Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsprojekt BACOSA II zielt auf Verbesserung der Wasserqualität an der Küste

20.04.2016

An der Biologischen Station Hiddensee startet in diesen Tagen die zweite Projektphase des Forschungsprojektes „Baltic Coastal system analysis and status evaluation (BACOSA)“. Wissenschaftler der Biowissenschaften sowie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften wollen die Ökosystemdienstleistungen der inneren Küstengewässer bewerten. Die Ergebnisse sollen mögliche „Stellschrauben“ des Ökosystems identifizieren und schließlich in Managementmaßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität entlang der Küste einfließen.

Das BMBF-Verbundprojekt BACOSA II wird von den Universitäten Rostock http://www.oekologie.uni-rostock.de/forschung/bacosa/, Greifswald http://www.mnf.uni-greifswald.de/institute/fr-biologie/institute-und-forschung/biologische-station-hiddensee/forschung/gewaesseroekologie.html und Kiel http://www.ecosystem-management.uni-kiel.de/research/projects/bacosa realisiert. Dafür stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung rund 1 Million Euro bereit.


Die dichte Unterwasservegetation der Boddengewässer bietet Kleintieren und Kleinfischen Schutz vor größeren Fischen. – Foto: Dr. Sven Dahlke


Forschungstaucher und Masterstudent Anton Bühler taucht mit eingesammelten Pflanzenproben im Vitter Bodden auf. - Das Foto gehört zur Medieninfo "Forschungsprojekt BACOSA II zielt auf Verbesserung der Wasserqualität an der Küste" vom 19.04.2016

Foto: Dr. Mia Bengtsson

Die Vegetation der ausgedehnten Flachwasserbereiche entlang der Ostseeküste ist ein wichtiger Ökosystemdienstleister: Sie filtert vom Land eingetragene Nährstoffe und reguliert den Sedimenttransport. Speisefische finden hier ihre Nahrung und Rückzugsgebiete. Was gesunde Ökosysteme den Menschen bieten, ist bisher jedoch kaum bewertet worden.

Innerhalb der ersten Projektphase von BACOSA http://www.deutsche-kuestenforschung.de/bacosa.html wurden von 2013 bis 2016 Stoffflüsse in diesen Ökosystemen detailliert analysiert. Die Biologische Station untersuchte dabei Nährstoffe, Schwebstoffe, Phytoplankton und Zooplankton in und außerhalb von Unterwasservegetation, um Zusammenhänge zwischen diesen Parametern und eine mögliche Rückkopplung zwischen Vegetation und Umgebung zu klären.

Im Ergebnis wurde festgestellt, dass sich die äußeren Boddengewässer wie zum Beispiel vor Hiddensee durch klares Wasser und ein „intaktes“ Nahrungsnetz auszeichnen. Dagegen sind küstennahe Flachwasserökosysteme wie der Greifswalder Bodden und die Darß-Zingster Boddenkette heute, Jahrzehnte nach der starken Reduzierung der externen Nährstoffbelastung, immer noch durch trübes Wasser mit hohen Dichten von Phytoplankton, schwebende Algen, gekennzeichnet. Im Verhältnis dazu sind die Dichten von Zooplankton, dem „Fressfeind“ des Phytoplanktons, erstaunlich gering, obwohl für diese Tierchen, in den Boddengewässern vor allem durch Ruderfußkrebse vertreten, also eigentlich genügend Nahrung vorhanden ist. Schlechte Nahrungsqualität des Phytoplanktons ist eine denkbare Erklärung für diese Diskrepanz. Die Haupthypothese ist jedoch, dass das Zooplankton selbst einem hohen Fraßdruck ausgesetzt ist.

Innerhalb der zweiten Projektphase von BACOSA wird die Biologische Station Hiddensee http://www.mnf.uni-greifswald.de/institute/fr-biologie/institute-und-forschung/biologische-station-hiddensee.html (Lehrstuhl Experimentelle Pflanzenökologie, Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald) die Beziehungen in der Nahrungskette in Flachwasserbereichen entlang der deutschen Ostseeküste erforschen.

Während größere, vor allem kommerziell bedeutsame Fische regelmäßig untersucht werden, ist die Datenlage zum „mittleren“ Bereich des Nahrungsnetzes für die gesamte deutsche Ostseeküste erstaunlich spärlich. Zu diesem Bereich gehören Kleinfische und verschiedene, vor allem krebsartige Kleintiere, die als Räuber für Zooplankton infrage kommen. Hierzu zählt unter anderem der in die Ostsee eingewanderte Kleinkrebs Neomysis.

In der zweiten Projektphase sollen nun Datenlücken geschlossen werden. Parallel dazu wird die Rolle der Unterwasservegetation als mögliches Refugium für Zooplankton und/oder deren Räuber untersucht. Die Ergebnisse sollen mögliche „Stellschrauben“ des Ökosystems identifizieren und schließlich in Managementmaßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität entlang der Küste einfließen.

Dafür wurde eine Post-Doc-Stelle für einen Zeitraum von drei Jahren bewilligt. Bereits vorhandene Daten werden zusammengestellt und aufbereitet. Freilanduntersuchungen sollen die Kenntnislücken der Beziehungen zwischen Phytoplankton und Zooplankton auf der einen Seite und den „Top-Prädatoren“, v.a. Fischen, auf der anderen Seite schließen. Dazu werden in mehreren ausgewählten Untersuchungsgebieten neben verschiedenen Umweltparametern Unterwasservegetation, Phyto- und Zooplankton, Kleinfische und Kleintiere parallel quantifiziert und analysiert.

Weitere Informationen:
Das Gesamtprojekt BACOSA II umfasst eine gute Million Euro
Projektnummer: Förderkennzeichen 03F0665C

Bildunterschriften:
Foto 1 – Die dichte Unterwasservegetation der Boddengewässer bietet Kleintieren und Kleinfischen Schutz vor größeren Fischen. – Foto: Dr. Sven Dahlke
Foto 2 – Der Dreistachlige Stichling ist in flachen Küstengewässern überall verbreitet. Über seine Rolle im Nah-rungsnetz ist erstaunlich wenig bekannt. – Foto: Dr. Sven Dahlke
Foto 3 – Forschungstaucher und Masterstudent Anton Bühler taucht mit eingesammelten Pflanzenproben im Vitter Bodden auf. – Foto: Dr. Mia Bengtsson
Die Fotos können für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit dieser Medieninformation kostenlos heruntergeladen und genutzt werden. Dabei ist der Name des Bildautors zu nennen. Download http://www.uni-greifswald.de/informieren/pressestelle/pressefotos/medienfotos-2016/medienfotos-april-2016.html

Ansprechpartnerin an der Universität Greifswald
Leiterin der Biologischen Station Hiddensee
PD Dr. Irmgard Blindow
Biologenweg 15, 18565 Kloster
Telefon 038300 50251
blindi@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie