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Eisbären ertrinken in der Arktis

21.12.2005


Weiße Bären werden wegen Eisschmelze immer seltener

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Die Umweltveränderung in der Arktis macht sich immer stärker bemerkbar: Wie Forscher bei der 16. Konferenz der Biologie von Meeressäugern in San Diego berichten, gibt es sogar Berichte darüber, dass unter Eisbären Kannibalismus und Selbstmord herrscht. Experten meinen zwar, dass es zu früh sei, um diese Angaben zu bestätigen, räumen allerdings ein, dass sich die Lebenssituation der Säuger in den vergangenen Jahren dramatisch verändert hat, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature.

Meeresbiologen des US Minerals Management Service berichteten bei der Konferenz darüber, dass sie im Herbst vier ertrunkene Eisbären vor der Nordküste Alaskas entdeckt hatten. Die Wissenschaftler berichteten darüber hinaus, dass sie eine Vielzahl von Eisbären schwimmend im offenen Meer entdeckten. Manche von ihnen waren 95 Kilometer von der Küste entfernt. 20 Prozent der Eisbären dieser Region konnten die Forscher im September nur im eisfreien Wasser sichten. In den Jahren zuvor waren es lediglich vier Prozent.


"Natürlich sind die Eisbären von der Klimaerwärmung betroffen", meint Tonje Folkestad, Klimaexpertin vom WWF-Norwegen. "Wir können im Moment nicht bestätigen, dass Eisbären zunehmend wegen der Klimaveränderung ertrinken", meint die Expertin im pressetext-Interview. Es sei logisch, dass Eisbären im kalten Wasser schneller erschöpft sind und nach 80 Kilometern schwimmen leichter ertrinken können, als nach 20. Ein allgemeiner Trend zu ertrinkenden Eisbären sei derzeit aber nicht ableitbar, so Folkestad. Der Hinweis, dass das arktische Eis derzeit um etwa 10 Prozent in einer Dekade schmilzt, sei jedenfalls Besorgnis erregend, denn damit verschwindet auch der natürliche Lebensraum der Eisbären. "Die arktischen Sommertemperaturen liegen derzeit um zwei Grad Celsius höher als vor 50 Jahren. 1,3 Mio. Quadratkilometer Eisfläche sind allein in den vergangenen vier Jahren geschmolzen", so Folkestad.

Im Sommer haben Experten der International Conservation Society IUCN www.iucn.org gefordert, Eisbären unter Schutz zu stellen. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Die Wissenschaftler erwarten einen Rückgang der Eisbär-Populationen von 30 Prozent innerhalb der kommenden 35 bis 50 Jahre. Derzeit scheinen die Populationen noch relativ stabil zu sein. Allerdings werden die US Geological Survey und der Canadian Wildlife Service im kommenden Jahr eine aktuelle Studie über die Zahlen der Eisbären in der kanadischen Hudson Bay präsentieren. Seit 1987 ist dort die Zahl an Eisbären um 22 Prozent gefallen. Als dramatisch bezeichnet dies auch Folkestad. "Das ist die südlichste Eisbär-Population der Welt. Durch die immer kürzeren Eisperioden in der Bucht, wird der natürliche Lebenszyklus der Bären völlig durcheinander gebracht", erklärt Folkestad. Die Tiere ernähren sich nämlich nur, wenn sie am Eis sind und legen während der Sommermonate Fastenzeiten ein. "Es ist an zahlreichen Eisbären festgestellt worden, dass sie in den vergangenen Jahren deutlich an Körpergewicht verloren haben", meint Folkestad abschließend im pressetext-Gespräch.

Weltweit gibt es derzeit zwischen 20 und 25.000 Eisbären. Etwa 3.000 leben in der Region von Spitzbergen und der russischen Barent-See. An der Hudson Bay leben heute 935 Tiere. Am 15. Dezember haben drei Umweltgruppen die US-Regierung dazu aufgefordert, Eisbären als gefährdete Arten nach dem Endangered Species Act aufzunehmen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext .deutschland
Weitere Informationen:
http://www.nature.com
http://www.wwf.no
http://www.usgs.gov

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