Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die großen Tierwanderungen verschwinden zunehmend

03.06.2009
Ob Gnus in der Serengeti oder Karibus in Nordamerika - viele Tiere legen auf ihren jährlichen Wanderungen riesige Distanzen zurück.

Sie wandern, um bessere Nahrungsgebiete zu besuchen, dem Schnee zu entkommen oder optimale Regionen für die Geburt der Kälber aufzusuchen. In einem jetzt in Endangered Species Research veröffentlichten Paper kommen Wissenschaftler nach der Auswertung von Daten zu 24 Migrationen von Landsäugetieren zu dem Schluss, dass diese Wanderungen zunehmend verschwinden bzw. kleiner werden.

Rund 2.000 Kilometer läuft ein Gnu während einer Rundwanderung durch die Serengeti, doch die Gnus sind nicht die einzigen, die riesigen Strecken zurücklegen, weltweit gibt - oder vielmehr gab - es große Wanderungen von Tieren. Dennoch wissen wir bei den großen Landsäugetieren erstaunlich wenig über die Migrationen. Viele Wissenschaftler jedenfalls, die sich mit dem Thema beschäftigen, sind in großer Sorge darüber, dass wandernden Tieren zunehmend ihre Routen abgeschnitten werden.

Grant Hopcraft und Simon Thirgood von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt haben sich gemeinsam mit Erstautor Grant Harris (American Museum of Natural History), Joel Berger (Wildlife Conservation Society) und Joris Cromsigt (Mammal Research Institute, Polish Academy of Sciences) die verfügbaren Daten zu den Wanderungen großer landlebender Säugetierarten betrachtet. Ihr Ergebnis ist erschreckend: außer den Gnus in der Serengeti, den Weißohr-Kobs im Südsudan und den Karibus in Nordamerika haben alle Migrationen signifikant abgenommen, viele sind ganz verschwunden.

Von 24 Arten bzw. Unterarten weiß man, dass sie wandern bzw. in der Vergangenheit gewandert sind. Allesamt sind Huftiere. Sechs dieser Wanderungen -Springbock, Weißschwanzgnu, Blessbock, Kulan, Säbelantilope und Quagga - sind mittlerweile verschwunden, im Falles des Quaggas inklusive der Art selbst. Für viele andere weiß man relativ wenig über die zurückgelegten Distanzen, Populationsgrößen und Routen. Neun große Wanderungen finden in Afrika statt, die der Gnus in der Serengeti ist die einzige auf dem Kontinent die sich in einem Schutzgebiet befindet. Sechs Migrationen gibt es noch in Eurasien und vier in Nordamerika. In Südamerika und in Australien gibt es keine großen Wanderungen von Landsäugetieren.

Große Strecken zurückzulegen ist energieaufwändig und muss sich für eine Art lohnen. Harris und seine Kollegen haben vier Faktoren als treibende Kräfte identifiziert. Da wäre zunächst die Verfügbarkeit von Futter und von Wasser. Aber auch traditionelle Gebietsnutzung ist ein Argument für Tiere zu wandern, ebenso wie die Schneetiefe. Die Tiere wandern aus Regionen mit schlechter Nahrungsverfügbarkeit in Gebiete wo das Futter nahrhaft, gut zugänglich und ausreichend vorhanden ist. Die meisten Wanderer suchen nach frischem Gras. Und ob frisches Gras sprießt, hängt davon ab, ob es feucht genug ist - in der afrikanischen Savanne beispielsweise nach Regenfällen, in den Steppen Eurasiens oder der Tundra Nordamerikas etwa nach der Schneeschmelze. Für die Wanderer in Nordamerika und Eurasien, die Bisons, Elche oder Karibus, stellt die Schneetiefe einen entscheidenden Faktor für die Wanderung da, der sie zwingt, in tiefere Lagen oder niedrigere Breiten zu ziehen.

Zwei Hauptgründe gibt es, warum die eindrucksvollen Migrationen gerade zunehmend von unserem Planeten verschwinden. Zum einen hören Tiere auf zu wandern, wenn ihre Bestandszahlen schrumpfen, zum anderen wird den Migrationen vermehrt der Weg abgeschnitten, indem die Zuggebiete verbaut, landwirtschaftlich genutzt, mit Zäunen versehen und besiedelt werden. Daher appellieren die Autoren, die Zugrouten der Wanderer zu sichern und das Bewusstsein vor Ort zu stärken, wenn wir nicht weitere diese spektakulräen Ereignisse im Tierreich verlieren wollen.

G. Harris, S.Thirgood, J.G.C. Hopcraft, J.P.G.M. Cromsigt, J. Berger, (2009):
Global decline in aggregated migrations of large terrestrial mammals. Endang Species Res; Vol. 7: 55-76.

Die dem Paper zugrundeliegende Forschungsarbeit wurde unterstützt durch die John D. and Catherine T. MacArthur Foundation, Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die Wildlife Conservation Society und das Marie Curie Transfer of Knowledge project BIORESC.

Dagmar Andres-Brümmer | idw
Weitere Informationen:
http://www.zgf.de
http://www.int-res.com/abstracts/esr/v7/n1/p55-76/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Versauerung: Wie der Klimawandel die Süßgewässer belastet
12.01.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Tote Bäume haben zahlreiche und treue Begleiter
10.01.2018 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik

17.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

17.01.2018 | Physik Astronomie

Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

17.01.2018 | Physik Astronomie