Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökologischer Fußabdruck bei Geflügel und Schweinen im Visier

19.03.2013
Leibniz-Forscher aus MV an internationalem Forschungsprojekt zum Klimawandel beteiligt

Unter maßgeblicher Beteiligung des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf startet ein europaweites Forschungsprojekt, das sich der Erforschung von Ursachen für Unterschiede in der Futterverwertung bei Schweinen und Hühnern sowie Maßnahmen zu deren Verbesserung widmet.


Wie kann die Fütterung von Schweinen umweltverträglicher gestaltet werden, lautet eine der zentralen Fragen des neuen Klimaschutzprojektes.
Fotos: FBN

Damit soll die Nutzung des Futters für das Wachstum, also die Ressourceneffizienz in der Tierhaltung, erhöht und so der als Summe aller umweltrelevanten Einflüsse berechenbare „ökologische Fußabdruck“ vermindert werden (siehe HINTERGRUND).

Neben einer Arbeitsgruppe um Prof. Klaus Wimmers, Leiter des Instituts für Genombiologie am FBN, beteiligen sich daran wissenschaftliche Einrichtungen und Behörden aus acht weiteren Ländern (Dänemark, Großbritannien, Irland, Österreich, Polen, Schweiz, Spanien und USA). Die Koordinierung des mit sechs Millionen Euro in den Jahren 2013 bis 2016 geförderten Projekts übernimmt die Queens University Belfast in Nordirland.

Welternährung umweltverträglicher machen

Eine Verlangsamung des Klimawandels, eine Verbesserung der Energieeffizienz und ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen bei gleichzeitiger Sicherstellung der Nahrungsversorgung einer stetig wachsenden globalen Bevölkerung gehört zu den dringendsten Herausforderungen der Menschheit. Umso wichtiger ist es, Instrumentarien und Strategien zu entwickeln, mit denen Lebensmittel effizient und umweltverträglich erzeugt werden können.

An dieser Stelle setzt das EU-Projekt „ECO-FCE“ an. Ziel ist es, Strategien zur Verbesserung der Futterverwertung bei Geflügel und Schwein zu entwickeln. Hühner und Schweine sind was ihre Verdauung betrifft den Menschen sehr ähnlich. Die Nutzung der Nahrungsquellen hängt von genetisch bestimmten Eigenschaften ihres Verdauungstraktes sowie von dessen Besiedlung mit Darmmikroben und der Zusammensetzung der Futterrationen ab. Im EU-Projekt „ECO-FCE“ werden die Wechselbeziehungen zwischen Genetik, Darmflora und Futterzusammensetzung untersucht und Wege gesucht, wie Futtermittel von den Tieren optimal verwertet werden.

Die Forscher des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie zeichnen in dem Projekt für den genetischen Forschungsansatz federführend verantwortlich. Es sollen molekulare Pfade in der Tiergenetik aufgeklärt werden, die für die Ausprägung der Futterverwertung sowie den nahrungsabhängigen Stoffansatz und -umsatz beteiligt sind. Einen wesentlichen Bestandteil der Arbeit bildet die Identifizierung von Biomarkern als messbare Indikatoren für die Futterverwertung.

Einen weiteren Baustein der multidisziplinären Studie bildet die Entwicklung von Fütterungsstrategien für die Schweine- und Geflügelhaltung. Die Ergebnisse sollen unmittelbar in der Praxis im Rahmen von Zucht- und Ernährungsprogrammen Anwendung finden. Durch präzise, dem Bedarf der Tiere angepasste Fütterungsregime und den Einsatz innovativer Futterzusätze, wie zum Beispiel Pro- und Präbiotika, ist beabsichtigt, die Zusammensetzung der Darmflora positiv zu beeinflussen und die Darmfunktion zu verbessern. Nicht zuletzt dient ein besseres Verständnis der Interaktionen zwischen Fütterung, Muskelwachstum und Essqualität auch dazu, die Produktqualität zu verbessern.

Im Ergebnis sollen durch eine Optimierung der Futtereffizienz in der Schweine- und Hähnchenhaltung zum einen die Nahrungssicherheit hinsichtlich Quantität und Qualität landwirtschaftlicher Produkte tierischer Herkunft gewährleistet und zum anderen umweltrelevante Einflüsse, wie Treibhausgas-, Nitrat- und Phosphat-Emissionen minimiert werden.

Hintergrund

Ökologischer Fußabdruck beim Tier

Der ökologische Fußabdruck ist ein Nachhaltigkeitsindikator, der die Summe aller umweltrelevanten Einflüsse in Relation zu den auf der Erde verfügbaren Ressourcen stellt. Bei der Erzeugung von Eiern oder Fleisch vom Huhn oder Schwein misst er beispielsweise nicht nur den Futterverbrauch der Tiere, er berücksichtig auch vorgelagerte Aufwendungen, etwa die Anbaufläche, die für die Produktion des Getreides vonnöten ist, Wasserverbrauch, Betriebsmittel für Maschineneinsatz, Transport etc.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 86 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Wissenschaftscampi -, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 16.500 Personen, darunter 7.700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,4 Milliarden Euro.

Ansprechpartner
Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf
Forschungsbereich Molekularbiologie/Genombiologie
Prof. Dr. Klaus Wimmers
T +49 38208-68 700
E wimmers@fbn-dummerstorf.de
Wissenschaftsorganisation
Dr. Norbert K. Borowy
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf
T +49 38208-68 605
E borowy@fbn-dummerstorf.de

Norbert K. Borowy | idw
Weitere Informationen:
http://www.fbn-dummerstorf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index
21.08.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen