Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antilopen unter Druck

05.06.2007
Zunehmende Hitze führt zu fatalen Verhaltensänderungen

Der Klimawandel beschäftigt auch die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung. Innerhalb des BMBF-Projektes „Auseinandersetzung mit Klimawechsel und Habitatveränderung: Ökologie der Erhaltung bedrohter Huftierarten“ (2002–2006) haben die Wissenschaftler um Klaus Scheibe und Anne Berger vom IZW in Zusammenarbeit mit Prof. Owen-Smith und Tracy Robinson von der University of the Witwatersrand in Johannesburg untersucht, wie freilebende Huftiere in Europa und Afrika mit steigenden Temperaturen zurechtkommen.

In Europa können sowohl hohe Sommertemperaturen, besonders aber erhöhte Wintertemperaturen Probleme bereiten. So führten hohe Wintertemperaturen zu Störungen der Gewichtsentwicklung bei Przewalskipferden und zu Huferkrankung.*

In Südafrika bereiten zunehmende Hitze und Trockenheit im Sommer die wesentlichen Probleme. Es wird diskutiert, dass verschiedene Huftiere ihre Aktivität und Nahrungsaufnahme in die Nacht verlegen und dabei einem erhöhten Feinddruck ausgesetzt sind, der zum Aussterben ganzer Populationen führen kann. Verlagerungen von Aktivität und Nahrungsaufnahme in die kühleren Nachtstunden konnten bereits bei Przewalskipferden und Mufflons in heißen Sommern in einem Brandenburger Reservat gemessen werden. Dabei hatten sich die im IZW entwickelten Ethosys-Halsbänder bewährt. Die Geräte zeichnen über Monate und Jahre hinweg auf, wann Tiere ruhen und wann sie fressen. Die im Halsband gespeicherten Daten können per Funk ausgelesen werden. Es lag nahe, dieses Verfahren in Südafrika, zunächst in einem großen Reservat (Suikerbosrand bei Johannesburg) einzusetzen, um Änderungen von Aktivität und Nahrungsaufnahme langfristig auch dort zu verfolgen.

„Wir hatten in der afrikanischen Landschaft mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, vor allem die größeren Entfernungen zwischen Sender und Empfänger machten uns zu schaffen.“ berichtet Anne Berger. Doch es zeigte sich ein Trend: Die steigende Hitze tagsüber führt dazu, dass die Blesbok-Antilopen eher in den Abend- und Nachtstunden äsen. Damit aber würden sie mit einem Mal leichte Beute für ihre Fressfeinde.

Anne Berger: „Die Beutegreifer sind nachts gegenüber den Antilopen im Vorteil. Während die Antilopen selbst durch ihre Fressgeräusche anschleichende Prädatoren schlechter hören, können Prädatoren ihrerseits die Beute dadurch besser orten. Die Antilopen sehen außerdem nachts die herannahenden Feinde nicht oder erst viel zu spät.“ Erste Ergebnisse bestätigen diese Theorie und sind Teil der Doktorarbeit von Tracy Robinson.

*Budras, K.-D.; Scheibe, K. M.; Patan, B.; Streich, W.J.; Kim, K. (2001): Laminitis in Przewalski horses kept in a semireserve. J. Vet. Sci. 2, 1-7.

Ansprechpartnerin:
Dr. Anne Berger, 030 / 51 68-606

Josef Zens | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: Antilopen Beute Hitze Huftiere Nahrungsaufnahme

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Gebietsfremde Arten weltweit auf dem Vormarsch
15.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Müllmenge in der arktischen Tiefsee steigt stark an
08.02.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung