Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rückkehr von Wolf, Bär und Luchs

27.11.2008
Erste Erfolge und dramatische Rückschläge: Die drei großen Beutegreifer fühlen sich in Deutschland und Mitteleuropa nur langsam wieder heimisch.

Der WWF Deutschland zieht eine durchwachsene Bilanz für die angestrebte Rückkehr von Wolf, Bär und Luchs nach Deutschland und Mitteleuropa.

„Die Wiederansiedlung der ausgerotteten Beutegreifer ist von zaghaften Erfolgen und dramatischen Rückschlägen geprägt“, sagt WWF-Artenschutzreferentin Izabela Skawinska-Luther. „Wir machen zwei Schritte vor und einen zurück.“ Zwar streifen Wolf und Luchs wieder durch deutsche Wälder, doch nach Ansicht des WWF kann noch nicht von einer dauerhaften Rückkehr gesprochen werden. „Luchs und Wolf leben inzwischen wieder in 19 Ländern der EU, aber in Deutschland tut man sich mit dem Willkommensgruß noch schwer“, sagt WWF-Referentin Skawinska-Luther.

Heulen in der Lausitz

Mittlerweile haben schätzungsweise 40 Wölfe in der Bundesrepublik ein Zuhause gefunden. Schwerpunkt liegt dabei auf der sächsischen Lausitz, wo 2008 die inzwischen fünfte Wolfsfamilie gegründet wurde. Doch auch zahlreiche andere Bundesländer, wie etwa Brandenburg, Bayern, Niedersachsen oder seit diesem Jahr auch Hessen, können sich wieder als „Wolfsländer“ bezeichnen.

Doch immer wieder werden Wölfe angeschossen oder beim Überqueren von Straßen getötet. So haben sich die bestehenden Populationen zwar auch 2008 erfolgreich fortgepflanzt, können jedoch noch längst nicht als stabil bezeichnet werden. „Es gibt in Deutschland genug Platz für Wolf und Mensch. Allerdings liegt es allein in unserer Hand, ob der Wolf auch die Möglichkeit erhält, dies zu beweisen“, sagt Izabela Skawinska-Luther.

„Leider kursieren noch viele scheußliche Ammenmärchen, die mit der Realität rein gar nichts gemein haben.“ So ergaben etwa aktuelle DNA-Untersuchungen aus Schweden, dass die Hälfte aller vermeintlichen Wolfsrisse in Wirklichkeit auf das Konto von Hund und Fuchs gehen.

Rückkehr auf leisen Pfoten

Leise und unspektakulär vollzieht sich die Rückkehr des Luchses nach Deutschland. Heimisch ist die Großkatze wieder in Eifel und Harz, dem Bayerischen Wald, der Sächsischen Schweiz oder dem Schwarzwald. „Die Populationszahl ist derzeit jedoch noch zu klein, um dauerhaft eine ausreichende genetische Variabilität sicherzustellen“, sagt Izabela Skawinska-Luther. Erst Anfang November 2008 war ein weibliches Tier bei einem Verkehrsunfall im Harz getötet worden. Aus diesem Grund wäre es dringend notwendig, Wanderkorridore einzurichten und die einzelnen Inseln miteinander zu verbinden. Doch auch der Luchs birgt Konfliktstoff in sich, wie sich derzeit in der Schweiz beobachten läßt. Die dortige Population ist die grösste und wichtigste im Alpenraum. Doch in Regionen, wo die Bestände der scheuen Katzenart steigen, kommt es vermehrt zu Konflikten mit Jägern, die den Luchs als Konkurrenten betrachten und einer dauerhaften Wiederansiedlung entgegenwirken.

Aussterben geht in die zweite Runde

Die Freude über die Rückkehr der Braunbären nach Österreich 1989 war groß - und kurz. Fünfzehn Jahre nach dem erfolgreichen Wiederansiedlungsprojekt begannen plötzlich die Tiere zu verschwinden. Zwei Männchen sind der verbliebene Rest einer einst stolzen Population in den Nördlichen Kalkalpen. Eine Reproduktion findet aufgrund fehlender Weibchen nicht statt. „Es ist ein tragisches Kuriosum: Der Braunbär droht in Österreich zum zweiten Mal auszusterben“, warnt Izabela Skawinska-Luther.

Der WWF startete 2006 eine Rettungsaktion für die Bären und erinnert die Österreichische Regierung an ihre Verpflichtung zum Schutz der seltenen Tiere. Nach Ansicht internationaler Experten sind rasche Bestandesstützungen der einzig mögliche Weg, um das Überleben der Bären zu sichern. Und das kann nur erreicht werden, wenn Weibchen aus anderen Teilen Europas, etwa Slowenien, in Österreich ausgesetzt werden.

„Der Zusammenbruch der österreichischen Bärenpopulation hat gezeigt, wie verletzlich und bedroht Wolf, Bär und Luchs in Mitteleuropa noch sind“, erklärt WWF-Artenschutzreferentin Izabela Skawinska-Luther. „Es liegt allein an uns Menschen, ob wir die Rückkehr dieser Tierarten zu einer Erfolgsstory oder einem Drama werden lassen.“

| WWF Deutschland
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise