Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umsetzungsphase des E- und E-Vorhabens "Urbane Wälder" in Leipzig gestartet

20.03.2009
o BfN-Präsidentin Jessel übergibt Förderbescheid an Leipzig
o Urbane Wälder inmitten der Stadt sind ein neuer Ansatz im Stadtumbau

Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Dr. Beate Jessel, hat heute im Leipziger Rathaus den Förderbescheid für das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E) "Ökologische Stadterneuerung durch Anlage Urbaner Waldflächen auf innerstädtischen Flächen im Nutzungswandel - ein Beitrag zur Stadtentwicklung" an Bürgermeister Martin zur Nedden übergeben.

Mit E+E-Vorhaben werden mit entsprechender finanzieller Unterstützung des Bundes neuartige Ansätze im Naturschutz erstmals in die Tat umgesetzt. Mit diesem Vorhaben soll am Beispiel Leipzigs die Anlage verschiedenartiger innerstädtischer Waldflächen erprobt werden, - sie stellen ein vielversprechendes Instrument innovativer Stadtentwicklung und leisten gleichzeitig einen Beitrag zur Erholung und zum Naturerleben der Bevölkerung.

"Die Stadt Leipzig hat sich in den letzten Jahren intensiv mit den Herausforderungen des Stadtumbaus auseinandergesetzt. Nach unserer Erfahrung ist dabei die Entwicklung von Freiflächen und die ökologische Aufwertung der Stadtteile ein wichtiger Baustein, da sie zur Lebensqualität beitragen", erklärte der Bürgermeister zur Nedden.

"Wir wollen die Anlage von dieser neuartigen Form von Freiraum erproben, da sie kostengünstig sein kann und vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bietet, die Erholung, Klimaschutz und Naturschutz in besonderer Weise mit dem Stadtumbau verbinden. Unabdingbare Voraussetzung für die Planung dieser Freiräume ist, dass die kompakte Stadt in Leipzig erhalten bleibt. Dank der Förderung des Bundesamtes für Naturschutz können wir in diesem Jahr mit der Umsetzung auf dem 3,8 ha großen Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei beginnen. Nach der Auswertung der Erfahrungen wird zu diskutieren sein, ob und in welcher Form dieses Stadtentwicklungselement Perspektiven im Stadtumbau hat."

Das BfN erwartet von diesem E+E-Vorhaben praktische Erfahrungen mit einem neuen Ansatz für den Naturschutz und Antworten auf den Klimawandel im Siedlungsbereich. "Die Anlage unterschiedlicher Waldtypen auf Brachflächen könnte eine kostengünstige Alternative zu herkömmlichen, in der Pflege aber sehr kostenintensiven Grünflächen sein. Sie bietet zugleich neue Möglichkeiten für die städtische Bevölkerung, Natur im unmittelbaren Umfeld zu erleben. Gleichermaßen wichtig wie ökologische Aspekte ist uns in dem Vorhaben daher die Untersuchung der Wahrnehmung und Akzeptanz solcher Grünstrukturen durch die städtische Bevölkerung. Wir sehen darin zudem ein Modell für die erfolgreiche und zugleich notwendige Zusammenarbeit der Verwaltung in den Städten mit externen Partnern in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft, wenn es darum geht, anspruchsvollen Ziele der Stadtentwicklung umzusetzen", sagte BfN-Präsidentin Jessel.

Bei der Planung und Anlage der Urbanen Waldflächen kooperieren das Stadtplanungsamt und das Amt für Stadtgrün und Gewässer (Abteilung Stadtforsten). Auf städtischen Grundstücken wie der ehemaligen Stadtgärtnerei wird der entstehende Urbane Wald in Zukunft durch die Stadtforstabteilung bewirtschaftet. Die Anlage der Wälder in Leipzig soll zugleich wichtige praktische Impulse für die Umsetzung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt wie auch für die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel geben.

Parallel zur praktischen Umsetzung im Rahmen des Hauptvorhabens soll eine wissenschaftliche Begleituntersuchung unter Beteiligung der TU Dresden in Zusammenarbeit mit Forstfachleuten und Planern auf den Modellflächen u. a. die Auswirkungen auf das Stadtklima, die Entwicklung der biologischen Vielfalt und die Akzeptanz und Nutzung der Urbanen Wälder durch die Bevölkerung untersuchen. Mit den Bürgern soll es zur Planung und Realisierung der Maßnahmen einen intensiven Diskussions- und Informationsprozess geben.

Hintergrund:
Der Stadtumbau stellt neue Anforderungen an die Gestaltung von innerstädtischen Grün- und Brachflächen. Hierzu kann auch die Neuanlage von Waldflächen einen Beitrag leisten, allerdings in Gestaltungsformen, die auch für innerstädtische Flächen geeignet sind. Urbane Wälder stellen eine eigene Freiflächenkategorie gegenüber klassischen Parkanlagen und Grünflächen dar. Ihr Einsatz im Stadtumbau begründet sich mit den Leistungen für den Klimaschutz, die Erholungsvorsorge sowie den Naturschutz und mit ihrer Wirtschaftlichkeit gegenüber intensiv gepflegten Grünflächen. Urbane Wälder bedürfen - im Gegensatz zu Wäldern in der freien Landschaft - bei der Planung, Gestaltung und Unterhaltung einer engen Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Forstwirtschaft, um den hohen Anforderungen an Ästhetik, Akzeptanz, Nutzbarkeit und Wirtschaftlichkeit in der Stadt gerecht zu werden. Das Erscheinungsbild der kompakten europäischen Stadt, das auch als städtebauliches Leitbild für Leipzig von besonderer Bedeutung ist, wird dabei nicht in Frage gestellt. Durch unterschiedliche Typen von Wäldern ergeben sich ausreichend Gestaltungsspielräume für urbane Wälder, damit den vielfältigen Anforderungen Rechnung getragen werden kann.

Die Diskussionen um die Neuanlage von Wäldern in der Stadt konzentrierten sich bisher vor allem auf Bereiche am Stadtrand oder auf große Industriebrachen, wie beispielsweise auch im Ruhrgebiet. Ziel des E+E-Vorhabens ist es, die besonderen Bedingungen für innerstädtische Waldflächen, d. h. innerhalb der bebauten Bereiche, zu erkunden. In einer Voruntersuchung zum E+E-Vorhaben wurden in einem konstruktiven Dialog zwischen Verwaltung, Planern, Forstwirten und Wissenschaftlern die Grundlagen für das Hauptvorhaben erarbeitet. Dazu zählten die Ermittlung geeigneter Flächen in Leipzig und die Ausarbeitung von Anforderungsprofilen für unterschiedliche Waldstrukturtypen und Waldbilder, die wie auch die Organisationsstrukturen des Projektes auf andere Städte übertragbar sind.

In Leipzig soll die Erprobung von Urbanem Wald auf einem breiten Spektrum von Brachflächentypen erfolgen. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der Größe, der Lage in bestimmten Bebauungsstrukturen und Stadtquartieren, der Eigentumsverhältnisse, des Versiegelungsgrades und der an sie gestellten Anforderungen aus der Stadt- und Landschaftsplanung. Auf den Flächen werden verschiedene "Waldbilder" angestrebt, die von "Niederwald" über hohe, einschichtige, lichte "Parkwälder" bis zu mehrschichtigem, dichtem "Naturwald" mit und ohne Strauchgürtel reichen.

Für Rückfragen:
Stadt Leipzig, Referat Medien, Kommunikation und Stadtbüro, Steffen Jantz, Neues Rathaus Martin-Luther-Ring 4-6, 04109 Leipzig. Tel.: 0341-123-2040, Fax: 0341-123-2045, E-Mail: medien.kommunikation@leipzig.de

Jens Schiller, Bundesamt für Naturschutz, Außenstelle Leipzig, Karl-Liebknecht-Str. 143, 04277 Leipzig. Tel.: 0341 30977-17, Fax: 0341 30977-40, E-Mail: jens.schiller@bfn.de

Veröffentlichungshinweis
Burkhardt, I., Dietrich, R., Hoffmann, H., Leschner, J., Lohmann, K., Schoder, F. und Schultz, A. (2008): Urbane Wälder, Abschlussbericht zur Voruntersuchung für das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben "Ökologische Stadterneuerung durch Anlage urbaner Waldflächen auf innerstädtischen Flächen im Nutzungswandel - ein Beitrag zur Stadtentwicklung",
Naturschutz und Biologische Vielfalt, Nr. 63
Die Dokumentation kann bestellt werden unter: www.buchweltshop.de/bfn/

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie