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Zum Schutz der Umwelt verlegt Bergwacht Flugtraining in die Halle

28.08.2007
Wenn's lebensgefährlich wird, ist sie da. 12.000mal im Jahr. Und weil es in den Bergen oft unwegsam ist, benötigt die Bergwacht Bayern Hubschrauber. Doch die Einsätze sind schwierig und wollen geübt sein. Die Trainingsflüge allerdings verstören mit ihrem Lärm Wild und Wanderer und pusten pro Jahr 3.000 Tonnen klimaschädigendes Kohlendioxid in die Luft. Das soll sich ändern.

Mit 500.000 Euro unterstützt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) den Bau eines Simulationszentrums für die Berg- und Luftrettung in Bad Tölz, das rund 3.300 Trainingsflugstunden in der Natur einsparen und in die Halle verlegen soll. DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde überreichte heute dem Vorsitzenden der Bergwacht Bayern, Landtagspräsident Alois Glück, die Bewilligung der Fördermittel. Brickwedde: "Es bestehen gute Chancen, dass Bad Tölz zum Modell für andere Bundesländer und Nachbarstaaten wird - mit erheblichen Entlastungen für Umwelt und Natur."

Gegenwärtig würden in Bayern jährlich an rund 100 Tagen mit einem Hubschrauber Rettungsaktionen trainiert, erläuterte Brickwedde. Mit den An- und Abflugzeiten führe dies zu etwa 450 Flugstunden, in denen etwa 160.000 Kilogramm Kerosin verbrannt und die Umwelt durch starken Lärm von bis zu 70 Dezibel in 300 Metern Entfernung belastet würden. Um die Maßnahmen im erforderlichen Umfang trainieren zu können, seien je Einsatzkraft und Hubschraubertyp jährlich etwa 30 Flugminuten notwendig. Das bedeute, dass alleine für die Durchführung der Bergrettung jährlich etwa 3.500 Einsatzkräfte an zwei bis drei verschiedenen Hubschraubern trainiert werden müssten.

Bei 3.300 Flugstunden pro Jahr ergebe das eine Einsparung von annähernd 3.000 Tonnen Kohlendioxid, ein Wert, für den 30.000 Kühlschränke ein Jahr lang betrieben werden könnten. Mit der neuen Simulationsanlage sei davon auszugehen, dass nur noch etwa 250 Flugstunden im "echten" Einsatzgelände erforderlich seien. Das bedeute, dass nur etwa 7,5 Prozent der erforderlichen Flugstunden mit einer Belastung der Umwelt verbunden seien. Glück: "Die komplette Entwicklung und der Bau des Simulationszentrums sowie der fünfjährige Betrieb sind nicht teurer als die 3.300 Flugstunden, die jährlich eingespart werden."

In der 25 mal 60 Meter großen und 20 Meter hohen Halle soll mit einem krangestützten Simulator der Anflug an die Unfallstelle, das Abseilen mehrerer Personen vom Hubschrauber und die Aufnahme von Verletzten und Rettungspersonal in den Hubschrauber, die Rettung aus einer Felswand, einer Seilbahn oder einem Wasserfall geübt werden - auch unter Tag- und Nachtbedingungen, bei künstlichem Nebel, Niederschlag und Wind.

Da vergleichbare Anforderungen aber nicht nur bei der Bergrettung vorlägen, sondern überall dort, wo aus Hubschraubern Menschen abgeseilt oder wieder aufgenommen werden müssten, könne das Simulationszentrum neben den Einsatzkräften der Bergwacht Bayern auch alle anderen Rettungs- und Sicherheitsdienste trainieren. Brickwedde: "Ehrenamtler können zu jeder Tages- und Nachtzeit trainieren. Die Umwelt aber wird nur im zwingend erforderlichen Umfang durch Fluglärm und Abgase belastet. Die nachhaltige Bauweise und die Entwicklung eines Rohstoffe schonenden Energiekonzeptes des Zentrums wird die Belastung der Umwelt zusätzlich mindern."

Gegenstand des DBU-Förderprojektes ist die Simulationsanlage, so Brickwedde. Diese setze sich zusammen aus den Kranbahnen, dem spezialisierten Brückenkran, der Stromversorgung vom Transformator bis zur Kranbahn, der Geräteträger für die Hubschrauberzelle, der Steuerungssoftware und weiteren Spezialeinbauten. Die Gebäude selbst würden nicht von der DBU gefördert. Baubeginn soll im Herbst sein. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2008 geplant.

Franz-Georg Elpers | idw
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel26970_106.html

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