Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pathogene und Insektizide: ein tödlicher Cocktail für Bienen

25.07.2011
In Frankreich stellt die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) das Arbeitsinstrument für rund 70.000 Bienenzüchter dar. Ihr direkter Einfluss auf die Qualität und Quantität der Ernte sowie den Erhalt der biologischen Blumenvielfalt ist heute allgemein anerkannt und unterstreicht die Rolle der Bienen für das Funktionieren der Ökosysteme.

Seit 15 Jahren leiden die Bienenvölker an einer seltsamen Krankheit, die die Imker und Wissenschaftler vor ein Rätsel stellt und jedes Jahr Tausende Bienenvölker vernichtet.

Zur Erklärung dieses Phänomens wurden bereits einige vielversprechende Spuren verfolgt: der Verlust von Vielfalt und Qualität der Nahrungsmittelressourcen (mit dem Klimawandel verbundenen), die Intensivierung der Monokulturen und landschaftliche Veränderungen, die Auswirkung von Krankheitserregern als Verursacher von Krankheiten wie Varroa und Nosemose, oder die chemische Belastung durch Exposition der Bienen gegenüber Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln. Obwohl zahlreiche Daten über den Einfluss von ernährungs-, parasitär- und chemisch bedingtem Stress auf die Gesundheit der Bienen vorliegen, konnte bislang keine dieser Ursachen als allein für das Verschwinden von Bienenvölker Verantwortliche anerkannt werden. Die Experten gehen heute vielmehr von einer Kombination dieser Faktoren aus.

Forscher des CNRS [1], des INRA [2] und der Universität Blaise Pascal [3] haben ihre jeweiligen Kompetenzen in den Bereichen Parasitologie und Toxikologie zusammengeschlossen, um die Wechselwirkungen zwischen Pathogenen und Insektiziden auf die Bienengesundheit zu erforschen. Zu diesem Zweck setzten sie sowohl gesunde als auch Nosemose-infizierte [4] Bienen einer geringen Insektizid-Dosis aus. Sie konnten feststellen, dass die Sterblichkeit der infizierten Bienen deutlich anstieg, obwohl dies bei einer Exposition in dieser Größenordnung bei gesunden Bienen nicht der Fall ist.

Diese Untersuchung zeigt deutlich, dass die Wechselwirkung zwischen Insektiziden und Nosemose ein weiteres erhebliches Risiko für Bienenvölker darstellt. Sie könnte auch einige Fälle mit überhöhtem Sterblichkeitsrisiko erklären.

[1]. CNRS – französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung – http://www.cnrs.fr
[2] INRA – französisches Institut für Agrarforschung – http://www.inra.fr
[3] Universität Blaise Pascal – www.univ-bpclermont.fr
[4] Nosemose ist eine durch die Jochpilzarten Nosema apis oder Nosema ceranae verursachte Erkrankung bei Honigbienen. Sie ist die häufigste Krankheit bei erwachsenen Bienen und hoch ansteckend
Kontakt:
– Frédéric Delbac – Forscher der Universität Blaise Pascal – Tel.: 0033 4 73 40 78 68 – E-Mail: frederic.delbac@univ-bpclermont.fr
Quellen:
– Pressemitteilung des Techno-sciences.net – 08.07.2011 –
http://www.techno-science.net/?onglet=news&news=9349
- Pressemitteilung des CNRS – 07.07.2011 – http://www2.cnrs.fr/presse/communique/2222.htm
Redakteurin:
Myrina Meunier, myrina.meunier@diplomatie.gouv.fr

Myrina Meunier | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/de/umwelt-klima-agronomie/pathogene-und-insektizide-ein-todlicher-cocktail-fur-bienen/

Weitere Berichte zu: Biene Bienenvölker CNRS Cocktail Honigbiene INRA Insektizid Nosemose Pathogene Wechselwirkung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise