesem Jahr an Andreas Wallraff von der ETH Zürich. Er wird am Freitag, 14.07.2006, 8:30 - 9:00 den Preisträgervortrag zu "Quantum Optics and Quantum Information Processing with Superconducting Circuits" halten.

Interessante Termine für Pressevertreter

Eröffnungssitzung (Opening Session) und Preisverleihungen:
Montag, 10.07.2006, 9:00 - 10:00 Uhr
Prof. Fink wird die M2S-Konferenz eröffnen. Die Grußworte werden von Staatssekretär Dr. Knut Nevermann (SMWK), von Oberbürgermeister Ingolf Roßberg und von Prof. Hermann Kokenge, Rektor der TU Dresden, gehalten. Anschließend werden die drei M2S-Preise und der Kurti-Preis verliehen.
John-Bardeen Prize Lecture
Montag, 10.07.2006, 10:00 - 10:30 Uhr
Prof. Alexander Andreev, Moscow: Electron Pairs for High-Tc cuprates
Bernd T. Matthias Prize Lecture
Dienstag, 11.07.2006, 8:30 - 9:00 Uhr
Prof. Frank Steglich, Dresden: Superconductivity and Magnetism: From Antagonism to Mutual Interplay
Kamerlingh Onnes Prize Lecture
Mittwoch, 12.07.2006, 8:30 - 9:00 Uhr
Prof. Shin-ichi Uchida, Tokyo: Effect of disorder on Tc and electronic inhomogeneity in high-Tc cuprates
Kurti Prize Lecture
Freitag, 14.07.2006, 8:30 - 9:00 Uhr
Dr. Andreas Wallraff, Zürich: Quantum Optics and Quantum Information Processing with Superconducting Circuits
Öffentlicher Abendvortrag mit drei Nobelpreisträgern
Dienstag, 11.07.2006, 20:30 -22:00 Uhr
Thema: "20 Years High-Temperature-Superconductivity"
Akkreditierung der Pressevertreter erfolgt im Tagungsbüro vor Ort.
Tagungsort Internationales Congress Center Dresden
Konferenzsprache ist englisch.
Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Jörg Fink
IFW Dresden
PF 27 01 16
01171 Dresden
Tel. (0351) 4659-425
e-Mail: j.fink@ifw-dresden.de
Tagungsbüro
Tel. 0160 744 00 01

Dr. Carola Langer | idw
Weitere Informationen:
http://www.m2s-dresden.de

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