Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

PKW und Politik - Zur notwendigen klimapolitischen Modernisierung der Autoflotte

14.11.2008
Nachdem die Reform der Kfz-Steuer von der Bundespolitik lange Zeit zurückgestellt war, kommt nun, ausgelöst durch das Konjunkturpaket mit der Komponente Steuerbefreiung für die Kfz-Steuer politische Bewegung in die Sache. Es besteht allerdings die Gefahr, dass dabei die Chance für die zeitgleich notwendigen ökologischen Impulse vertan wird.

Klimaschutz erfordert kurz-, mittel- und langfristig eine erhebliche Verringerung der CO2-Emissionen in Deutschland (mit Bezug auf das Jahr 1990 = 100 Prozent) um 40 bis zum Jahr 2020 und um mindestens 80 Prozent bis 2050. Im Gegensatz zu anderen Bereichen befindet sich der Verkehrssektor noch nicht auf einem Minderungspfad.

Neben dem rasant wachsenden Luftverkehr und dem Güterverkehr mit LKW, trägt vor allem die Pkw-Fahrzeugflotte dazu bei. Die ökologisch verfehlte Modellentwicklung und -vermarktung deutscher PKW-Hersteller, die sich nach wie vor auf zu große, zu schnelle und zu verbrauchsstarke Fahrzeuge konzentriert, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Durch politische Maßnahmen (z.B. durch das "Dienstwagenprivileg") wurde diese Fehlentwicklung noch befördert.

Um hinreichende Beiträge für den Klimaschutz zu leisten, muss die deutsche PKW-Fahrzeugflotte im Durchschnitt (bezogen auf den Bestand und auf die Neuwagen) deutlich langsamer, leichter, kleiner, weniger leistungsstark, besser an die tatsächlichen Transportbedarfe angepasst und damit weniger CO2-emittierend werden.

Befristete Befreiungen von der Kfz-Steuer, wie sie jetzt in der Diskussion sind, sind dafür nicht das geeignete Instrument. Im Gegenteil, diese könnten sogar kontraproduktiv wirken. Mit jedem überdimensionierten Auto, das heute in den Markt kommt, werden die klimapolitischen Altlasten von morgen aufgebaut, die dann später mühsam wieder wegverhandelt werden müssen. Denn die außer Betrieb genommenen Fahrzeuge werden weggedrückt auf den Gebrauchtwagenmarkt, wenn nicht in Deutschland, dann in Staaten ohne aktive Klimapolitik.

Eine klimapolitische Neuorientierung der Kfz-Steuer muss heute Impulse setzen, die an den Prinzipien "spreizen & senken" ausgerichtet ist. D.h.:

- spreizen: CO2-arme PKW (z.B.
- senken: die Bezugspunkte (günstig - neutral - ungünstig) werden regelmäßig in Richtung eines geringeren CO2-Ausstoßes verschoben und dem jeweils modernsten Stand der Technik angepasst.

Das wäre kein Strohfeuer-Konjunkturprogramm mit zweifelhaften Mitnahmeeffekten, sondern ein ökologisches Struktur- und Impulsprogramm zur klimapolitischen Modernisierung der PKW-Flotte und des Angebots der Autobauer. Auch im Hinblick auf den Export wäre das vorausschauend. Denn die großen Absatzmärkte der deutschen Automobilindustrie im Ausland werden sich absehbar klimagünstig verändern müssen.

Ein Schritt in die richtige Richtung wäre es zudem, das Privileg der pauschalierten Dienstwagenbesteuerung im Jahressteuergesetz 2009 wenigstens einzuschränken. Denn in der jetzigen Diskussion wird verkannt, dass über den Dienstwagenweg rund 60 Prozent aller Fahrzeuge in den Markt gelangen. Die anstehende Reform der Firmenwagenbesteuerung hat in dieselbe Richtung zu zielen wie die Kfz-Steuer-Reform: Weg von Hochverbrauchsfahrzeugen als staatlich subventioniertes Statussymbol.

Außer dieser technischen Klimaeffizienzstrategie im PKW-Sektor ist allerdings noch mehr zu tun: der massive Ausbau des ÖPNV (Busse und Bahnen) und die entschlossene Förderung der Zero-Emission-Mobility (Fuß- und Radverkehr) - das Ziel lautet, den Anteil des Umweltverbunds deutlich zu steigern, und zwar zu Lasten des motorisierten Individualverkehrs - und schnell.

Auch das wird noch nicht reichen, um den Kohlendioxidausstoß im Verkehr deutlich zu senken: Auf allen politischen Ebenen müssen vermehrt Anreize und Strukturen entwickelt werden, die Verkehr vermeiden bevor er entsteht.

Vorausschauende staatliche Investitionen in die Klimaverträglichkeit müssen das gesamte Verkehrssystem im Blick haben. Über die Impulse auf der Nachfrageseite hinaus, können sie dafür sorgen, dass effiziente Neuentwicklungen in der Fahrzeugtechnik schneller in den Markt kommen und die notwendigen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, ohne die Hersteller dabei aus ihrer Verantwortung zu entlassen.

Eine staatliche Absatzförderung für die Automobilindustrie ohne klare Klimaschutzorientierung greift allerdings ökologisch zu kurz. Konjunkturelle Hilfsmaßnahmen sollten langfristig richtungssicher zu einer Beschleunigung des Strukturwandels im gesamten Verkehrssystem beitragen und damit nachhaltige Beschäftigungsimpulse setzen.

Dorle Riechert | idw
Weitere Informationen:
http://www.wupperinst.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise