Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Falscher Schutz für Schildkröten- Eingeschleppte Tiere wurden als „stark bedroht“ eingestuft

11.10.2012
Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden haben Schildkrötenarten auf den Seychellen untersucht und kommen zu dem Schluss, dass eine auf den Inseln als „besonders gefährdet“ eingestufte Art von Menschen eingeschleppt wurde.

Dies kann weitreichende Auswirkungen auf die bisherigen Schutzkonzepte des Inselstaates haben. Die zugehörige Studie wurde heute im Fachjournal „Organisms Diversity & Evolution“ veröffentlicht.


Unnötig geschützt: Die Schildkröte Pelusios subniger. © James Harvey

Schildkröten der Gattung Pelusios schützen sich vor Feinden, indem sie – anders als ihre Verwandten – ihren Kopf seitlich unter den Panzer legen und den Vorderteil des Panzers zuklappen.

Auch die auf den Seychellen beheimatete Art Pelusios subniger gehört zu diesen “Klappbrust-Schildkröten“ – doch auch von anderer Seite erfahren die Tiere einen besonderen Schutz: Aufgrund ihrer großen Seltenheit wurden sie als vom Aussterben bedrohte Tierart klassifiziert und genießen höchste Schutzpriorität.

„Zu Unrecht“, meint Professor Uwe Fritz, Leiter des Museums für Tierkunde an den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden. „Unsere neuesten Untersuchungen zeigen, dass es sich bei diesen Schildkröten nicht – wie bisher angenommen – um eine eigenständige Unterart handelt. Vielmehr wurden sie vom Menschen eingeführt und genetisch identische Artgenossen kommen im südöstlichen Afrika häufig vor.“

Die Dresdner Wissenschaftler haben anhand von Erbgutanalysen die Seychellen-Schildkröten mit Exemplaren aus Afrika verglichen. „Dabei haben wir gemerkt, dass sich die Tiere des Inselstaates in ihrer DNA gar nicht von den Verwandten aus Südafrika und Mozambique unterscheiden“, erklärt Fritz. „Aufgrund der langen eigenständigen Geschichte der Seychellen wäre aber genau dies bei einer natürlich dort vorkommenden Art zu erwarten.“

Die Seychellen wurden vor etwa 60 Millionen Jahren vom damaligen Großkontinent Gondwana abgespalten und hatten seitdem keine Verbindung zum afrikanischen Kontinent – genug Zeit, um eigenständige Arten oder zumindest sehr verschiedene genetische Linien auszubilden.

Die Ergebnisse von Fritz und seinen Kollegen lassen vermuten, dass die Tiere stattdessen von Menschen auf die Seychellen eingeschleppt wurden. In Südafrika und Mozambique ist Pelusios subniger bis heute eine häufige Art.

„Aus unserer Sicht ist es viel wichtiger, endemische, wirklich nur auf den Seychellen heimische Tierarten zu schützen und das knappe für den Artenschutz vorhandene Geld dafür zu verwenden. Die Schutzkonzepte für Schildkröten auf den Seychellen müssen deshalb nach unseren Ergebnissen gründlich überarbeitet werden“, sagt der Dresdner Biologe. „Unsere Untersuchungen zeigen beispielhaft, warum wir gute Taxonomen mit einem breiten Methodenspektrum brauchen und zu was eine falsche Systematik führen kann.“

In diesem Fall zu Schutzmaßnahmen für eine Schildkrötenart, die es eigentlich überhaupt nicht nötig hat.

Kontakt
Prof. Dr. Uwe Fritz
Senckenberg Naturhistorische
Sammlungen Dresden
Tel. 0351 - 795841 4326
Uwe.Fritz@senckenberg.de
Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
judith.joerdens@senckenberg.de
Publikation
Uwe Fritz, William R. Branch, Philip-Sebastian Gehring, James Harvey,Carolin Kindler, Leon Meyer, Louis Du Preez, Pavel Široký, et al. (2012): Weak divergence among African, Malagasy and Seychellois hinged terrapins (Pelusios castanoides, P. subniger) and evidence for human-mediated oversea dispersal. Organisms Diversity & Evolution. DOI:10.1007/s13127-012-0113-3, http://www.springerlink.com/content/2627q81556562l07/

Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben – dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Judith Jördens | Senckenberg
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Gebietsfremde Arten weltweit auf dem Vormarsch
15.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten