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Malariaimpfung kann Millionen Leben retten

04.05.2006


25. April 2006

Erklärung des Erfinders des ersten wirksamen Malariaimpfstoffes zum "Africa Malaria Day"


Es folgt eine Erklärung von Joe Cohen, dem Erfinder des RTS,S Malariaimpfstoffes und Vizepräsidenten der Bereiche F&E und Impfstoffe gegen aufkommende Krankheiten & HIV bei GlaxoSmithKline Biologicals.

Nur wenigen Wissenschaftlern ist es vergönnt zu erleben, wie ihre alltägliche Arbeit in neue Medikamente oder Impfstoffe umgewandelt wird, die potenziell Millionen Leben retten können. Es ist für mich höchst verwirrend, mir vorzustellen, dass ich vielleicht zu diesen wenigen Glücklichen gehöre. Anfang des Jahres habe ich jedoch gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern von GlaxoSmithKline Biologicals die Baustelle der Anlage besucht, die der Produktion von Millionen Einheiten des unter der Bezeichnung RTS,S bekannten Malariaimpfstoffes gewidmet ist. Als einer der Erfinder, war ich in den letzten 20 Jahren engstens an der Entwicklung dieses Impfstoffes beteiligt.

Der Impfstoff ging letztes Jahr in die Geschichte ein, als The Lancet die Ergebnisse einer mit 2.000 Kindern in Mosambik durchgeführten klinischen Untersuchung veröffentlichte, die zeigten, dass der Impfstoff bei 35 Prozent gegen Malaria und bei 49 Prozent gegen schwere Malaria klinisch über mindestens 18 Monate wirksam war. Wenn alles gut geht, könnte der Impfstoff bereits im Jahre 2011 oder 2012 zugelassen werden und die neue GSK Produktionsanlage in Belgien sollte bis dahin fertig sein und anfangen können, Millionen Impfstoff-Einheiten für die Kinder in den ärmsten Länder Afrikas auszuliefern.

Anlässlich des in dieser Woche stattfindenden Afrika-Malaria-Tages muss man einerseits sehen, dass dieser Impfstoff ein entscheidender Schritt ist, anderseits aber auch erkennen, wie viele Probleme es noch zu lösen gilt. An Malaria sterben jährlich zwischen einer und drei Millionen Menschen, hauptsächlich Kleinkinder in Afrika. Malaria gehört zu den Hauptursachen für die Kindersterblichkeit weltweit. Malaria beraubt Afrika auch entscheidender, für die Entwicklung notwendiger Ressourcen. So gehen jährlich 12 Mrd. USD für die Gesundheitspflege und durch Produktionsausfall verloren, eine Summe, die ungefähr der gesamten, jährlich nach Afrika fliessenden, internationalen Hilfe entspricht.

All zulange wurde ein Malariaimpfstoff als unrealistisch betrachtet. In Anbetracht des jüngsten wissenschaftlichen Durchbruchs und der erfolgreichen wissenschaftlichen Studie mit RTS,S, müssen wir unsere Ansichten zur Durchführbarkeit von Malariaimpfungen jetzt allerdings revidieren. Man muss jetzt darüber nachdenken, wie der RTS,S Impfstoff parallel zu den vorhandenen bzw. demnächst einsatzbereiten Vorbeugemassnahmen gegen Malaria, wie z.B. mit Insektenmitteln imprägnierte Mückennetzen, Versprühen von Schädlingsbekämpfungsmittel in der Wohnung und der periodischen, vorbeugenden Behandlung von Säuglingen (IPTi = Intermittent Prospective Treatment Of Infants) eingesetzt werden kann. Die internationalen Organisationen müssen beginnen, Bedarfsprognosen zu erstellen, staatliche Vertreter müssen die Voraussetzungen schaffen, damit der Impfstoff so schnell wie möglich zugelassen werden und in die jeweiligen nationalen Gesundheitsprogramme integriert werden kann. Grundsätzlich muss überall in Afrika und in den Industrieländern die politische Unterstützung aufgebaut werden, damit die finanziellen und Infrastruktur-Ressourcen bereit stehen und sichergestellt ist, dass auch jedes betroffene Kind geimpft werden kann.

Es wird zwar noch einige Jahre dauern, bis der Malariaimpfstoff zugelassen sein wird, doch brauchen wir nicht bis dahin zu warten, um Leben zu retten. Viele Länder sind mit der Impfung von Kindern gegen Masern, Rotavirus und Haemophilus Influenzae Type b Erkrankungen im Rückstand, obwohl hiergegen bereits Impfstoffe existieren. Impfungen gehören zu den kostengünstigsten Gesundheitsmassnahmen die es gibt, doch decken die hierfür bereitgestellten Finanzmittel nur einen Bruchteil des Bedarfs. Ein kürzlich in der Fachzeitschrift Vaccine erschienener Bericht der Forschungsgruppe SmartPharma stellte fest, dass allein die Verdoppelung der Ausgaben für Schutzimpfungen die Zahl der durch Impfung zu vermeidenden Todesfälle in fünf Jahren um die Hälfte reduzieren könnte. Das kommt der Rettung von Millionen Leben gleich.

Und dies allein durch die Bereitstellung bereits existierender Impfstoffe. Wenn wir jedoch wirksame Impfstoffe gegen andere, in den Entwicklungsländern verheerenden Krankheiten, wie z.B. HIV/AIDS und Tuberkulose, entwickeln wollen, müssen erst noch entscheidende wissenschaftliche Hürden genommen werden. Wir engagieren uns partnerschaftlich, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Doch sind noch Milliarden Dollar nötig, um die Entwicklung und den Kauf dieser Impfstoffe zu finanzieren. Neuartige, langfristige Finanzierungen durch weitblickende Regierungen machen z.Z. Schlagzeilen und könnten zu einer positiven Neuorientierung der herkömmlichen, kurzfristigen Finanzierungs- und Hilfsmechanismen führen. Zu diesen neuen Einrichtungen gehören die von Grossbritannien unterstützte International Financing Facility for Immunisation und das von den G8-Ländern finanzierte Advance Market Commitment für Impfstoffe.

Doch sind die Finanzierung von F&E und die Beschaffung nur Teil des Problems. Die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit in Entwicklungsländern ist eine komplexe Herausforderung. In vielen Ländern bedarf es - nicht nur für Impfungen, sondern auch für die alltägliche Gesundheitsversorgung - bedeutender Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur (Krankenhäuser, Kliniken, Verteilungsnetze). Insbesondere auch die Fragen, wie die neuen Impfstoffe in armen Ländern eingeführt werden können und wie lange die Zulassungsbehörden zur Freigabe brauchen werden, stellen zwei weitere Hürden dar, die überwunden werden müssen, damit diese Impfstoffe auch so schnell wie möglich die Menschen erreichen, die sie am dringendsten brauchen. In unserem Unternehmen befinden sich über 20 Impfstoffe in der Entwicklung, u.a. gegen HIV, Tuberkulose, Gebärmutterhalskrebs, Denguefieber und Meningitis. Diese und weitere neue Impfstoffe sind Hoffnungsträger für Millionen Familien überall auf der Welt.

Die erfolgreichen Anstrengungen zur Entwicklung des Malariaimpfstoffes RTS,S beweisen, dass ein neuer Ansatz bei der Impfstoffentwicklung, nämlich PPP-Partnerschaften (Public-Private Partnerships = privat-öffentliche Partnerschaften), funktionieren. Bei PPP-Partnerschaften kommt die Kombination der potenziellen Finanzkraft von Staaten, Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen und die Fachkompetenz von Pharmaunternehmen zur Bereitstellung neuer Medikamente und Impfstoffe ergänzend zum Zuge. Die Partnerschaft zwischen GSK und MVI (Malaria Vaccine Initiative) ist ein Beispiel dieses Modells. Dank der Zusammenarbeit mit MVI konnten wir sehr schnell in Richtung neuer klinischer Tests fortschreiten, um den Malariaimpfstoff so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen, und vielversprechende Wege untersuchen, den Impfstoff noch wirksamer zu machen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass privat-öffentliche Partnerschaften eine ausgesprochen wichtige Einrichtung für die Entwicklung neuer Impfstoffe für die Entwicklungsländer darstellt und ich hoffe sehr, dass unsere Partnerschaft andere Forschungsteams anregt, ebenfalls zusammenzuarbeiten, um weitere dringende globale Gesundheitsprobleme zu lösen.

So begeistert ich letztes Jahr vom Rundgang unserer Impfstoff-Herstellungsanlage auch war, so bin ich doch sicher, dass das nur ein schwacher Abglanz dessen war, was ich fühlen werde, wenn das erste Kind seine Impfung bekommt. Es ist ermutigend zu sehen, dass das grösste Problem bei der Malariaimpfung heute nicht mehr ein wissenschaftliches, sondern ein logistisches ist. In den nächsten Jahren muss dafür gesorgt werden, dass die Produktion des RTS,S Impfstoffes schnell hochskaliert werden kann, damit er den jährlich 75 Millionen in Afrika neugeborenen Kindern auch zur Verfügung steht. Am diesjährigen Afrika-Malaria-Tag können wir stolz auf das sein, was wir bisher erreicht haben, aber auch mit Bescheidenheit und voller Enthusiasmus die Arbeit sehen, die noch vor uns liegt, um die Welt von der Malaria zu befreien.

Informationen zu GSK Biologicals

GlaxoSmithKline Biologicals, einer der weltweit führenden Impfstoffhersteller, hat seinen Sitz in Rixensart, Belgien. GSK Biologicals beschäftigt über 1.100 Wissenschaftler, die sich ganz der Entdeckung neuer Impfstoffe und der Entwicklung kostengünstiger und leicht einsetzbarer Kombinationspräparate widmen, um Infektionen vorzubeugen, die weltweit ein schweres Gesundheitsprobleme darstellen. Im Jahre 2004 vertrieb GSK Biologicals über 1,5 Milliarden Impfstoff-Einheiten in 168 Industrie- und Entwicklungsländer, durchschnittlich sind das 45 Impfungen pro Sekunde. GlaxoSmithKline, eines der weltweit führenden Forschungsunternehmen in den Bereichen Pharmazeutik und Gesundheitswesen, hat sich der Verbesserung der Lebensqualität verschrieben, damit Menschen ein aktiveres, angenehmeres und längeres Leben führen können. Für weitergehende Informationen besuchen Sie bitte die Website http://www.gsk-bio.com.

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