Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brennpunkte des Klimawandels in Afrika: Unsicherheiten nutzbar machen

06.05.2014

Wo mehrere Folgen des Klimawandels zeitgleich spürbar werden – Dürren oder Überflutungen, Missernten oder Schäden in Ökosystemen – entstehen in bestimmten Teilen Afrikas Brennpunkte des Risikos.

Erstmals konnten diese dort jetzt dingfest gemacht werden, in einer Studie von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Unsicherheiten bei der Abschätzung lassen sich dabei für Entwicklungsstrategien dieser Länder nutzbar machen, so die Forscher. Die Wahrscheinlichkeit von Klimafolgen und deren mögliche Schadenshöhe können miteinander abgewogen werden, um über Anpassungsmaßnahmen zu entscheiden.

„Drei Regionen sind in Afrika schon in ein paar Jahrzehnten erheblich gefährdet: Teile der Nachbarstaaten Sudan und Äthiopien, die Länder rund um den Victoria-See, und der südwestliche Teil des Kontinents mit Teilen Südafrikas, Mosambiks und Simbabwes“, sagt Leit-Autor Christoph Müller. Sie werden den Berechnungen zufolge verstärkt Trockenzeiten erleben, verringertes Pflanzenwachstum, und nahe dem Victoria-See auch Überschwemmungen.

***Wo die Folgen schmerzen – und wo nicht***

In diesen Regionen Afrikas unterhalb der Sahara trifft eine Kombination von hoher Wahrscheinlichkeit und potenziell starken Folgen des Klimawandels vergleichsweise dicht bevölkerte Gebiete mit hohen Armutsraten. Genau hierauf haben die Forscher ihr Augenmerk gerichtet. „Wir versuchen die Orte zu ermitteln, wo der Klimawandel am meisten schmerzt“, so Müller.

„Die gute Nachricht ist, dass große Länder wie Nigeria und der tropische Regenwald in der Kongo-Region wahrscheinlich weit weniger betroffen sind“, hebt Müller hervor. Zwar ist der Klimawandel natürlich eine globale Herausforderung, weil Treibhausgase aus der Nutzung fossiler Brennstoffe weltweit Ökosysteme stören, aber die Folgen sind in Zeit und Raum sehr unterschiedlich verteilt. Bislang haben die meisten Studien nur einzelne Aspekte der Klimawandelfolgen thematisiert, obwohl gerade das gleichzeitige Eintreten mehrerer Klimafolgen die Verwundbarkeit erhöht. Daher ist es so wichtig, mögliche Brennpunkte zu aufzuspüren – und eine Metrik zu entwickeln, die ausdrücklich Unsicherheiten aufgreift.

***Management von Risiken, um Anpassung zu planen***

„Es geht hier um Risiken“, sagt Hermann Lotze-Campen, Leiter des PIK-Forschungsbereichs Klimawirkung und Vulnerabilität. „Wir müssen mit Unsicherheiten leben: Perfekte Daten über die zukünftigen Folgen des Klimawandels haben wir schlicht nicht. Aber Computersimulationen können uns helfen, Wahrscheinlichkeiten und Intensität der Klimafolgen besser zu verstehen. Und die globale Erwärmung ist ganz klar eine Bedrohung der Lebensgrundlagen vieler Menschen und kann daher nicht ignoriert werden. Daher müssen wir heute Entscheidungen treffen, auf der Grundlage von Wahrscheinlichkeiten und den auf dem Spiel stehenden Werten – so wie wir das immer tun, ob beim Bau von Deichen oder auch beim Erlassen von Regeln für sicheren Flugverkehr.“

Wahrscheinliche Folgen, so wie häufigere intensive Trockenzeiten im südlichen Sahel verlangen eindeutig danach, Bewältigungsstrategien für Bauern und Hirten zu entwickeln, auch wenn die Stärke der Veränderung noch unsicher ist. Nur mäßig wahrscheinlich sind hingegen Überschwemmungen in Ostafrika, aber diese haben möglicherweise sehr schwere Auswirkungen – besonders in Ländern wie Tansania, die bereits heute unter Überflutungen leiden. All dies muss von Fall zu Fall bewertet werden, um die Optionen für eine Erhöhung der Widerstandsfähigkeit ebenso abzuschätzen wie mögliche Schäden.

Anpassungsmaßnahmen können ganz verschieden aussehen: vom verbesserten Zugang zu internationalen Agrarmärkten, um zum Beispiel Vieh vor Trockenzeiten zu verkaufen, bis zu unterirdischen Speichern für Regenwasser oder Versicherungssystemen, die einen Ausgleich schaffen können für von einem Jahr zum anderen stark schwankende Ernten. „Die vorliegende Studie bietet den Menschen in den Regionen Informationen, die diese dann hoffentlich für ihre Entscheidungen nutzen können“, so Lotze-Campen. „Eine kontinentweite Szenarien-Analyse kann nie eine Blaupause für Anpassung sein, weil ihr natürlich die örtliche Expertise fehlt. Aber sie kann helfen zu entscheiden, wo in den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Ländern die begrenzten Ressourcen am Besten eingesetzt werden.“

Artikel: Müller, C., Waha, K., Bondeau, A., Heinke, J. (2014): Hotspots of climate change impacts in sub-Saharan Africa and implications for adaptation and development. Global Change Biology (online) [DOI:10.1111/gcb.12586]

Weblink zum Artikel: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/gcb.12586/abstract

Verwandte Veröffentlichung: Piontek, F., Müller, C., Pugh, T.A.M, et al. (2013): Multisectoral climate impacts in a warming world. Proceedings of the National Academy of Sciences (early online edition) [DOI:10.1073/pnas.1222471110]

Weblink zu der verwandten Veröffentlichung: www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1222471110

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima

Weitere Informationen:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/gcb.12586/abstract (Weblink zum Artikel)

Jonas Viering | PIK Potsdam

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE