Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Saurer Regen zerstört Meere

05.09.2007
CO2, Stickstoff und Schwefel setzen den Ozeanen zu

Es ist nicht nur das CO2, das dafür sorgt, dass die Meere immer saurer werden. Ganz massiv beeinträchtigen auch Stickstoff und Schwefel, die mit Abgasen in die Luft gelangen, die Ozeane. Zu diesem Schluss kommt der Ozeanograph Scott Doney von der Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts im Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS). Diesen Effekt hätten Forscher bis jetzt vernachlässigt, meint der Experte.

Es ist bekannt, dass mit dem steigenden CO2-Gehalt der pH-Wert der Ozeane bis zum Ende des Jahrhunderts von heute 8,2 auf etwa 7,8 sinken wird. Alleine schon diese Tatsache wird sich auf die ohnehin bedrohten Korallenriffe und das Plankton auswirken. Die bisher vernachlässigte Wirkung von Stickstoffen und Schwefel aus der Atmosphäre fußt auf der Annahme, dass der saure Regen durch die Größe der Meere gepuffert wird und damit die Ozeane belastbar für diesen Effekt macht. Durch das menschliche Zutun werden jährlich sechs Teramol reaktiver Stickstoff und zwei Teramol Schwefel in die Atmosphäre gebracht. Im Vergleich dazu verursacht der Mensch jährlich 700 Teramol CO2. "Geht man von diesen Zahlen aus, dann kann man sich vorstellen, dass die Versauerung durch CO2 100mal stärker ist als jene durch Stickstoffe und Schwefel zusammen", meint der Geochemiker Ken Caldeira von der Stanford University in Kalifornien.

Als Doney mit seinem Forscherteam die Folgen von Stickstoff und Schwefel auf den pH-Wert der Meere modellierte, kam er zum Schluss, dass global betrachtet die beiden Substanzen nur einen geringen Einfluss auf die Versauerung der Meere hatten. Allerdings gebe es manche Regionen, in denen Schwefel und Stickstoff massive Auswirkungen haben. "Auf der globalen Ebene ist die Bedeutung von Schwefel und Stickstoff klein", so Doney. "Untersucht man einzelne Gebiete allerdings genauer, ergibt sich ein anderes Bild." Am stärksten betroffen sind demnach jene Regionen, die in der Nähe großer Verschmutzungsherde liegen, da beide Schadstoffe in kürzester Zeit - meist innerhalb weniger Tage bis maximal einer Woche - abregnen. Ozeanographen bestätigen die Folgen von Luftverschmutzung auf küstennahe Gewässer, sind allerdings von den Effekten überrascht.

... mehr zu:
»CO2 »Ozean »Schwefel »Stickstoff

Der Biogeochemiker Ulf Riebesell vom Leibniz Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) zeigt sich auch überrascht von den Ergebnissen. Er geht davon aus, dass physikalische und biologische Effekte die Säure umschichten würden. "Stickstoff sorgt etwa dafür, dass das Planktonwachstum stimuliert wird. Das bringt wiederum mit sich, dass die Konzentration von gelöstem anorganischem Kohlenstoff gesenkt wird. Das macht das Wasser basisch", so der Wissenschaftler. Aber Doneys Modell weist nach, dass trotz dieser Effekte ein doch großer Beitrag zur Übersäuerung der Ozeane entsteht.

Obwohl Schwefel und Stickstoff einen dramatischen Beitrag zur Übersäuerung von küstennahen Gewässern liefern, bleiben sie im gesamten Bild ein geringer Beitrag, meint Caldeira. Es gebe genügend Gründe dafür, diese beiden Substanzen dramatisch zu reduzieren. "Wenn uns das Thema übersäuerte Ozeane aber tatsächlich ein Anliegen ist, dann müssen wir wesentlich härter daran arbeiten, CO2 zu reduzieren. "Das muss radikal und vor allem sehr schnell geschehen", so der Forscher.

Weitere Informationen: http://www.ocean-acidification.net

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.whoi.edu
http://www.stanford.edu
http://www.ifm-geomar.de

Weitere Berichte zu: CO2 Ozean Schwefel Stickstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index
21.08.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen