Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie misst man Nachhaltigkeit?

28.06.2012
Nachhaltigkeit war das große Thema des Umweltgipfels in Rio. Um die Weltbevölkerung zu ernähren, ist eine nachhaltigere Nutzung der Ökosysteme unerlässlich.

Am ZMT hat ein Autorenkollektiv nun in einer Publikation Indikatoren zusammengetragen, die den Zustand von Küstenökosystemen und die Prozesse, die ihre nachhaltige Entwicklung fördern, beschreiben.


Die brasilianische Mangrovenkrabbe ernährt sich von den Blättern der Mangrovenbäume
U. Mehlig, ZMT

Nachhaltigkeit war das große Thema des Umweltgipfels in Rio. Um die Weltbevölkerung zu ernähren, ist eine nachhaltigere Nutzung der Ökosysteme unerlässlich. Insbesondere in tropischen Küstengebieten ist die Bevölkerungsdichte enorm und die Abhängigkeit von den natürlichen Ressourcen dementsprechend groß. Unterschiedlichste Interessen prallen hier aufeinander und führen zu einem größeren Nutzungsdruck als in Ökosystemen der offenen Ozeane oder des Festlands.

Am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie hat ein Autorenkollektiv nun in einer Publikation Indikatoren zusammengetragen, die den Zustand von Ökosystemen und die Prozesse, die ihre nachhaltige Entwicklung fördern, beschreiben. Bringt das System noch die gleichen Leistungen wie ein unberührtes? Wird es übermäßig genutzt? Wie ist es wieder auf den richtigen Kurs zu bringen? Mit dem Merkmalskatalog können solche Fragen angegangen werden.

Der Ansatz ist innovativ: hier haben Natur- und Sozialwissenschaftler ihre Expertise aus jahrzehntelanger Forschung in tropischen Ökosystemen wie Mangroven, Korallenriffen, Seegraswiesen und Küstenmeeren zusammengebracht. Die enge interdisziplinäre Verzahnung hat am ZMT Tradition und ist für eine umfassende Beschreibung von Zustand und Dynamik eines Ökosystems unerlässlich.

Beispielsweise Mangroven: 1995 begann am ZMT ein Langzeitprojekt zur Erforschung der Gezeitenwälder im Nordosten Brasiliens. Über einen Zeitraum von zehn Jahren erhoben die Wissenschaftler Daten zu Waldstruktur und Artenvielfalt und bestimmten den sozioökonomischen Stellenwert von mehr als einem Dutzend Mangrovenprodukten.

Als zwei wesentliche Indikatoren wurde die Populationsstruktur der Mangrovenkrabben identifiziert und die Futtermengen, die sie aufnehmen. Sie sind Schlüsselorganismen, Arten, die das Ökosystem in besonderem Maße prägen. Im schlammigen Waldboden bauen sie bis zu zwei Meter tiefe Höhlen, die den Boden belüften. Die Krabben fressen 80% der abgefallenen Blätter von den Mangrovenbäumen – das sind enorme Mengen - und scheiden das unverdaute organische Material in ihren Höhlen wieder aus.

So bleiben der Mangrove wichtige Nährstoffe erhalten, denn die abgefallenen Blätter würden sonst ins Meer gespült werden. Das dichte Netz der Stelzwurzeln der Bäume hält große Mengen an diesem organischen Material zurück. Das ist ein Grund weshalb Mangroven im Vergleich zum tropischen Regenwald effizientere CO2 Speicher sind und eine nicht unwesentliche Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf spielen.

Und schließlich sind die Krabben für die Bewohner der umliegenden Ortschaften eine der wichtigsten Einnahmequellen. Über 80% der Bevölkerung lebt von den Produkten der Mangrove, insbesondere aber von den Krabben, die in mühsamer Arbeit aus ihren Schlammhöhlen gegraben werden. Hier spielen Indikatoren wie die Bedeutung dieser Ressource für die Bevölkerung, aber auch Einkommensalternativen und Wohlstandsniveau der Krabbenfischer und ihre Beteiligung am Management dieser Ressource eine wichtige Rolle, um das System zu beschreiben.

Die Arbeit macht sehr deutlich, wie vielschichtig und verwoben Mensch und Natur in einem Ökosystem zusammenwirken. Mit dieser Publikation haben die Wissenschaftler einen Rahmen geschaffen, um die Verbindung zwischen den entscheidenden ökologischen und sozialen Prozessen herauszuarbeiten.

Weitere Informationen:

Dr. Kathleen Schwerdtner Manez
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie
Tel: 0421 / 23800 – 82
Email: kathleen.schwerdtner@zmt-bremen.de
Publikation:
Measuring and understanding sustainability-enhancing processes in tropical coastal and marine social–ecological systems

Marion Glaser, Patrick Christie, Karen Diele, Larissa Dsikowitzky, Sebastian Ferse, Inga Nordhaus, Achim Schlüter, Kathleen Schwerdtner Manez and Christian Wild (2012) Current Opinion in Environmental Sustainability 2012, 4:1–9

Dr. Susanne Eickhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.zmt-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften