Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Metal-Fans Wacken stürmen: Hart rocken, Umwelt schützen

15.03.2011
Projekt zur Schonung von Grünflächen – DBU fördert Bodenkonzept am Beispiel von Wacken Open Air

Es ist das größte Heavy Metal Festival der Welt. Wenn beim Wacken Open Air die E-Gitarren dröhnen, strömen Zehntausende Besucher in das schleswig-holsteinische Dorf. Auf einer Fläche, die so groß wie 270 Fußballfelder ist und sonst landwirtschaftlich genutzt wird, findet das Ereignis jährlich statt. Und es hinterlässt seine Spuren. Nicht selten ist der Boden völlig aufgeweicht, neue Pflanzen müssen ausgesät werden.

Das RegionNord Büro für Regionalentwicklung aus Itzehoe will daher mit dem ICS Festival Service aus Dörpstedt am Beispiel des Wacken Open Air ein neues Boden- und Vegetationskonzept entwickeln, um Grünflächen künftig besser schützen zu können. Wissenschaftlicher Partner ist die Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Hochschule (HS) Osnabrück. Finanzielle Unterstützung sichert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zu. Mit rund 118.000 Euro fördert sie das Vorhaben, dessen Ergebnisse auch auf andere Großveranstaltungen übertragen werden sollen.

Ob in Wacken, Scheeßel oder am Nürburgring – deutschlandweit finden jedes Jahr zahlreiche Musikfestivals unter freiem Himmel statt. Bühnen und Campingplätze finden häufig ihren Platz auf Gras- und Grünlandflächen, deren Vegetation einer solchen Nutzung nicht „gewachsen“ ist. Kommt dann noch starker Regen hinzu, verwandelt sich das einstige Grün schnell in knöcheltiefen Schlamm. Sind die Zelte wieder abgebaut, muss der Boden neu bearbeitet und begrünt werden – ein aufwändiges und wenig ressourcenschonendes Verfahren. „Wir untersuchen nun am Beispiel des Wacken Open Air, mit welchem Boden- und Vegetationskonzept solche Schäden künftig besser vermieden werden können“, erklärt Mathias Günther vom RegionNord Büro für Regionalentwicklung.

Nachdem in den vergangenen Jahren bereits ein innovatives Verkehrskonzept umgesetzt, in die Verbesserung der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur investiert und ein Konzept zur Müllvermeidung auf den Weg gebracht worden sei, sei das nun von der DBU geförderte Vorhaben ein weiterer Schrift zur Entwicklung eines nachhaltigen Festivalstandortes in der Gemeinde Wacken.

Bisherige Schlechtwetter-Notlösungen wie das großflächige Ausstreuen von Hackschnitzeln oder Stroh bei stark durchnässtem Boden belasteten unnötig die Umwelt, da durch den Einsatz von Maschinen für die Bodenbearbeitung zusätzliches Kohlendioxid frei werde. Zudem schädigten die großflächigen Bodenverdichtungen und das zusätzliche Abdecken mit organischem Material den Boden erheblich. Darauf zu verzichten, sei aber bisher unmöglich, da auch bei schlechtem Wetter nicht nur die Fahrwege für die Ver- und Entsorgung, sondern auch die Rettungswege problemlos passierbar sein müssten. Ein nachhaltiges Konzept, die Einsparung von Energie und Kohlendioxid seien Hauptziele des Projekts, von dem langfristig Landwirte, Umwelt und Festivalfans nicht nur am Standort Wacken profitieren sollten.

Noch im März rollen dafür die Bagger auf dem rund 200 Hektar großen Festivalgelände. Denn dann legt das Wissenschaftlerteam der HS Osnabrück mehrere, ca. 250 Quadratmeter große Versuchsflächen mit verschiedenen Bodenmischungen und diversen Saatvarianten an. Über drei Jahre sollen die Felder beobachtet werden. „So können wir auch den Einfluss unterschiedlicher Belastungen und Wetterbedingungen auf die Bodenfestigkeit der einzelnen Versuchsflächen untersuchen“, sagt Prof. Dr. Olaf Hemker von der HS Osnabrück, der mit seinen Kollegen, der Vegetationsökologin Prof. Dr. Kathrin Kiehl und dem Pflanzenbauer Prof. Dr. Dieter Trautz, das Projekt bearbeitet.

Darüber hinaus sollen die landwirtschaftliche Nutzung des Geländes und die Ansprüche des Festivals künftig besser in Einklang gebracht werden. Hierzu erfasse das Team die geografischen Daten des kompletten Geländes mit Hilfe eines Geoinformationssystems (GIS), so Hemker. Daraufhin soll in Zusammenarbeit mit den Landwirten, die alle sofort ihre volle Unterstützung zugesagt hätten, analysiert werden, wo eine Bewirtschaftung der Fläche Sinn mache und welche Pflanzen künftig angebaut werden könnten. Zudem ließen sich mit dem Geoinformationssystem Karten anlegen, die die Beschaffenheit des Bodens bei unterschiedlichen Wetterbedingungen darstellen. So könnten die Organisatoren des Festivals künftig eine Art virtuelles Infrastrukturnetz erstellen, mit dem sich Besucherströme sinnvoll lenken und Transportwege strategisch planen ließen.

Abschließend soll ein allgemein übertragbares, vegetationstechnisches Flächenmanagementkonzept für Open-Air-Veranstaltungen entstehen. „Somit kann das Projekt nicht nur zu einem nachhaltigen Festivalstandort Wacken beitragen. Es fördert auch den Schutz von Grünflächen bei anderen Großveranstaltungen in ganz Deutschland“, betont DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde. So stehen Festivalbesucher vielleicht bald nicht mehr knöcheltief im Schlamm – auch wenn das für viele dazugehört.

Franz-Georg Elpers | DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel31390_335.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte