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Anreize, Innovation und Wachstum

15.08.2014

Zentrale wirtschaftswissenschaftliche Konzepte wollen Wirtschaftsnobelpreisträger und engagierte Nachwuchsökonomen aus aller Welt in der nächsten Woche in Lindau diskutieren

In den letzten Jahrzehnten haben die Wirtschaftswissenschaften zu fundamentalen Durchbrüchen für unser Verständnis von menschlichen Reaktionen auf Anreize in Anbetracht von Ungewissheit und strategischen Interaktionen beigetragen. Aber in welchem Umfang können solche Anreizmodelle zur Entwicklung besserer Institutionen und geeigneter politischer Maßnahmen eingesetzt werden – und wo liegen ihre Grenzen? Inwieweit liefern sie uns Hinweise darauf, was benötigt wird, um Innovation voranzubringen, die Wirtschaftswachstum und soziales Wohlergehen fördert?

Diese und andere Fragen zählen zu den zentralen Themen, die 17 Wirtschaftsnobelpreisträger und rund 450 Nachwuchsökonomen aus über 80 Ländern nächste Woche während der 5. Lindauer Tagung der Wirtschaftswissenschaften erörtern wollen. Die Tagung lädt zu einem einzigartigen – Generationen, Kulturen und wissenschaftliche Hintergründe übergreifenden – Dialog ein. Eröffnet wird die Veranstaltung am 20. August mit einer Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Einen „Ausblick auf die Situation und die Aussichten für Lateinamerika” gewährt ein Vortrag von Mario Vargas Llosa, Literaturnobelpreisträger des Jahres 2010.

Vom 20. bis 23. August haben die teilnehmenden Nobelpreisträger und die jungen Wirtschaftswissenschaftler vielzählige Gelegenheiten zu einem intensiven Ideenaustausch. Die zahlreichen Vorträge, Diskussionsrunden, Master Classes und Podiumsdiskussionen, die auf dem Programm stehen, beschäftigen sich mit zentralen Feldern der Disziplin wie der Ökonometrie, der Spieltheorie, der Mechanismus-Design-Theorie, dem Neoklassischen Wachstumsmodell und Messungen systemischen Risikos im Finanzsystem.

Thema der abschließenden Podiumsdiskussion der Tagung am Samstag, dem 23. August auf der Insel Mainau wird die übergeordnete Frage sein: „Wie nützlich sind die Wirtschaftswissenschaften – wie sind die Wirtschaftswissenschaften nützlich?”. Als Ehrengast der Abschlussveranstaltungen an diesem Tag wird Königin Silvia von Schweden erwartet.

Wirtschaftliche Gegebenheiten hatten schon immer mit Anreizen zu tun. Aber lange haben sich die meisten Expertenanalysen zu Anreizfragen auf das Verhalten von Menschen oder Unternehmen in den Märkten beschränkt, in denen die institutionellen Voraussetzungen gegeben waren. Seit den 1960er Jahren hat sich unser Verständnis von Anreizen und Anreizproblemen durch Untersuchungen, die asymmetrische Informationen und strategische Wechselbeziehungen als Ursachen von Anreizproblemen erkannten, revolutioniert und grundlegende Erkenntnisse über die Folgen für die Bewältigung dieser Probleme durch institutionelle Strukturen beigesteuert.

Podiumsdiskussion: „Strategic behaviour, incentives and mechanism design”

Die Bedeutung der Forschung in diesem Bereich wurde durch die Nobelpreis-Auszeichnungen von Sir James Mirrlees und William Vickrey für ihre „grundlegenden Beiträge zur ökonomischen Theorie von Anreizen bei unterschiedlichen Graden von Information der Marktteilnehmer” (1996) und von Leonid Hurwicz, Eric Maskin und Roger Myerson „für die Erforschung der Fundamente der Mechanismus-Designtheorie” (2007) anerkannt. Bei der Lindauer Tagung werden die drei Nobelpreisträger Eric Maskin, Sir James Mirrlees und Roger Myerson in einer Podiumsdiskussion über strategisches Verhalten, Anreize und Mechanismus-Design die zugrunde liegenden Ideen und deren Entwicklung erörtern.

Edmund Phelps: „Bringing dynamism, home-grown innovation and human flourishing into economics”

Der Wirtschaftsnobelpreisträger von 2006, Edmund Phelps, befürchtet, dass die westliche Welt zunehmend an Dynamik eingebüßt hat. Die Folgen: Innovationsbemühungen geraten ins Stocken, ein möglicher Produktivitätszuwachs wird reduziert und unser künftiger Wohlstand steht auf dem Spiel. Sein Vortrag bei der Lindauer Tagung unter dem Titel „Bringing dynamism, home-grown innovation and human flourishing into economics” wird sich damit beschäftigen, wie die grundlegende dynamische Kraft wiederhergestellt werden kann, die der transformativen Innovation für ein besseres Leben – oder wie er es nennt, dem Gedeihen der Masse – neue Impulse verleihen kann. Er ist davon überzeugt, dass Innovation größtenteils nicht durch einige vereinzelte Visionäre, sondern durch eine dynamische Kraft in großem Maßstab vorangebracht wird: Millionen von Menschen, die befähigt sind, sich neue Produkte und Prozesse auszudenken und diese zu entwickeln und zu vermarkten.

Edward Prescott: „Innovation in neoclassical growth theory”

Die vom Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 2004, Edward Prescott, in seinem Vortrag „Innovation in neoclassical growth theory” beschriebenen Forschungsergebnisse zeigen, dass die prognostizierten BIP-Zuwächse aus einer Offenheit gegenüber ausländischen Direktinvestitionen dreimal größer sind als die Vorhersagen aus Standardhandelsmodellen, aber dennoch nur ein Drittel dessen ausmachen, was die Erfahrung zeigt. Er wird aufzeigen, dass weitere Faktoren von Bedeutung sind. Die wichtigsten lauten: Eine Reduzierung der Anreize, wodurch Hindernisse für eine effizientere Produktion geschaffen werden, und eine Erhöhung der Geschwindigkeit, mit der sich für die Produktion nützliches Wissen ausbreitet.

Die Lindauer Tagungen

Seit ihrer Gründung im Jahr 1951 als Initiative zur Nachkriegs-Aussöhnung von Wissenschaftlern haben sich die Lindauer Nobelpreisträgertagungen zu einem weltweit einzigartigen Forum für den ungezwungenen Austausch unter Physiologen und Medizinern, Physikern und Chemikern entwickelt. Die Tagungen dienen dem Wissenstransfer, der Inspiration und der Vernetzung von Wissenschaftlern. Jedes Jahr kommen Nobelpreisträger und Nachwuchswissenschaftler aus der ganzen Welt in Lindau zusammen, um miteinander in einen generationenübergreifenden und interkulturellen Dialog zu treten. Die wirtschaftswissenschaftlichen Tagungen wurden im Jahr 2004 ins Leben gerufen. Hier haben einige der engagiertesten jungen Ökonomen der ganzen Welt die Gelegenheit, die Fragen zu stellen und die Themen zu diskutieren, die sie am meisten interessieren und bewegen.


Informationen für die Presse:

Die Lindau Nobel Laureate Meetings richten vom 19. bis 23. August 2014 die 5. Lindauer Tagung der Wirtschaftswissenschaften aus. Journalisten haben bis Sonntag, den 17. August um 22:00 Uhr die Möglichkeit, sich online für eine Akkreditierung anzumelden:
http://accreditation.lindau-nobel.org/2014

Informationen zur Tagung und zum Tagungsprogramm sind im Internet zu finden unter:
http://mediatheque.lindau-nobel.org/meetings/2014-eco

Die folgenden 17 der 38 lebenden Träger des „Preises der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel”, die gemeinhin als Wirtschaftsnobelpreisträger bezeichnet werden, nehmen an der Tagung teil: Robert Aumann, Peter Diamond, Lars Peter Hansen, Finn Kydland, Eric Maskin, Daniel McFadden, Robert Merton, James Mirrlees, Roger Myerson, Edmund Phelps, Edward Prescott, Alvin Roth, Reinhard Selten, William Sharpe, Christopher Sims, Vernon Smith und Joseph Stiglitz.

Die rund 450 teilnehmenden Nachwuchsökonomen – 37 Prozent davon Frauen – waren in einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren, an dem sich über 200 akademische Einrichtungen auf der ganzen Welt beteiligt hatten, ausgewählt worden. Dem Netzwerk gehören außerdem 42 nationale Zentralbanken, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Internationale Währungsfond (IWF) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) an.

Weitere Informationen:

http://mediatheque.lindau-nobel.org - Lindau Mediatheque
http://blog.lindau-nobel.org - Lindau Blog
http://www.lindau-nobel.org

Gero von der Stein | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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