Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher fordern ganzheitliches Wassermanagement

18.08.2014

Veraltete Infrastruktur, Klimawandel und demografische Veränderungen erfordern Anpassungen und Sanierungen von Wasserversorgungs- und Abwassernetzen.

Diese sollten mit Blick auf die gesamte Wasserinfrastruktur erfolgen, fordern nun die Umwelttechniker Wolfgang Rauch und Manfred Kleidorfer von der Universität Innsbruck in einem Beitrag in der Fachzeitschrift Science.


Wasserversorgungs- und Abwassernetzen müssen saniert und angepasst werden.

Universität Innsbruck


Am Innsbrucker Innrain werden die Trinkwasserleitungen neu verlegt.

Universität Innsbruck

Vor Jahrzehnten errichtete Infrastrukturbauten für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung kommen langsam in die Jahre. Bei einer Lebensdauer von 50 bis 100 Jahren sind auch in Mitteleuropa viele Versorgungsnetze heute veraltet.

Der Klimawandel und demografische Veränderungen machen darüber hinaus Anpassungen notwendig. So lassen die zukünftigen klimatischen Bedingungen höhere Niederschlagsintensitäten erwarten. Um damit zurechtzukommen, müssen entweder zusätzliche Kanalsysteme gebaut oder andere Lösungen wie dezentrale Abwassersysteme eingeführt werden.

Dort wo Städte rasch wachsen oder schrumpfen müssen die Versorgungsnetze entsprechend angepasst werden. Hier sind dezentrale Lösungen wie die häusliche Abwasserverwertung oft wesentlich günstiger als aufwändige Netzwerke zur Entsorgung der Abwässer.

Die Einführung dezentraler Lösungen hat aber wiederum auch erheblichen Einfluss auf die Funktion bestehender Netzwerke, weil etwa die Durchflussmengen in den Abwassernetzwerken sinken und dadurch in den Kanälen verstärkt Sedimente abgelagert werden.

Trinkwasserbehandlung mit Folgen

Während solche dezentralen Lösungen heute häufig nur als Anpassungsmaßnahme gesehen werden, fordern Wolfgang Rauch und Manfred Kleidorfer vom Arbeitsbereich Umwelttechnik der Fakultät für Technische Wissenschaften der Universität Innsbruck in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Science nun einen ganzheitlicheren Blick auf Infrastrukturnetzwerke.

„Die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung werden immer noch nicht gemeinsam gedacht, auch in den zuständigen Stadtwerken sind diese Bereich meist immer noch organisatorisch getrennt“, sagen Rauch und Kleidorfer. Wenn in den nächsten Jahren diese Netzwerke saniert und angepasst werden müssen, ist es nach Meinung der Innsbrucker Umwelttechniker unabdingbar, die sich gegenseitig beeinflussenden Infrastruktursysteme als Ganzes zu betrachten.

Anlass für den Kommentar von Rauch und Kleidorfer in Science ist ein gutes Beispiel für dieses Denken: Eine australische Arbeitsgruppe an der University of Queensland zeigt in einer aktuellen Studie, dass Zusätze zur Trinkwasserbehandlung einen großen Einfluss auf die Korrosion von Abwasserleitungen haben können. Sie schlagen deshalb vor, bei der chemischen Aufbereitung von Trinkwasser auf Sulfate zu verzichten, weil diese im Abwasser Schwefelsäure bilden und dadurch Abwasserrohre aus Beton angreifen können.

„Das ist ein sehr gutes Beispiel für den Zusammenhang von Trinkwasserversorgung und Abwassersystem“, sagen Rauch und Kleidorfer. „Die Sulfate durch andere Flockungsmittel zu ersetzen oder andere Methoden wie die Nanofiltration einzusetzen, hat hier nachhaltigen Einfluss auf die Lebensdauer des Abwassernetzwerks.“

Ganzheitliches Wassermanagement

Es gibt noch viele weitere Beispiele für den Nutzen eines ganzheitlichen Wassermanagements. So hat etwa der Ersatz von Phosphaten in Waschmitteln durch alternative Zusatzstoffe den Nährstoffeintrag in heimische Gewässer massiv reduziert.

„Die Reihe von falschen Entscheidungen bei komplexen technischen Systemen ist sehr lang, weil viel zu oft nur Ausschnitte betrachtet werden“, resümieren Wolfgang Rauch und Manfred Kleidorfer. „Wir müssen über die Grenzen der einzelnen Bereiche hinausdenken. Optimale Lösungen können nur gefunden werden, wenn die einzelnen Prozesse richtig verstanden, Zusammenhänge erkannt und die Konsequenzen für den gesamten städtischen Wasserzyklus erfasst werden.“


Rückfragehinweis
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Rauch
Institut für Infrastruktur, Arbeitsbereich Umwelttechnik
Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 507-62100
E-Mail: wolfgang.rauch@uibk.ac.at

DI Dr. Manfred Kleidorfer
Institut für Infrastruktur, Arbeitsbereich Umwelttechnik
Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 507-62134
E-Mail: manfred.kleidorfer@uibk.ac.at
Web: http://www.uibk.ac.at/umwelttechnik/

Weitere Informationen:

http://www.dx.doi.org/10.1126/science.1257988 Publikation: Replace contamination, not the pipes. Wolfgang Rauch, and Manfred Kleidorfer. Science 345 (15. August 2014). DOI: 10.1126/science.1257988

Dr. Christian Flatz | Universität Innsbruck

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE