Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Experten beraten über den richtigen Umgang mit menschlichem Gewebe

14.05.2008
Bei einem Expertentreffen am 16. Mai 2008 im Kardinal-Wendel-Haus in München geht es um aktuelle Fragen der langfristigen Finanzierung und der Gewährleistung einer dauerhaften Anwendung und Umsetzung ethischer und rechtlicher Normen im Umgang mit Humangewebe.

Da beim Umgang mit menschlichem Gewebe Grundrechte und Gemeinwohl berührt werden und neben wissenschaftlichen auch wirtschaftliche Interessen mit der Bereitstellung von menschlichem Gewebe verbunden sind, müssen ethische und rechtliche Anforderungen in den Blick genommen werden.

Dem widmet sich die Stiftung “Human Tissue and Cell Research” (HTCR) in vollem Umfang. Die Stiftung wurde im Dezember 2000 durch Prof. Dr. Karl-Walter Jauch in Regensburg gegründet. Der heutige Direktor der Chirurgischen Klinik und Poliklinik am Klinikum der Universität München, Campus Großhadern, hatte HTCR als Stiftung des öffentlichen Rechts mit folgenden Zielen ins Leben gerufen:

- Menschliches Gewebe für die Forschung verfügbar halten,

... mehr zu:
»Großhader »HTCR »Humangewebe

- In-vitro-Systeme – also lebende Zellen außerhalb des Körpers in Kulturschale – bereit stellen,

- Forschung mit humanen In-vitro-Modellen fördern und die Voraussetzungen für die Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren schaffen,

- Gewebebank mit menschlichem Zellgewebe aufbauen und langfristige Datendokumentation sicherstellen,

- ethische und rechtliche Rahmenbedingungen, sowie die Wahrung des Datenschutzes etablieren.

Die Stiftung agiert völlig unabhängig von Forschungsinstituten und interessierten Unternehmen, unterliegt staatlichen Kontrollen und hegt keine wirtschaftlichen Interessen. Prof. Dr. Karl-Walter Jauch hat mit privaten Mitteln den Grundstein für das inzwischen auf 450.000 Euro angewachsene Stiftungskapital gelegt. Die Geldgeber selbst, wie alle weiteren Spender, haben auf das Vermögen keinen Einfluss mehr. Lediglich die Erträge der in Regensburg ansässigen Stiftung stehen für Vorhaben zur Verfügung.

Inzwischen betreibt HTCR eine Gewebebank an den Universitätsklinika Regensburg und München/Großhadern. Das darin enthaltene menschliche Gewebe und Zellmaterial stammt aus interventionellen Eingriffen vor Ort. Anstatt das Gewebe, das für weitere Diagnosezwecke keine Verwendung fände, nach dem Eingriff als Ausschuss verwerfen zu lassen, stellen es die Patienten zu Zwecken der Forschung im universitären Bereich oder in der forschenden Pharmaindustrie und Biotechnologie zur Verfügung. Dieses Prozedere ist unter anderem deshalb für die Forschung besonders wertvoll, weil parallel zum Gewebe Informationen über die Krankheitsgeschichte dokumentiert werden. Durch die Anonymisierung der Daten stellt die Stiftung sicher, dass das Arztgeheimnis gewahrt bleibt. Nach über siebenjähriger Erfahrung in diesem Bereich hat sich bestätigt, dass sowohl die Therapie- und Medikamentenentwicklung, als auch das Bestreben nach immer höherer Arzneimittelsicherheit von dem gelagerten Humangewebe profitieren. Die Resultate der Forschung mit Humangewebe sind nicht nur aussagekräftiger, konkreter und direkter anwendbar, sie sind auch mit wesentlich geringeren Kosten erreicht worden.

Beispiel 1: Wenn Ideen, Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung, also in neue Strategien zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten umgesetzt werden sollen, wird Humangewebe benötigt. Eine ausschließlich auf Tierversuchen basierende Forschung bietet häufig eine zu geringe Human-Relevanz, schafft deshalb immer wieder Probleme aufgrund der Unterschiede zwischen Mensch und Tier, erzeugt unter Umständen irreführende Ergebnisse und ist folglich ergänzungsbedürftig.

Beispiel 2: Forschung mit Humangewebe kann die Lücke zwischen der Basisentwicklung im Labor, der Grundlagenforschung und der Anwendung am Patienten schließen helfen. Beispielsweise können Untersuchungen, die bislang nur an sich selbst perpetuierenden standardisierten Zelllinien vorgenommen wurden, nun an spezifischen Karzinomen von Patienten ausgetestet werden.

Programm des nicht öffentlichen Expertentreffens:

Das Eröffnungsreferat hält Prof. Dr. Susanna Hegewisch-Becker (Stellv. Vorsitzende der AG Internistische Onkologie in der deutschen Krebsgesellschaft). Sie geht auf die spezielle Bedeutung von Humangewebe für die Krebsforschung ein und erläutert dessen Unverzichtbarkeit. Dr. Thomas Singer (F. Hoffmann-La Roche) legt in seinem Kurzvortrag den Nutzen von Humangewebe für die Medikamentenentwicklung und die Medikamentensicherheit dar. Auf die Bedeutung und die Perspektiven der Forschung mit menschlichem Gewebe wird auch Prof. Dr. Klaus Lindpaintner (Roche Genetics, F. Hoffmann-La Roche) eingehen, der Humangewebe als Ausgangspunkt für die Medizin der Zukunft erachtet.

Den zweiten Themenblock des Expertentreffens eröffnet Prof. Dr. Konrad Hilpert (LMU München, Katholisch-Theologische Fakultät - Lehrstuhl für Moraltheologie). Er stellt ethische Kriterien für den Umgang mit Humangewebe zur Diskussion. Dr. Eva Zech (Referendarin OLG Bezirk Braunschweig) gibt eine Bestandsaufnahme und zeigt Entwicklungsperspektiven rechtlicher Rahmenbedingungen des Umgangs mit Humangewebe. Nils Hoppe (Wiss. Mitarbeiter an der Zentralen Einrichtung für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsethik, Leibniz Universität Hannover) umreißt sich abzeichnende juristisch-ethische Standards im europäischen Vergleich.

Im dritten Themenblock gibt Prof. Dr. Hans-Anton Lehr (Institut universitaire de Pathologie, Lausanne) Einblicke in die Praxis eines klinischen Pathologen und seine Orientierung an ethisch-juristischen Standards. Dr. Christina Schröder (Fraunhofer IBMT, Potsdam) benennt Grundanforderungen an den Aufbau und die Nutzung von Biobanken. PD Dr. Wolfgang Thasler (Facharzt für Chirurgie und Leiter der AG Leberregeneration am Klinikum der Universität München, LMU) beleuchtet einige Implikationen des „Honest-Broker-Konzepts“ für die Pathologie und seine Bedeutung für die Forschung.


Ansprechpartner:
PD Dr. Wolfgang Erwin Thasler
Chirurgische Klinik am Klinikum der Universität München,
Campus Großhadern
Arbeitsgruppe Leberregeneration
Tel: 089/7095-2673
Mobil: +49-170-8056612
E-mail: Wolfgang.Thasler@med.uni-muenchen.de

Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) werden an den Standorten Großhadern und Innenstadt jährlich rund 81.000 Patienten stationär, 12.000 teilstationär und 370.000 Patienten ambulant behandelt. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2006 mehr als 58 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Großhader HTCR Humangewebe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen
28.02.2017 | Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

nachricht 350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin
28.02.2017 | Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Künstlicher Intelligenz das Gehirn verstehen

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas über den Schaltplan des Gehirns bekannt.

Wie entsteht Bewusstsein? Die Antwort auf diese Frage, so vermuten Forscher, steckt in den Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Leider ist jedoch kaum etwas...

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nebennierentumoren: Radioaktiv markierte Substanzen vermeiden unnötige Operationen

28.02.2017 | Veranstaltungen

350 Onlineforscher_innen treffen sich zur Fachkonferenz General Online Research an der HTW Berlin

28.02.2017 | Veranstaltungen

23. VDMA-Arbeitsberatung „Engineering und Konstruktion“ am 2. März 2017 an der TH Wildau

28.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Automatisierungstreff 2017: Experten-Tipps zu EMV und Industrie 4.0-Engineering

28.02.2017 | Seminare Workshops

Das Partnerprogramm von Stellar Datenrettung

28.02.2017 | Unternehmensmeldung

Ein Filter für schweren Wasserstoff

28.02.2017 | Biowissenschaften Chemie