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Tieren und Pflanzen Lebensraum über Ländergrenzen hinweg sichern

20.03.2006


Im Spessart soll ein länderübergreifendes Biotopverbundsystem entstehen. Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel und Unterfrankens Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer nahmen am heutigen Montag erste Ergebnisse des Biotopverbundprojekts Spessart in Augenschein. Mehr als 120 Gäste aus Naturschutz, Regionalentwicklung und Politik tauschten sich im Tagungszentrum Burg Rothen-fels aus. Ziel des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit fast 500.000 Euro geförderten Vorhabens sind verschiedene wirkungsvolle Arten- und Biotop-schutzmaßnahmen im Naturraum Spessart. Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde bezeichnete das Projekt als ein "in mehrfacher Hinsicht bemerkenswertes Vorha-ben".


Das Wappentier beider Spessart-Naturparke, der Schwarzspecht, lebt in den Eichen- und Buchenwäldern.



In diesem bundesweit beispielhaften, waldreichen und in weiten Teilen kaum zerschnitte-nen Mittelgebirgsraum sollen alle Anstrengungen unternommen werden, länderübergrei-fende Erfolge beim Schutz von Lebensräumen bedrohter Tier- und Pflanzenarten zu er-zielen. In der Trägerschaft des Projekts kooperieren die beiden Naturparkverwaltungen Naturpark Spessart e.V. (Bayern) und Zweckverband Naturpark Hessischer Spessart so-wie das Forschungsinstitut Senckenberg.



Nach knapp zehn Monaten Laufzeit ziehen die Projektbeteiligten eine positive Bilanz. Projektleiter Dr. Eckhard Jedicke: "Viele Aktivitäten konnten länderübergreifend angesto-ßen werden, wie z.B. die Entschärfung von gefährlichen Strommasten, die an verschie-denen Stellen im Spessart zu einer tödlichen Falle für Rotmilan, Uhu und Schwarzstorch geworden sind. Oder die Erhaltung von Alt- und Totholzinseln, die vielen Tier- und Pflan-zenarten als unverzichtbare Lebensräume dienen und den Spessart naturräumlich zu vernetzen helfen."

Das Forschungsinstitut Senckenberg liefert den wissenschaftlichen Unterbau für die Wei-terentwicklung des Projekts. In einem Zielartenkonzept beschreiben die Fachleute die verschiedenen Biotoptypen im Spessart und benennen die dort lebenden, als Indikatoren für den Zustand der Natur besonders aussagekräftigen Tier- und Pflanzenarten. Diese Zielarten helfen, für das Projekt die geplanten Maßnahmen noch besser abzuwägen.

Brickwedde stellte heraus, dass zum einen das Jedicke-Team mit unterschiedlichen Ver-waltungsebenen in Hessen und Bayern agiere, die verschiedene Interessenslagen verträ-ten und auch jeweils anders gelagerte Finanzierungsinstrumente im Naturschutz unter-hielten. Außerdem habe bisher eine systematische regionale und länderübergreifende Naturschutzstrategie gefehlt. Brickwedde: "Naturschutzmaßnahmen erfolgten bisher teils nach Beliebigkeit und Flächenverfügbarkeit. Eine hinreichend gesamträumliche Sicht im Sinne der Anforderungen eines Biotopverbunds gab es bisher nicht. Die Methode, dieses Defizit durch einen regionalen bis länderübergreifenden Biotopverbund zu beseitigen, kann durchaus auch auf die Bundesebene übertragen werden."

Für die Umsetzungsplanung schreiben die Beteiligten Kommunikation besonders groß: "Wir möchten kooperativen Naturschutz für die und mit den Menschen in der Region be-treiben, nicht gegen sie", so Jedicke. Daher organisiert Projektmanagerin Anja Sorges "runde Tische" zu Fachthemen - so zum Bibermanagement, zum Rotwild und zur Um-weltbildung. "Besonders wichtig ist uns der starke Integrationscharakter bei diesem Pro-jekt", erklärt Sorges. So seien die ersten Maßnahmen auf Grund von Meldungen des Handlungsbedarfs unmittelbar aus der Region in Angriff genommen worden. Dieser zu-nächst aufwändige Arbeitsansatz habe zu einer wesentlich höheren Wertschätzung der Maßnahmen vor Ort geführt. Das Projekt bringe Experten aus den verschiedenen Berei-chen des Naturschutzes an einen Tisch, um gemeinsame Strategien für Naturschutz-maßnahmen und Naturbildung zu entwickeln und das Bestmögliche für den Spessart zu erreichen.

Gleichzeitig sei eine offensive Öffentlichkeitsarbeit betrieben worden. Das Naturpark-Infozentrum in Gemünden ist einer der ersten Bausteine zu einem Informationsnetzwerk für und über den Spessart. Nächstes Element wird das Infozentrum des Naturparks Hessischer Spessart auf der Wegscheide bei Bad Orb sein.

Franz-Georg Elpers | idw
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

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