Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturschutz: Was Nationalparks bringen

02.09.2008
Soll ein Teil des Steigerwaldes zum Nationalpark werden?

In der Pro-und-Contra-Diskussion hat sich unlängst auch Professor Hubert Job zu Wort gemeldet, der seit April an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für Geographie und Regionalforschung innehat. Denn er erforscht unter anderem die regionalökonomischen Effekte von National- und Naturparks sowie von Biosphärenreservaten.

Im Juli hat Job eine Studie über den Nationalpark Bayerischer Wald veröffentlicht. Der zufolge ist das Schutzgebiet die größte Attraktion der Region - mit bedeutenden ökonomischen Auswirkungen: Die jährlich 760.000 Besucher geben dort mehr als doppelt so viel Geld aus wie der Staat in den Park investiert; sie sorgen für einen Jahresumsatz von 27,8 Millionen Euro. Ähnlich positive Effekte könne auch ein Nationalpark Steigerwald haben, meint der Professor. Denn die urwaldartigen Buchenbestände dort gelten unter Naturschützern als hochwertig. Außerdem ist das Gebiet verkehrsmäßig gut angebunden und in der Nähe liegen Städte wie Bamberg und Würzburg, die eine zusätzliche Sogwirkung auf Touristen entfalten.

Auch im Bayerischen Wald waren die Einrichtung und vor allem die Erweiterung des Nationalparks im Jahr 1997 bei den Anwohnern umstritten. "Weil solche Reservate in erster Linie dem Naturschutz dienen und andere Nutzungen einschränken oder ganz verhindern, wird ihnen häufig nicht allzu viel Akzeptanz entgegengebracht", sagt Job. Auf der anderen Seite eröffnen die Schutzgebiete aber neue Möglichkeiten, besonders im Tourismus.

Um die ökonomischen Effekte berechnen zu können, die Nationalparks auf die umliegenden Regionen ausüben, hat der Würzburger Geographieprofessor in mehreren vom Bundesumweltministerium geförderten Projekten eine standardisierte Methode entwickelt. Damit fand er nicht nur Positives heraus. Dem Nationalpark Eifel etwa schreibt er einen nur geringen wirtschaftlichen Einfluss auf die Umgebung zu. Allerdings nehme das Gebiet damit eine absolute Ausnahmestellung unter den deutschen Nationalparks ein. Job führt das unter anderem darauf zurück, dass der Ballungsraum Rhein-Ruhr zu nahe liegt. Das mache die Eifel zu einem "Naherholungs-Nationalpark". Als Besucher überwiegen Tagesausflügler, und die geben im Schnitt nur zwölf Euro am Tag aus, während es bei Übernachtungsgästen fast 50 Euro sind.

Seine Berechnungsmethode will der Professor demnächst noch für einen anderen Typus von Schutzgebieten anwendbar machen, nämlich für die 13 deutschen Biosphärenreservate. Auf diesem Feld ist sein Lehrstuhl auch international tätig, derzeit in Kenia, Marokko, Namibia und Mexiko. In diesen und anderen ärmeren Ländern sei die Akzeptanz der Bevölkerung den Schutzgebieten gegenüber noch deutlich niedriger als in ländlichen Regionen in Mitteleuropa.

Hubert Job wurde am 15. Juli 1958 in Landau in der Pfalz geboren. Er studierte Raum- und Umweltwissenschaften an der Universität Kaiserslautern, außerdem Diplom-Geographie an der Universität Trier. 1990 wurde er promoviert, 1998 habilitierte er sich an der Uni Trier für das Fach Geographie. Zwischenzeitlich arbeitete er auch als Entwicklungshelfer in Togo, und zwar in einem Ressourcen-Schutzprojekt der Welternährungsorganisation (Food and Agricultural Organisation, FAO).

Dem Ruf auf eine außerordentliche Professur für Wirtschaftsgeographie an der Universität München folgte er im Jahr 2000. Im Winter 2005/06 forschte und lehrte er mit einer Gastprofessur des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Mexiko. Seit 14. April 2008 ist Job Inhaber des Würzburger Lehrstuhls für Geographie und Regionalforschung. Der Professor ist außerordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Landeskunde und ordentliches Mitglied der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, in deren Landesarbeitsgemeinschaft Bayern er derzeit den Vorsitz innehat.

Kontakt:
Prof. Dr. Hubert Job,
T (0931) 888-5552, hubert.job@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Sauerstoffkrisen in der Adria sind nicht nur vom Menschen verursacht
28.03.2017 | Universität Wien

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit