Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

128. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte: Chemiker werden ausgezeichnet

05.08.2014

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vergibt am 15. September 2014 auf der Festsitzung anlässlich der 128. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) in Mainz drei Preise und Auszeichnungen.

Professor Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Dr. E.h. Günther Wilke wird die GDCh-Ehrenmitgliedschaft verliehen, Professor Dr. Hans-Ulrich Reißig erhält die Liebig-Denkmünze und sowohl Dr. Björn Over als auch Dr. Christian Kuttruff werden mit dem Klaus-Grohe-Preis ausgezeichnet. Die Ehrungen nimmt der GDCh-Präsident, Dr. Thomas Geelhaar, vor. Die GDNÄ verleiht darüber hinaus dem GDCh-Präsidenten der Jahre 1994 und 1995 und GDCh-Ehrenmitglied seit 2006, Professor Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger, die Lorenz Oken-Medaille.

Auf der Festsitzung wird Günther Wilke, ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts (MPI) für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr, die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Der Chemiker forschte nach Studium und Promotion in Heidelberg am MPI für Kohlenforschung in der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Karl Ziegler, damals Direktor des Instituts und erster Präsident der GDCh. 1960 habilitierte sich Wilke an der RWTH Aachen für das Lehrgebiet Organische Chemie.

Stets am Mülheimer MPI forschend, übernahm er im Jahr 1969 dessen Leitung. Wilke wurde bereits 1958 Mitglied der GDCh und übernahm neben seiner beeindruckenden wissenschaftlichen Karriere den Vorsitz des Ortsverbands Ruhr von 1967 bis 1978. Dem GDCh-Vorstand gehörte Wilke von 1976 bis 1983 an, von 1980 bis 1981 als Präsident der Gesellschaft. Neben seinen sieben Ehrendoktorwürden erhielt Wilke zahlreiche bedeutende Auszeichnungen, so 1970 die Emil-Fischer-Medaille der GDCh und 1978 den Karl-Ziegler-Preis der GDCh. Er gilt als Wegbereiter zum Verständnis der metallorganischen homogenen Katalyse. Seine Arbeiten zur metallorganischen Chemie mit Übergangsmetallen legten den Grundstein für zahlreiche technische Anwendungen.

Auch Hans-Ulrich Reißig, Freie Universität Berlin, wird von der GDCh ausgezeichnet: Er erhält die Liebig-Denkmünze für seine herausragende Forschungsarbeiten zur organischen Synthesechemie sowie seinen Einsatz und seine Verdienste im Wissenschaftsmanagement. Reißig hat die Methodenentwicklung in seinem Forschungsgebiet mit mehr als vierhundert Publikationen vorangebracht. Neben seinen fachlichen Kompetenzen zeichnet er sich insbesondere durch sein großes Engagement in der Wissenschaftsgemeinschaft aus. Dafür erhielt Reißig bereits zahlreiche Preise und wurde in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

Reißig promovierte 1978 an der Ludwig-Maximilians-Universität München und habilitierte sich nach einer Postdoktorandenzeit an der University of British Columbia in Vancouver 1986 im Fach Organische Chemie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Nach Professuren an der TU Darmstadt und der TU Dresden lehrt er an der FU Berlin, wo er seit 2011 Dekan des Fachbereichs Biologie, Chemie, Pharmazie ist. Seit 2012 ist Reißig Mitglied des Vorstands der Liebig-Vereinigung der GDCh.

Die Verleihung des Klaus-Grohe-Preises für Medizinische Chemie findet ebenfalls auf der Festsitzung statt. Ausgezeichnet werden Björn Over, Postdoc bei AstraZeneca R&D in Mölndal, Schweden, und Christian Kuttruff, Boehringer Ingelheim, Biberach a. d. Riß.

Over promovierte 2013 nach mehreren Studienaufenthalten an der Universität Uppsala, Schweden, in chemischer Biologie an der TU Dortmund. Er lieferte in seiner Disziplinen übergreifenden Forschung zur Chemoinformatik, Naturstoffchemie und Strukturbiologie wertvolle Beiträge für die „fragmentbasierte“ Wirkstoffentwicklung. Mithilfe der chemoinformatischen Analyse von Naturstoffen entwickelte er eine vollkommen neue aus Naturstofffragmenten aufgebaute Klasse von Inhibitoren.

Kuttruff promovierte, nachdem er seine Masterarbeit an der Harvard Universität, Cambridge, USA, verfasst hatte, 2012 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach einem Postdoc-Aufenthalt am Scripps Research Institute in La Jolla, USA, ist er seit März dieses Jahres Laborleiter der medizinischen Chemie bei Boehringer Ingelheim in Biberach an der Riß. Er lieferte mit der Entwicklung einer einfacheren Syntheseroute zum Ingenol einen entscheidenden Beitrag zur effizienten Produktion von Ingenolmebutat. Diese Substanz kommt in der Garten-Wolfsmilch vor, kann aber daraus nur in sehr geringen Mengen gewonnen werden. Sie ist wirksam bei der Behandlung der aktinischen Keratose. Diese Schädigung der Haut, verursacht durch UV-Strahlung, kann zu Hautkrebs führen.

Auch die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte ehrt in diesem Jahr eine GDCh-Persönlichkeit: Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger wird im Rahmen der 128. GDNÄ-Versammlung die Lorenz Oken-Medaille „in Anerkennung seiner Leistung als Kommunikator zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“ verliehen. Quadbeck-Seeger habe in vielfältiger Weise einer interessierten Öffentlichkeit die Faszination und Bedeutung der Naturwissenschaften, speziell der Chemie, in einschlägigen Büchern vermittelt. Dabei habe er mit vielen in der Öffentlichkeit verbreiteten Missverständnissen aufgeräumt. Der Namensgeber der Medaille, Naturphilosoph und Arzt Lorenz Oken, hatte im Jahre 1822 die GDNÄ gegründet, um den freundschaftlichen Austausch zwischen Naturforschern und Ärzten, aber auch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern. Mit seiner naturwissenschaftlich-philosophischen Grundeinstellung sei Quadbeck-Seeger im Sinne von Oken ein besonders würdiger Träger der Medaille, so der Generalsekretär der GDNÄ, Professor Dr. Jörg Stetter.

Quadbeck-Seeger, geboren im ostpreußischen Insternburg, studierte in München neben Chemie auch Physik und Anthropologie. Nach seiner Promotion in organischer Chemie begann er 1967 seine Industriekarriere in der BASF. Über zahlreiche Stationen in diesem Unternehmen wurde er 1989 Mitglied des Vorstands, verantwortlich für die Forschung. Quadbeck-Seeger wurde bereits als Student Mitglied der GDCh und brachte sich schon bald mit vielen neuen Ideen und großer Tatkraft ein. Im Vorstand der GDCh war er von 1992 bis 1996 tätig, davon drei Jahre als stellvertretender Präsident und 1994/95 zwei Jahre als Präsident, die er unter das Motto 'Chemie im Aufbruch' stellte und in denen der Verhaltenskodex der GDCh verabschiedet wurde.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche international angesehene Preise, darunter die Liebig-Denkmünze, die erstmals 1903 vergeben wurde. Unter den bislang 66 Preisträgern befinden sich zahlreiche spätere Nobelpreisträger: Adolf von Baeyer, Paul Ehrlich, Fritz Haber, Carl Bosch, Max Planck, Friedrich Bergius, Hans Fischer, Feodor Lynen, Karl Ziegler und Gerhard Ertl. Der Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie, gestiftet 2001 vom Ehepaar Dr. Klaus und Eva Grohe, wird seit 2004 jährlich an zwei oder drei erfolgreiche jüngere Wissenschaftler verliehen und gilt als Karrieresprungbrett. Als höchste Auszeichnung der GDCh gilt die Ehrenmitgliedschaft, die seit 1952 vierzigmal vergeben wurde, unter anderem an Otto Hahn, Robert B. Woodward, Jean-Marie Lehn, George A. Olah und Gerhard Ertl.

Weitere Informationen:

http://www.gdch.de

Dr. Renate Hoer | GDCh

Weitere Berichte zu: Biologie Chemiker GDCh GDNÄ Kohlenforschung Liebig-Denkmünze MPI Medaille Naturforscher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften