Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Veränderungen im Wasserkreislauf der Vegetation

17.11.2010
Seit zwölf Jahren nimmt die Gesamtverdunstung (Evapotranspiration) weltweit ab, was sich negativ auf die Ökosysteme und die Wasserressourcen auswirken könnte. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie, die am 21. Oktober 2010 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde.

An dieser Studie waren auch Forscher des Labors für Klima- und Umweltwissenschaften LSCE (CEA-CNRS-UVSQ) beteiligt. Evapotranspiration (die Verdunstung von Boden- und Wasseroberflächen und die Transpiration [1] der Pflanzen) ist ein grundlegendes Element des Wasserkreislaufs und des Klimasystems.

Die Regulierung der Menge des Wassers in der Atmosphäre und die Klimadynamik sind eng miteinander verbunden. Sie ist auch ein entscheidender Faktor für die für den menschlichen Verbrauch zur Verfügung stehende Wassermenge im Boden und für das Pflanzenwachstum.

Im Rahmen von FLUXNET [2], das auf internationaler Ebene koordiniert wird und an dem auch Forscher des LSCE mitarbeiten, wurde eine globale Einschätzung der Entwicklung der Evapotranspiration vorgenommen. Zu diesem Zweck haben die Wissenschaftler Messungen an einer Vielzahl von Ökosystemen (direkte Messung des Wärme- und Feuchtigkeitsstroms), satellitengestützte Beobachtungen und Ökosystemmodelle kombiniert.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Evapotranspiration von 1982 (erste satellitengestützte Messungen) bis 1997 um etwa 7,1 Millimeter pro Jahrzehnt zunahm. "Steigt die Temperatur, kann die Atmosphäre eine größere Menge an Wasserdampf aufnehmen; dies wiederum erklärt die zunehmende Evapotranspiration im gleichen Zeitraum", erklärt Nicolas Viovy, Forscher am LSCE.

Seit 1998 konnten die Forscher jedoch eine signifikante Verringerung der Gesamtverdunstung beobachten, was besonders in der südlichen Hemisphäre deutlich wurde, insbesondere in Afrika und Australien, was voraussichtlich auf El Niño im Jahre 1998 zurückzuführen ist. Trotz weiter steigender Temperaturen kam es zu einem Rückgang der Evapotranspiration um etwa 8 mm pro Jahrzehnt, was damit erklärt werden könnte, dass die in den Böden verfügbaren Wasserressourcen im Laufe der letzten zehn Jahre zurückgegangen sind.

Auch wenn es nach Meinung der Wissenschaftler noch zu früh ist, Prognosen darüber anzustellen, ob diese Veränderung der Evapotranspiration natürlich oder durch menschliche Tätigkeit verursacht wurde, so ist doch davon auszugehen, dass diese Tendenz erhebliche Auswirkungen auf empfindliche Ökosysteme, auf die Wasserressourcen und den Zusammenhang zwischen diesem Phänomen und dem Klimawandel hat.

[1] Unter Transpiration wird die Verdunstung von Wasser über die Spaltöffnungen in den Blättern der Pflanzen verstanden.

[2] FLUXNET ist ein Netzwerk, das regionale und globale Analysen von Beobachtungen kleiner meteorologischer Messtürme koordiniert. In diesen Türmen wird der Austausch von CO2, Wasserdampf und Energie zwischen terrestrischen Ökosystemen und der Atmosphäre mit Hilfe der Eddy-Kovarianzmethode gemessen.

Quelle: - Pressemitteilung des CNRS: "Climat: modification du cycle hydrologique de la végétation" – 21.10.2010 - http://www2.cnrs.fr/presse/communique/2008.htm

Redakteurin: Myrina Meunier, myrina.meunier@diplomatie.gouv.fr

| Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mehr Sicherheit beim Fliegen dank neuer Ultraschall-Prüfsysteme

20.11.2017 | Maschinenbau

Spin-Strom aus Wärme: Neues Material für höhere Effizienz

20.11.2017 | Physik Astronomie

Satellitenbilder zur Erfassung von Biodiversität nur bedingt tauglich

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie