Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schweinemast auf ökologisch sanfteren Pfoten: Antibiotika endgültig vom Tisch?

27.07.2001


Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert neuartiges Flüssigfutterverfahren mit 800.000 Mark - Tiere werden gesundheitlich stabilisiert

Wenn sich in der Schweinemast in Deutschland das durchsetzt, was die Firma HOWEMA Gerätebau aus Visbek (Niedersachsen) entwickeln will, gehören für die Verbraucher auch die letzten Restrisiken bald der Vergangenheit an, sich durch den Verzehr von Schweinefleisch gegen Antibiotika zu immunisieren. Gleichwohl könnten die Landwirte bei der Mast die immer beliebtere Flüssigfütterung intensivieren - und dieselbe gesundheitliche Stabilisierung der Tiere erreichen, wie sie bisher nur durch das Beifüttern von Antibiotika erzielt wird. Mit 800.000 Mark fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, das Projekt, das Flüssigfutter hygienisch verbessern will. Es soll die Nahrung haltbar, für die Tiere verträglicher machen und eine Belastung mit schädlichen Mikroorganismen verhindern. Erst Ende der Vorwoche hatte Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutz-Ministerin Bärbel Höhn (Die Grünen) eine Bundesratsinitiative angekündigt, durch die Antibiotika in Futter ganz verboten werden sollen. 2005 ist deren europaweites Aus geplant.

Antibiotika in der Schweinemast seien erst Anfang des Jahres erneut in die Schlagzeilen geraten, erinnert DBU-Pressesprecher Franz-Georg Elpers in einer Pressemitteilung. Der häufige Einsatz von Medikamenten in der Mast könne zur Resistenzbildung gegen Antibiotika beitragen. So seien in einigen Fällen Erkrankungen mit Penicillin nicht mehr behandelbar gewesen. Deshalb müsse jede Chance genutzt werden, den Einsatz von Arzneimitteln bei der Mast zu verringern.

Eine zentrale Rolle spielten bei dem neuen Verfahren Milchsäurebakterien, die Bauern auf ihren Höfen selbst züchten und in das Futter mischen sollen. Das vorgesehene gezielte Animpfen dieser Bakterien ermögliche die kontrollierte und für die Schweine positive Vermehrung von Mikroorganismen im Flüssigfutter und mache eine vorbeugende Verfütterung von Antibiotika an die sehr krankheitsanfälligen Tiere etwa beim Zukauf von unterschiedlichen Höfen überflüssig.

Bisher habe sich der biologische Ansatz, unerwünschte und gleichzeitig unvermeidliche Mikroorganismen durch zugesetzte und für die Tiere gut verträgliche Bakterien unterdrücken zu wollen, wegen hoher Kosten nicht gelohnt. Gemeinsam mit ihren Partnern wolle die HOWEMA jetzt ein neues, preiswertes Verfahren entwickeln, das es den Landwirten ermögliche, die Bakterienkulturen direkt in ihrem Betrieb herzustellen, einzusetzen und damit die vorbeugende Anwendung von Antibiotika überflüssig zu machen.

Das von der DBU geförderte Verfahren packe das Problem an der Wurzel: Es unterdrücke die Keime, die zu vermehrten Krankheits- und Todesfällen bei Schweinen und damit auch zu einer vermehrten Anwendung von Antibiotika in der Schweinezucht geführt hätten. Zehn Millionen von 35 Millionen Schweinen in Deutschland würden bereits jetzt mit flüssigem Futter ernährt. "Die bei der Flüssigfütterung mögliche, genau dosierbare Futterzufuhr sowie die Verringerung der Staubbelastungen im Stall, die bei Trockenfutter auftritt, lässt immer mehr Bauern die Verwendung von flüssigem Futter bevorzugen", so Elpers. Die Nachteile dieser Fütterungsmethode lägen jedoch in der Kontrolle der Mikroorganismen, die sich in der Futtersuppe befinden könnten. Weniger Futteraufnahme, geringere Verwertung und gesteigerte Todesraten seien die Probleme, die diese Organismen auslösten und finanzielle Einbußen für die Betriebe bedeuten könnten.

Eine erfolgreiche Verbesserung des Futters könne sich auch positiv auf die Umweltbelastungen durch Schweinemastbetriebe auswirken. Neben einer gesundheitlichen Stabilisierung der Tiere, die der Wirkung antibiotischer Leistungsförderer entspräche, würde durch eine verbesserte Futterverwertung die Menge der tierischen Ausscheidungen (Gülle, Ammoniak) merklich gesenkt. "Die biologische Verbesserung des Futters und damit der Verzicht auf vorbeugende Verfütterung von Medikamenten bedeutet einen weiteren wichtigen Schritt hin zum natürlich erzeugten Lebensmittel", so Elpers.

Franz-Georg Elpers | ots

Weitere Berichte zu: Antibiotikum Mikroorganismus Schweinemast

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

Junge Physiologen Tagen in Jena

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

25.09.2017 | Messenachrichten

Fraunhofer ISE steigert Weltrekord für multikristalline Siliciumsolarzelle auf 22,3 Prozent

25.09.2017 | Energie und Elektrotechnik

Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte

25.09.2017 | Medizin Gesundheit