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Vom Entsorger zum Versorger: Biokunststoffe und Kunststoffabfälle tragen zur Ressourceneffizienz bei

26.09.2008
"Wenn man in die Zukunft blickt, genügt ein Blick auf die Verwertung am Ende der Nutzungsdauer der Kunststoffe alleine nicht, wir müssen uns auch deren Anfang und Lebenszeit anschauen," so eröffnete Prof. Eckhard Weidner, Institutsleiter des Fraunhofer UMSICHT, Oberhausen den Kongress "Zukunft Kunststoffverwertung 2008".

Kunststoffe, die aus fossilen Rohstoffen hocheffizient hergestellt wurden, erlauben besonders ressourcen- und energieschonende Produkte, die am Lebensende zu gesuchten Sekundärrohstoffen werden - all dies trage signifikant zum Klimaschutz bei, ergänzte Hermann Krähling in seinem Eröffnungsstatement für die Beteiligungs- und Kunststoffverwertungsgesellschaft mbH (BKV).

Neben den klassischen Kunststoffen ging es erstmals beim Kongress, den Fraunhofer UMSICHT und BKV am 11. und 12. September in Krefeld veranstalteten, auch um Biokunststoffe, die derzeit stark im öffentlichen Interesse stehen, mit unter einem Prozent Marktanteil jedoch noch wenig Einfluss nehmen. Angesichts der sich zuspitzenden Rohstoffsituation werden den biobasierten Kunststoffen hohe Wachstumsraten vorhergesagt, während die Eigenschaft der Bioabbaubarkeit immer weniger im Zentrum des Forschungsinteresses stehe. Zusammenfassend stellte Weidner fest, dass die hohe Effizienz der Kunststoffverwertung in Deutschland sich auch im veränderten Selbstverständnis der Marktakteure widerspiegelt: Sie sehen sich nicht mehr als Entsorger von Abfällen, sondern als Versorger mit Rohstoffen.

Ihren größten Beitrag zur Ressourceneffizienz leisten Kunststoffe allerdings dann, wenn sie als Produkte im Gebrauch sind, betonte Willy Hoven-Nievelstein, BASF-Manager und Beiratsvorsitzender der BKV-Beteiligung tecpol Technologieentwicklungs GmbH für ökoeffiziente Polymerverwertung im Eröffnungsvortrag. Um an ihrem Lebensende weitere Material- und Energieeinsparungen zu erreichen, sei ein marktgetriebener Mix aus stofflicher und energetischer Verwertung am ökoeffizientesten, wie eine von tecpol 2007 publizierte Studie belege. Europaweit sei entscheidend, mithilfe eines "Divert-from-Landfill"-Konzepts die Deponierung heizwertreicher Abfälle einzudämmen. Unterstützung für diese Forderung fand der Vertreter des weltweit größten Chemiekonzerns von den Marktforschern Holger Alwast (Prognos, Berlin) und Christoph Lindner (Consultic, Alzenau), die das in Europa noch ungenutzte Potenzial für eine den Klimaschutz signifikant fördernde Verwertung aufzeigten.

Alwast sprach sich darüber hinaus für mehr Freiraum für Marktdynamik und mehr Nutzung der energetischen Verwertungsoption aus. Der Blick auf die Zahlen zeige, dass in den Ländern, in denen mehr energetisch verwertet werde, auch die (werkstofflich) recycelte Menge steige. Laut Alba-Vorstand Axel Schweitzer, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Interseroh ist, entscheidet letztlich der Markt über die Verwertungsoption, auch wenn Interseroh den Schwerpunkt auf die stoffliche Verwertung legt, um möglichst attraktive Produktpreise zu erzielen.

Biokunststoffe, einer der Themenscherpunkte der Tagung, können ebenfalls zu mehr Ressourceneffizienz beitragen, spielen aber mit unter einem Prozent Marktanteil noch keine wesentliche Rolle. Wie ökoeffizient ein Biokunststoff sei, sei noch kaum ökobilanziell belegt und könne letztlich nur eine konkret produktbezogene Lebensweganalyse zeigen, wie die Beiträge und Diskussionen der Referenten deutlich machten. Bioabbaubare Kunststoffe, die aus fossilen oder aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sein können, werden nach Einschätzung der Experten künftig nur in bestimmten Nischenmärkten eine Rolle spielen, während Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen an Bedeutung zunehmen werden.

Zahlreiche Präsentationen zu konkreten Problemstellungen und Trends in der Kunststoffverwertung gaben den Vertretern aus Entsorgungs- und Kunststoffindustrie im Publikum Hinweise für die alltägliche Praxis. Ein Blick ins niederländische Nachbarland vermittelte einen Einblick in die Wirkungsweise der unlängst eingeführten Verpackungssteuer, doch stehen die Niederländer nach Darstellung des Vertreters der für die Rücknahme und Wiederverwertung zuständigen Organisation Nedvang, Joris van der Meulen, bei der Umsetzung noch ganz am Anfang.

Eines sei in der Tagung sehr deutlich geworden, betonte Weidner in seinem Schlusswort: Abfälle seien zu Rohstoffen und damit Entsorger in ihrem Selbstverständnis zu Versorgern geworden. Es sei nun Aufgabe aller, diesen Wandel in der Öffentlichkeit publik zu machen und in der Politik die notwendigen Anpassungen der Rahmensetzungen einzufordern.

Iris Kumpmann | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.umsicht.fraunhofer.de/

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