Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwermetalle aus Bremsbelägen belasten Gewässer

14.02.2007
Das Fraunhofer ISI hat untersucht, wie Schwermetalle in die Umwelt gelangen. Fazit: Größte Schmutzquelle für Kupfer, Zink und Blei ist der Abrieb von Bremsbelägen und Reifen der Autos, auch von Gebäuden gelangen viele Schwermetalle in die Natur. Die Folge: An mehr als der Hälfte der Messstellen in den Gewässern ist die empfohlene maximale Konzentration deutlich überschritten.

Wer von Umweltverschmutzung durch Autos redet, meint meist die Abgase. Dabei sind die Fahrzeuge noch eine Quelle für weitere Schadstoffe, sagt das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe: Über den Abrieb von Bremsbelägen und Reifen gelangen jedes Jahr 932 Tonnen Kupfer, 2078 Tonnen Zink und 80 Tonnen Blei in die Umwelt.

Auch die Ausrüstung der Straßen und Autobahnen mit verzinkten Leitplanken oder Schilderbrücken sowie der Fahrbahnabrieb tragen zu den Belastungen bei. Der Straßenverkehr ist damit der größte Verschmutzer und hat die Industrie abgelöst, die in den letzten 15 Jahren ihre Emissionen von Schwermetallen erheblich gesenkt hat. Dass hier eine Zeitbombe tickt, zeigt der Blick auf die Wasserqualität: An mehr als der Hälfte der Messstellen in deutschen Gewässern sind die Grenzwerte für Kupfer und Zink überschritten - mit Folgen für empfindliche Tier- und Pflanzenarten.

Der Straßenverkehr trägt daran aber nicht die Alleinschuld, wie die Untersuchungen im Auftrag des Umweltbundesamtes zeigen. An Dächern und Fassaden von Gebäuden werden diese Metalle ebenfalls zunehmend verwendet, wegen der längeren Haltbarkeit, zum Beispiel von Regenrinnen, und wegen der leichten Verarbeitung. Aber auch aufgrund gestalterischer Überlegungen greifen Architekten heute gerne zu Kupfer- und Zinkverblendungen, was zur Folge hat, dass jedes Jahr von Gebäuden 85 Tonnen Kupfer, 682 Tonnen Zink und 25 Tonnen Blei in die Umwelt gelangen, der Löwenanteil davon über die Kanalisation in Flüsse und Seen.

"Dabei gibt es sinnvolle Alternativen", sagt Thomas Hillenbrand, Projektleiter am Fraunhofer ISI. Diese finden Bauherren und Architekten in einem Leitfaden des Umweltbundesamtes. Neben dem Verzicht auf große Metallflächen an Gebäuden listet der Leitfaden andere metallische Produkte auf wie verzinntes Kupferblech, beschichtetes Zinkblech oder Aluminium- und Edelstahlbleche, die deutlich geringere Korrosionsraten aufweisen. Auch Filtersysteme zur Behandlung des Dachablaufwassers helfen, die Schwermetallbelastung zu senken.

Dringenden Handlungsbedarf sieht Hillenbrand bei Bremsbelägen. Seit 2004 dürfen zwar keine bleihaltigen Bremsbeläge mehr hergestellt werden und auch Auswuchtgewichte aus Blei sind verboten, doch Kupfer ist in Bremsbelägen immer noch enthalten, obwohl das nicht mehr nötig wäre. Im Ersatzteilhandel gibt es bereits kupferfreie Beläge, die sich jedoch in der Erstausrüstung bei den Automobilherstellern noch nicht durchgesetzt haben.

Die Studie "Einträge von Kupfer, Zink und Blei in Gewässer und Böden - Analyse der Emissionspfade und möglicher Emissionsminderungsmaßnahmen" kann unter folgender Internet-Adresse heruntergeladen werden: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/2936.pdf

Kontakt:
Thomas Hillenbrand
Telefon: 0721 / 6809 - 119
E-Mail: thomas.hillenbrand @isi.fraunhofer.de
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht Marktpotenziale technischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinären Forschungsgruppen konzentrieren sich auf neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und nachhaltiges Wirtschaften sowie auf die Dynamik neuer Märkte und die Innovationspolitik.

Bernd Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/2936.pdf

Weitere Berichte zu: Blei Bremsbelägen Gewässer Reifen Schwermetall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Luftreiniger und Schmutzpumpe: der indische Monsun
15.06.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht 100 % Ökolandwirtschaft in Bhutan – ein realistisches Ziel?
15.06.2018 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics