Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Triste Situation für leer gefischte Ozeane

19.09.2007
Greenpeace-Report: Einziger Weg sind große marine Schutzgebiete

Der einzige Weg, die Weltmeere aus der Krise zu holen, ist die Schaffung von großen "Nationalparks für die Ozeane", lautet die Kernaussage des heute, Mittwoch, von Greenpeace und dem Worldwatch Institute veröffentlichten Reports "Oceans in Peril: Protecting Marine Biodiversity".

"Im Grunde genommen ist das nichts Neues, allerdings hat sich die Lage in den vergangenen Jahren immer weiter zugespitzt", so die Meeresbiologin Antje Helms von Greenpeace-Österreich, im pressetext-Interview. Der vorliegende Bericht wurde von denselben Greenpeace-Meeresexperten verfasst, die bereits 1998 eine ähnliche Bestandsaufnahme erarbeitet hatten. "Das erschreckende Resümee ist, dass in der vergangenen Dekade Ausmaß und Geschwindigkeit der Zerstörung rasant zugenommen haben", subsumiert Helms. Zu den offensichtlichsten Gefahren zählen die massive Überfischung, die Einleitung von Dauergiften sowie der Walfang. Neue Gefahren sind die Konsequenzen des Klimawandels und die zunehmende Versauerung der Meere durch den Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre.

Die bisher geschaffenen Schutzgebiete - wie jüngst erst jenes rund um Hawaii - sind bei weitem nicht ausreichend, meinen die Experten. "Im Prinzip müssten 40 Prozent der Meeresflächen solche Schutzzonen werden, damit sich die Fischbestände erholen können", meint Helms. Der Rest der Meere sollte kontrolliert nachhaltig befischt werden. "Von einer solchen Regelung würde die Fischerei am meisten profitieren, denn die Bestände der kommerziell genutzten Fische würden auch außerhalb der großflächigen Schutzzonen rasch zunehmen", gibt sich Helms überzeugt. Das gewährleiste der "Überlauf-Effekt" (Spillover), der in bestehenden Schutzgebieten dafür sorgt, dass Fischer außerhalb der Sperrzonen bereits nach kurzer Zeit weitaus mehr Fisch fangen als noch zuvor. "Wenn solche Schutzzonen nicht eingerichtet werden, droht in zehn bis 20 Jahren der totale Kollaps." Aktuelle Studien zeigen, dass 90 Prozent des Bestandes an Raubfischen wie etwa Tun, Schwertfische und Haie bereits aus den Meeren verschwunden sind. 76 Prozent der weltweiten Fischbestände sind überfischt, 366 von 1.519 Fischereien weltweit zusammengebrochen. 2005 wurden 158 Mio. Tonnen Fisch aus den Weltmeeren geholt. Das sind sieben Mal so viele wie noch 1950.

Immer noch weit verbreitet auf den Weltmeeren ist die illegale Fischerei, die zum Teil mit verbotenen Methoden wie etwa mit Treibnetzen oder auch ohne Logbücher zu führen, fischen. "Die Kontrolle in vielen Gebieten der Erde ist immer noch mangelhaft", so Helms. Trotz des Verbots von Treibnetzen seit 1998 wird diese Methode immer noch angewandt. "Verheerend ist die Menge des Beifangs in solchen bis zu 100 Kilometer langen Netzen", erklärt Helms. "Ganz besonders die kleinen Nationen, die vom Fischfang leben, leiden unter dieser Situation." Das größte Problem sind jene Regionen, die zwischen den Hoheitsgewässern mehrerer Staaten liegen. "Experten bezeichnen diese als Donut-Holes. Dort flüchten sich illegale Fischkutter und Trawler hinein und sind nicht mehr kontrollierbar", so Helms. Es sei skandalös, dass jene Nationen, die vom Meer leben, nun Dosenfisch kaufen müssen, weil ihre Gewässer leergefischt wurden.

"Drei Viertel der Erde sind von Meeren bedeckt und drei Viertel der Menschheit leben in Abhängigkeit von Küstengebieten. Wir sind den Meeres-Ressourcen gegenüber also in sehr hohem Maß verpflichtet und bringen sie dennoch über die Grenzen der Belastbarkeit hinaus in Gefahr", meint Helms abschließend im pressetext-Interview. Ein zentraler Baustein im Krisenmanagement für die Meere kann demnach nur aus einem weltweiten Netzwerk von Meeres-Nationalparks bestehen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.greenpeace.org
http://www.worldwatch.org
http://www.greenpeace.at

Weitere Berichte zu: Fischerei Schutzgebiet Schutzzone Triste Weltmeer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie