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Galapagos – ein Naturparadies im Wandel

14.05.2012
Seit Ende des 19. Jahrhunderts gilt das Galapagos Archipel als Paradebeispiel, um Prinzipien der Evolution zu veranschaulichen.
In Zeiten des Klimawandels und der zunehmenden Ozeanversauerung rückt das Archipel in einen neuen Fokus der Wissenschaftler. Am 7. und 8. Mai veranstaltete das ZMT ein internationales Symposium in Bremen und lud Galapagos-Forscher zum gemeinsamen Austausch ein.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gilt das Galapagos Archipel als Paradebeispiel, um Prinzipien der Evolution zu veranschaulichen. In Zeiten des Klimawandels und der zunehmenden Ozeanversauerung rückt das Archipel in einen neuen Fokus der Wissenschaftler. Hier herrschen ganz besondere ozeanographische Bedingungen. Sie machen das Archipel zu einem natürlichen Observatorium für zukünftige Szenarien, die den Einfluss solcher Umweltveränderungen auf die Meeresökosysteme zeigen.

Am 7. und 8. Mai veranstaltete das ZMT ein internationales Symposium in Bremen und lud Wissenschaftler aus Europa und Übersee ein, die das komplexe Inselsystem aus verschiedensten Blickwinkeln erforschen. Ziel war es, neue Erkenntnisse zu diskutieren und Ansätze für gemeinsame Projekte zur weiteren Erforschung dieses reichen UNESCO-Weltnaturerbes zu entwickeln. Gastgeber am ZMT waren der Fischereibiologe Matthias Wolff, ehemaliger Leiter der meereswissenschaftlichen Forschung an der Charles Darwin Station auf Galapagos, und die Geologin und Direktorin des ZMT Hildegard Westphal.

Das Galapagos Archipel liegt im Grenzbereich ozeanischer Einfllüsse aus beiden Hemisphären. Aus dem Norden kommen die warmen Wassermassen der Panamabucht und lassen hier tropische Korallen gedeihen. Der südöstliche und westliche Teil des Archipels wird vom kalten Wasser des Humboldtstroms und des Cromwell-Tiefenstroms beeinflusst. Dort findet man Lebewesen temperierter Zonen, wie Pinguine und Riesentang. Auf engstem Raum sind dadurch sehr unterschiedliche Lebensgemeinschaften und die außergewöhnliche Artenvielfalt des Archipels entstanden.

Meeresschildkröte
Foto: D. Ruiz, ZMT


An den Kalkstacheln von Seeigeln werden am ZMT Untersuchungen zur Auswirkung der Ozeanversauerung gemacht. Foto: C. Reymond, ZMT

Wie in anderen Auftriebsgebieten ist auch das nährstoffreiche Tiefenwasser um die Galapagosinseln naturgemäß CO2-reicher als in anderen Gebieten der Ozeane. Im Zentrum des Interesses standen daher Fragen nach den Auswirkungen der Ozeanversauerung auf kalkbildende Organismen wie Korallen, Stachelhäuter oder Kalkalgen und die Ökosysteme, in die sie eingebunden sind. Die Experten sehen in Galapagos ein Modell für Lebensgemeinschaften, die durch die zunehmende Aufnahme von Kohlendioxid im Meer sich wandelnden Bedingungen ausgesetzt sind.

Ein weiterer Fokus lag auf klimabedingten Veränderungen des Ökosystems. Periodisch treten im östlichen Pazifik Klimaschwankungen auf, wie das sogenannte „El Niño“-Phänomen. Der Humboldtstrom wird abgeschwächt, das erwärmte, nährstoffärmere Meerwasser kann dazu führen, dass ganze Nahrungsketten zusammenbrechen. Für die Arten der Kaltwasserrefugien bedeuten diese Schwankungen eine besondere Belastung, da sie aufgrund der äquatorialen Lage der Inseln kaum Möglichkeiten haben, in kühle Gebiete auszuweichen. Bisher konnten sich Tierpopulationen wie die der Pinguine, flugunfähigen Kormorane oder Seehunde wieder erholen. Verschiedene tropische Korallenarten hingegen litten stärker unter der Erwärmung und sind in einigen Gebieten verschwunden. Experten vermuten, dass der globale Klimawandel diese extremen Klimaschwankungen noch verstärken könnte.

Thema waren schließlich auch Fragen des Managements dieses Naturreichtums. Mit einer Ausdehnung von 138.000 km2 ist das Galapagos Archipel eines der größten Meeresschutzgebiete der Erde. 1998 wurde die industrielle Fischerei konsequent verbannt. Die Bestände stark befischter Arten, wie Haie und Thunfische, konnten sich wieder erholen. Hingegen nimmt die Entwicklung des Tourismus und der Inselbevölkerung kontinuierlich zu. Der Schiffsverkehr ist in den letzten Jahren stark angestiegen, mittlerweile suchen auch Kreuzfahrtschiffe die Inselwelt auf. Die Inselbevölkerung deckt ihren Energiebedarf hauptsächlich durch Dieselöl, das Schiffe vom Festland herüberbringen.

Dadurch steigt aber auch die Gefahr einer Havarie. In 2001 zum Beispiel verunglückte der Öltanker „Jessica“ vor der Insel San Cristobal. Das wohl größte Problem sind aber invasive Arten, die durch den Tourismus eingeschleppt werden. So konnte man in Pinguinen den Malariaerreger nachweisen. Für die einzigartige Fauna und Flora der Galapagos Inseln stellen diese Arten eine Gefahr mit noch unabsehbaren Folgen dar.

Dr. Susanne Eickhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.zmt-bremen.de

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