Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Freie Fahrt auch für Fische - Arbeitshilfe zur Gestaltung von Fischaufstiegsanlagen

21.12.2011
Ziel ist die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an Bundeswasserstraßen.

Wie müssen Fischaufstiegshilfen an den Bundeswasserstraßen beschaffen sein, damit sie ihren Zweck erfüllen? Die jetzt von BAW und BfG veröffentlichte "Arbeitshilfe Fischaufstiegsanlagen an Bundeswasserstraßen" benennt die zu beachtenden Aspekte und offenen Fragen für die Verhältnisse an Bundeswasserstraßen, geht auf diese Fragen ein, benennt anwendbare technische Richtlinien und stellt dar, wie mit den für die Verhältnisse an Bundeswasserstraßen offenen Fragestellungen umgegangen werden sollte.


Modellanalysen zeigen die Geschwindigkeiten im Schlitzpass in verschiedenen Farben

Mit der Neufassung des Gesetzes zur Ordnung des Wasserhaushalts (WHG) vom 1. März 2010 hat sich der Bund dazu verpflichtet, die ökologische Durchgängigkeit an den Stauanlagen der Bundeswasserstraßen zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Maßgeblich für die Umsetzung sind die Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die unter anderem vorsehen, dass die Anzahl der in den Flüssen wandernden Fische und deren Artenreichtum einem natürlichen Zustand entsprechen sollen. Die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) hat nun in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) ein Dokument erarbeitet, das der Fachwelt als Arbeitshilfe und Richtschnur bei der Errichtung von Fischaufstiegshilfen oder der Ertüchtigung schon vorhandener Anlagen an rund 250 Staustufen in den Bundeswasserstraßen Hilfestellung bietet.

Die ökologische Durchgängigkeit der Bundeswasserstraßen wiederherzustellen, ist eine komplexe Aufgabe. Nicht alle offenen Fragen können bereits heute beantwortet und nicht alle erforderlichen Maßnahmen gleichzeitig ergriffen werden. Seit wir Menschen die großen Flüsse als Wasserstraßen und deren Wasserabfluss zur Energiegewinnung nutzen, greifen wir in ihren natürlichen Zustand ein und haben bauliche Hindernisse geschaffen, die besonders für jene Fische problematisch sind, die ihr Leben als Pendler verbringen. Flüsse sind ihre Wanderrouten. Hier schwimmen sie zu ihren Laich-, Aufzucht- und Nahrungsgebieten. Wenngleich es in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten gelang, die Wasserqualität erheblich zu verbessern und wieder deutlich mehr Leben in die Flüsse zurückzubringen, schränken vielerorts Staustufen die Durchgängigkeit für die Tiere im und am Wasser, aber auch für den Transport von Sedimenten an der Gewässersohle, stark ein. Fischen und Kleinlebewesen wieder die Aufwärtswanderung in den Bundeswasserstraßen zu ermöglichen, ist somit erst der Anfang. Ein besserer Fischabstieg und die Sedimentdurchlässigkeit stehen ebenfalls auf der Agenda.

Aufwärtswanderungen von Fischen wieder ermöglichen
Um nun den Fischen ihre Reiserouten wieder zu öffnen, wäre es ideal, Stauanlagen einfach zurückzubauen – eine Option, die jeweils zu prüfen ist, jedoch nur selten ergriffen werden kann. Eine praktische Alternative ist die Einrichtung von Fischwanderhilfen. Aber wie müssen Fischaufstiegshilfen an den Bundeswasserstraßen eigentlich beschaffen sein, damit sie ihren Zweck erfüllen? Welche Geschwindigkeit darf die Strömung in der Anlage haben? Oder: Was muss alles getan werden, damit die Fische die Aufstiegshilfe überhaupt finden? Die jetzt von BAW und BfG veröffentlichte „Arbeitshilfe Fischaufstiegsanlagen an Bundeswasserstraßen“ benennt die zu beachtenden Aspekte und offenen Fragen für die Verhältnisse an Bundeswasserstraßen, geht auf diese Fragen ein, benennt anwendbare technische Richtlinien und stellt dar, wie mit den für die Verhältnisse an Bundeswasserstraßen offenen Fragestellungen umgegangen werden sollte.

Die Erfahrungen mit bestehenden Fischauf- und Fischabstiegsanlagen sowie theoretische Überlegungen zeigen, dass bei Fischen, Aalen und Rundmäulern wie dem Flussneunauge, die regelmäßig über eine oder mehrere Staustufen wandern müssen, eine Bestandserhaltung und -entwicklung nur dann gelingen kann, wenn ein sehr großer Anteil der Tiere derartige Anlagen ohne große Zeitverzögerung zu finden und zu überwinden vermag. Folglich genügt es nicht, wenn Fischaufstiegsanlagen (und Fischabstiegsanlagen) grundsätzlich für die jeweils vorkommenden Arten passierbar sind. Sie müssen ebenso hinsichtlich ihrer Auffindbarkeit optimiert und an mindestens 300 Tagen im Jahr unabhängig vom Wasserstand nutzbar sein, um ökologisch wirksam werden zu können.

Leitströmung bietet den Fischen Orientierung
In der von Biologen und Ingenieuren gemeinsam erarbeiteten Arbeitshilfe finden sich detaillierte Angaben dazu, wie vorhandene Fischaufstiegsanlagen überprüft und neue Anlagen konzipiert, geplant und gebaut werden können. Dabei kommt es in einem ersten Schritt entscheidend auf die Standortwahl an, denn davon hängt die Auffindbarkeit der Anlage ab. Baute man früher häufig dort, wo gerade Platz war, so weiß man heute, dass man den Eingang in die Aufstiegshilfen in der Regel möglichst nah an den Staustufen errichten sollte. Damit die Tiere schließlich problemlos in die Fischaufstiegsanlage hineinfinden, legen die Ingenieure an deren Eingang eine sogenannte Leitströmung an. Das ist meist kein leichtes Unterfangen, denn diese Leitströmung muss sich häufig gegen starke Turbulenzen durchsetzen können, die zum Beispiel von Turbinen oder Wehren erzeugt werden.

Und da keine Fischart der anderen gleicht, muss schon bei der Planung auf die jeweilige Schwimmstärke und Größe der Tiere Rücksicht genommen werden: Einen Fischpass zu erklimmen, ist anstrengend. Daher haben Fischaufstiegsanlagen verschiedene Zonen mit unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten, wie beispielsweise Durchlässe zwischen aufeinanderfolgenden Becken oder Zonen mit geringeren Strömungsgeschwindigkeiten. Mit weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen und Modellversuchen wollen die Ingenieure und Biologen von BAW und BfG die Planung und Gestaltung von Fischaufstiegsanlagen noch verbessern. Insofern wird auch die jetzt veröffentlichte Arbeitshilfe, die unter http://www.baw.de/de/die_baw/publikationen/merkblaetter/index.php.html zu finden ist, sukzessive fortgeschrieben.

Sabine Johnson | idw
Weitere Informationen:
http://www.baw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Sauerstoffkrisen in der Adria sind nicht nur vom Menschen verursacht
28.03.2017 | Universität Wien

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie