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Klimaschutz: Zögern wird teuer

16.03.2006


Unterlassener Klimaschutz könnte die Staaten über 10 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung kosten



Staaten, die jetzt mit dem Klimaschutz beginnen, müssen sich auch künftig nicht von Wohlstand und Wachstum verabschieden. Neue Modellrechnungen, die das Umweltbundesamt (UBA) und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf einem Workshop am 16. und 17. März in Potsdam vorstellen, zeigen: Es ist auch wirtschaftlich vertretbar, den globalen Ausstoß von Treibhausgasen bis Mitte des Jahrhunderts um 50 Prozent gegenüber 1990 zu senken und so den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dies ist notwendig, um den Klimawandel wirksam einzudämmen. Die Kosten dafür liegen bei durchschnittlich einem Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die ökonomischen Folgen eines ungebremsten Klimawandels hingegen, wären um ein Vielfaches höher: Es drohen Klimaschäden, die über 10 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung ausmachen könnten. "Wir werden die Folgen des Klimawandels nur abwenden, falls wir das 2 Grad-Ziel auch international festschreiben. Wir haben schon jetzt das Wissen, die Technik und das Können, um uns rasch und effektiv vor dem Klimawandel zu schützen. Jetzt heißt es: Schluss mit dem Zögern", so der Präsident des UBA, Prof. Dr. Andreas Troge.



Auf dem internationalen Workshop diskutieren Expertinnen und Experten zusammen mit Wirtschaftsvertretern und politischen Entscheidungsträgern neue Wirtschaftsszenarien. Die aktuellen Berechnungen zeigen: Bisherige Modelle unterschätzen häufig die großen Potentiale für Kostensenkungen als Folge des technischen Fortschritts. Je mehr Staaten schneller in den Klimaschutz investieren, desto stärker sinken die Kosten für bewährte und für neue Klimaschutztechniken. Anspruchsvolle Treibhausgasminderungen lassen sich also viel kostengünstiger verwirklichen, als bisher angenommen.

Dafür nötig ist allerdings Planungssicherheit für die weltweit anstehenden Investitionen - vor allem im Energiesektor. Die Investitionen brauchen vor allem einen internationalen rechtlichen Rahmen mit verbindlichen Minderungszielen für Treibhausgasemissionen. Das UBA teilt die Auffassung vieler Staaten, dass das Kyoto-Protokoll konsequent weiterzuentwickeln ist. Auch Länder, die derzeit keine verbindlichen Emissionsbegrenzungen haben, sollten - gestaffelt nach Treibhausgasemissionen und Einkommen pro Kopf der Bevölkerung - schrittweise beginnen, ihre Emissionen zu reduzieren. In den nächsten Jahrzehnten müssen die jährlichen Pro-Kopf-Emissionen weltweit auf unter zwei Tonnen Treibhausgase sinken. In Deutschland liegen die Emissionen derzeit bei etwa elf Tonnen pro Kopf; in den Vereinigten Staaten sind es circa 21 Tonnen.

Erfolgreiche Strategien im Klimaschutz können sich nicht nur auf einzelne Techniken stützen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops diskutierten den Beitrag unterschiedlicher Techniken zum langfristigen Klimaschutz. Nahezu alle Klimaschutzmodelle zeigen: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz werden weltweit eine tragende Rolle für den Klimaschutz spielen. Bei der Kernenergie sowie der Speicherung und Abscheidung von Kohlendioxid gehen die Vorstellungen der Modelle dagegen auseinander.

Da die Nutzung solcher Techniken in verschiedenen Regionen der Welt sehr unterschiedlich sein kann, wird sich die Analyse in Zukunft stärker auf einzelne Regionen oder Länder konzentrieren müssen. Einige der in Potsdam diskutierten Modelle liefern bereits erste Ergebnisse zu den wirtschaftlichen Konsequenzen regionaler oder lokaler Klimaschutzanstrengungen. Derartige Fragen soll ein Forschungsprojekt weiter vertiefen, das das PIK Potsdam derzeit für das UBA durchführt. Besonderes Augenmerk wird auf die notwenigen Investitionen und Finanzierungsmodelle für wichtige Weltregionen - wie China - gerichtet.

Weitere Informationen zur Zukunft des Klimaschutzes enthält die UBA-Studie "Die Zukunft in unseren Händen - 21 Thesen zur Klimaschutzpolitik des 21. Jahrhunderts und ihre Begründungen". Sie ist im Internet unter http://www.umweltbundesamt.de/klimaschutz erhältlich.

Martin Ittershagen | idw
Weitere Informationen:
http://www.umweltbundesamt.de/klimaschutz
http://www.umweltbundesamt.de

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