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Zur möglichen Kontamination von Fischen und Meerwasserpflanzen als Folge des Reaktorunglücks

15.03.2011
Aufgrund der jüngsten Ereignisse in Japan muss – gegenüber gestern – von einer deutlich umfangreicheren Freisetzung radioaktiver Stoffe ausgegangen werden.

Bei einer Explosion am Morgen des 15. März (Ortszeit Japan) im Reaktorblock 2 des Kernkraftwerks Fukushima wurde nach japanischen Angaben der Reaktor selbst beschädigt. Laut Meldung der Internationalen Atomenergie Agentur (IAEA) kam es zu einem strukturellen Versagen des Kondensators im primären Kühlkreislauf.

Daraufhin erhöhte sich die Ortsdosisleistung in der Umgebung des Kernkraftwerks kurzzeitig auf bis zu 12 Millisievert (mSv) pro Stunde. Im Vergleich dazu beträgt die jährliche mittlere Strahlendosis in der Bundesrepublik Deutschland 2,1 mSv.

Eine genaue Zusammensetzung der freigesetzten Radionuklidwolke ist nicht bekannt. Es ist aber zu vermuten, dass auch relativ leichtflüchtige Cäsium-Isotope (Cs-134, Halbwertszeit 2 Jahre und Cs-137, Halbwertszeit 30 Jahre) freigesetzt wurden.

Es ist zu erwarten, dass sich das Cäsium auch großflächig über dem Pazifischen Ozean verteilen wird und dort mit dem Regen ins Meerwasser ausgewaschen werden kann. Die Kontaminationen im Meerwasser werden sich aufgrund der Strömungsmuster schnell im Pazifik verteilen und dabei auch deutlich verdünnen.

Für den Nahbereich des Kraftwerks muss aber mit einer deutlichen Erhöhung der Cäsium-Aktivität im Meerwasser gerechnet werden. Dort wird die Aktivität langsam in die Nahrungskette eingetragen werden, denn Cäsium ist chemisch mit Kalium verwandt, einem Element, das von den Organismen aufgenommen und verstoffwechselt wird. Es wird zunächst im Plankton auftreten, aber auch in Organismen mit großem Wasserumsatz, wie Muscheln und Algen. Einige Wochen später könnten dann auch erhöhte Aktivitäten von Cäsium in Meerwasserfischen messbar sein. Ob dabei Grenzwertüberschreitungen auftreten, lässt sich aufgrund der aktuellen Datenlage aber nicht abschätzen. Der Grenzwert für Lebensmittel in der EU beträgt 600 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse.

Die Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) beobachten die Lage weiterhin sehr aufmerksam. Eine Gefährdung der deutschen Bevölkerung durch kontaminierte Fische und Meeresprodukte aus Japan kann zum jetzigen Zeitpunkt aber ausgeschlossen werden.

Im Rahmen des Integrierten Mess- und Informationssystems (IMIS), welches nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl eingerichtet wurde, messen die zuständigen Stellen der Bundesländer stichprobenartig unter anderem auch Importproben von Fisch aus Japan und anderen asiatischen Ländern. Hierbei sind in der Vergangenheit keine erhöhten Werte aufgetreten.

Ansprechpartner:
Dr. Ulrich Rieth
Johann Heinrich von Thünen-Institut
Institut für Fischereiökologie
Marckmannstraße 129b, Haus 4, 20539 Hamburg
Tel.: 040 42817-611
E-Mail: ulrich.rieth@vti.bund.de

Dr. Michael Welling | vTI
Weitere Informationen:
http://www.vti.bund.de

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