Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Wald der Zukunft

01.09.2008
Schon jetzt hat der Klimawandel Auswirkungen auf den Wald. Extrem heiße und trockene Sommer wie im Jahr 2003 machen die Bäume anfällig für Schädlingsbefall und eine Absenkung des Grundwasserspiegels, wie im hessischen Ried, erschwert die Aufforstung

Trockenresistente Eichenarten, wie sie im Mittelmeerraum vorkommen, sind an diese Bedingungen besser angepasst als unsere heimischen Buchen und Eichen. Daher versucht das im Rahmen der LOEWE Initiative gegründete Forschungszentrum "Biodiversität und Klimawandel" diese Arten jetzt auch hier heimisch zu machen.

Aktuellen Klimaszenarien zufolge werden sich in den kommenden 50 bis 100 Jahren zunehmend extrem trockene und heiße Sommer wie in 2003 mit ungewöhnlich niederschlagsreichen Jahren abwechseln. Das hat auch Folgen für den Wald: Die in Deutschland zahlreichen Buchenwälder könnten immer mehr durch Eichenwälder abgelöst werden. An jetzt schon sehr trockenen Standorten werden aber auch unsere mitteleuropäischen Eichenarten Probleme mit dem Aufwuchs bekommen.

Die Forstwirtschaft muss deshalb alternative Modelle entwickeln, die an Klimaszenarien im lokalen Maßstab angepasst sind. In einem Kooperationsprojekt der Goethe Universität mit dem Forschungsinstitut Senckenberg (FIS), dem Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) und der ECT Flörsheim GmbH werden daher trockenresistentere Eichenarten aus dem süd- und südosteuropäischen Raum angepflanzt um zu prüfen, ob sie als hiesige Waldbäume tauglich sind.

"Bereits jetzt ist die Wiederaufforstung von bestehenden Eichenwäldern in der südhessischen Rheinebene durch die Grundwasserabsenkungen in den vergangenen Jahrzehnten stark bedroht", erklärt Prof. Wolfgang Brüggemann. Der Ökophysiologe ist Leiter des Teilprojekts "Wald der Zukunft", das im Rahmen des LOEWE-Forschungszentrums "Biodiversität und Klima", das vom Land Hessen finanziert wird. Brüggemann macht darauf aufmerksam, dass nicht nur der gesunkene Grundwasserspiegel, sondern auch die zu erwartende Ausbreitung von Schadinsekten - begünstigt durch höhere Wintertemperaturen - die mitteleuropäischen Waldbäume schädigen werden.

Blieben künftig ganze Flächen auf Trockenstandorten waldfrei, würde dies zusätzlich den Grundwasserspiegel belasten, was besonders für das Rhein-Main-Gebiet mit seinem wachsenden Trinkwasserbedarf vermieden werden sollte.

Nach der erfolgreichen Anlage einer Versuchsfläche im Botanischen Garten der Universität im vorigen Jahr werden nun in Feldversuchen auf Versuchsflächen im Raum Lampertheim (Südhessen) und im Stadtwald Rüsselsheim trockenresistentere Eichenarten aus dem süd- und südosteuropäischen Raum angepflanzt: die wintergrüne Steineiche (Quercus ilex aus Frankreich), zwei wintergrüne Eichen-Hybriden (Q. x turneri und Q. x hispanica) und die laubwerfenden Arten Flaumeiche (Q. pubescens vom Kaiserstuhl) und Ungarische Eiche (Q. frainetto aus Südosteuropa).

Durch die gezielte Anpflanzung solcher Arten kann das natürliche Vordringen wärme- und trockentoleranterer Waldbäume nach Norden in der Folge des Klimawandels beschleunigt werden. Die Forscher erwarten, dass sich dann - anders als bei der Pflanzung völlig gebietsfremder Baumarten, wie zum Beispiel der nordamerikanischen Douglasfichte - auch zügig stabile Ökosysteme bilden. Denn ist der Wald erst einmal da, wandern auch die Tier- und Pflanzenarten nach, die sich dort heimisch fühlen.

Die beteiligten Kooperationspartner sind hessische Landeseinrichtungen wie die Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) und das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie, sowie als Nutzer des Grundwassers Hessenwasser GmbH und als Nutzer des Waldes Hessen-Forst und die Stadt Rüsselsheim.

Informationen:
Prof. Wolfgang Brüggemann,
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Biologie Campus,
Tel.: (069) 798-24745, W.Brueggemann@bio.uni-frankfurt.de.
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. Vor 94 Jahren von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am

1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit 45 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Uni den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigt sich die Goethe-Universität als eine der forschungsstärksten Hochschulen Deutschlands.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation,
Postfach 11 19 32, 60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation
Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Den Trends der Umweltbranche auf der Spur
17.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Etablierung eines Zuchtprogramms zum Schutz der letzten Saolas
17.10.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik