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Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben: Stilllegung von Morsleben tritt in entscheidende Phase

13.09.2005


Das Verfahren zur Stilllegung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) geht in eine entscheidende Phase. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat heute die Planunterlagen zur Öffentlichkeitsbeteiligung für die endgültige Schließung des Endlagers dem Umweltministerium Sachsen-Anhalt als zuständiger Genehmigungsbehörde überreicht. "Damit leisten wir einen entscheidenden Beitrag für die endgültige Abwicklung dieser atomaren Altlast", sagte der Präsident des BfS, Wolfram König, heute in Berlin. Morsleben wäre das erste Endlager in tiefen geologischen Schichten weltweit, das nach den Anforderungen des Atomgesetzes stillgelegt wird.

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Im heute eingereichten "Plan zur Stilllegung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben" schildert das BfS detailliert sein Stilllegungskonzept. Dabei handelt es sich um eine hochkomplexe Aufgabe, die eine jahrelange Planung erforderte. Das ehemalige Bergwerk, das als Endlager für radioaktive Abfälle nach dem Atomgesetz nicht genehmigungsfähig wäre, ist von zahlreichen bergmännischen Hohlräumen durchlöchert. König: "Das Endlager soll so verschlossen werden, dass die dort lagernden radioaktiven Abfälle dauerhaft und sicher von der Umwelt isoliert sind. Dabei muss die vom Atomgesetz geforderte Vorsorge gegen Schäden gewährleistet sein. Bei einem alten Bergwerk zur Salzgewinnung wie Morsleben ist dies eine besondere Herausforderung". Dazu sollen weite Teile der unterirdischen Anlagen sowie die Schächte mit einer abdichtenden und stabilisierenden Spezialmischung verfüllt werden. Insgesamt sieht das Konzept eine Verfüllmenge von etwa vier Millionen Kubikmeter Salzbeton vor, bestehend aus feinkörnigem Salzmaterial, Filterasche, Zement und Wasser.

Der Plan stellt detailliert die geologische und radiologische Ausgangssituation, die geplanten Arbeiten beim Um- und Rückbau der Anlagen sowie die radiologischen Auswirkungen auf die Umwelt dar. "Unsere sicherheitstechnischen Betrachtungen berücksichtigen aber auch unterschiedliche Störfallszenarien, beispielsweise Brände, Erdbeben oder Hochwasser", so König weiter. Bei der Langzeitsicherheitsanalyse werden die möglichen Auswirkungen von dem verschlossenen Endlager auf zukünftige Generationen berechnet beziehungsweise abgeschätzt. Dazu stellt das BfS unterschiedliche klimatische, geologische und bergbauliche Szenarien dar.


Neben dem Plan hat das BfS außerdem eine Umweltverträglichkeitsstudie, in der alle Ergebnisse aus den Umweltuntersuchungen dargestellt und beurteilt werden, sowie eine Übersicht über verschiedene geprüfte Stilllegungsvarianten überreicht. Diese Unterlagen werden im Rahmen eines Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahrens öffentlich ausgelegt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger haben dann die Möglichkeit die Unterlagen einzusehen und gegebenenfalls ihre Einwände gegen das Vorhaben einzureichen.

Die Genehmigungsbehörde wird die vom BfS eingereichten Unterlagen jetzt prüfen und bewerten, ob die eingereichten Unterlagen aus ihrer Sicht für das Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren ausreichend sind. Die eigentliche Stilllegung des Endlagers nach dem Vorliegen des Planfeststellungsbeschlusses wird etwa 15 Jahre in Anspruch nehmen. Die Gesamtkosten werden voraussichtlich etwa zwei Milliarden Euro betragen und aus dem Bundeshaushalt finanziert. Die Betreiber von westdeutschen kerntechnischen Anlagen, von denen 1994 bis 1998 etwa 22.000 Kubikmeter der insgesamt 37.000 Kubikmeter eingelagert wurden, haben einen Kostenbeitrag von 0,15 Milliarden Euro durch Gebühren geleistet.

Hintergrundinformation:

Das ehemalige Kali- und Steinsalzbergwerk in Morsleben ist bislang das einzige atomrechtlich genehmigte Endlager für radioaktive Abfälle in Deutschland. Ausgewählt und genehmigt von den zuständigen DDR-Behörden, ging die Zuständigkeit nach der Wiedervereinigung auf den Bund über. Die Einlagerung in Morsleben wurde 1998 beendet, im April 2001 hat das BfS auf die Genehmigung zur Einlagerung von atomaren Abfällen unwiderruflich verzichtet.

Seit Oktober 2003 laufen im Zentralteil des ERAM sogenannte bergbauliche Gefahrenabwehrmaßnahmen. Dabei werden bis Ende des Jahrzehnts etwa 20 ausgewählte Grubenhohlräume, in denen keine radioaktiven Abfälle lagern, mit einer Mischung aus Zement, Salz und Steinkohlenfilterasche verfüllt.

Ghita Cleri | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfs.de

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