Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikroorganismen in Salzseen produzieren chlorhaltige Luftschadstoffe

08.02.2005


Mikroorganismen in Salzseen produzieren chlorhaltige Luftschadstoffe - Neuer natürlicher Faktor für Wüstenausbreitung entdeckt.


Salzsee in der Kalmückischen Steppe Südrusslands - Ludwig Weißflog / UFZ



Salzseen haben einen größeren Einfluss auf den Klimawandel als bisher angenommen. Das haben Wissenschaftler des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) gemeinsam mit Kollegen aus Österreich, Russland und Südafrika festgestellt. Dabei konnten sie nachweisen, dass Bakterien in Salzseen Substanzen produzieren, die als Treibhausgase wirken und die Ozonschicht zerstören. Es handelt sich dabei um so genannte leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW). Diese breiten sich weltweit über die Atmosphäre aus und schädigen auch die Vegetation.



Salzseen haben einen größeren Einfluss auf den Klimawandel als bisher angenommen. Das haben Wissenschaftler des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) gemeinsam mit Kollegen aus Österreich, Russland und Südafrika festgestellt. Dabei konnten sie nachweisen, dass Bakterien in Salzseen Substanzen produzieren, die als Treibhausgase wirken und die Ozonschicht zerstören. Es handelt sich dabei um so genannte leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW). Diese breiten sich weltweit über die Atmosphäre aus und schädigen auch die Vegetation.

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass die LHKWs fast ausschließlich durch industrielle Prozesse entstehen. Bei der Bilanzierung der Schadstoffströme im Süden Russlands wurde jedoch festgestellt, dass es neben industriellen auch natürliche Quellen geben muss. Darauf deuteten erhöhte Konzentrationen an LHKW-Abbauprodukten hin, die Wissenschaftler bereits vor einigen Jahren im Eis der Antarktis registrierten. Das untersuchte Eis ist über 250 Jahre alt und stammt aus einer Zeit, in der es noch keine Industrie gab. Auf der Suche nach natürlichen Quellen für die LHKWs konnte nun eine internationale Forschergruppe um Dr. Ludwig Weißflog vom UFZ erstmals die natürliche Bildung einiger dieser Verbindungen durch salzliebende Mik-roorganismen in Salzseen nachweisen.

Die für diese Prozesse verantwortlichen Arten gehören zu den ältesten und widerstandsfähigsten Lebewesen überhaupt. Die Bakterien überstehen problemlos Temperaturschwankungen von -25 bis +35 Grad Celsius. Auch Vakuum oder UV-Strahlung können sie nicht zerstören. Entscheidend für das Überleben dieser Bakterien ist die Konzentration an Salz und Wasser in ihrer Umgebung. Wird der Salzgehalt der Lösung stark verdünnt, dann sterben diese Mikroorganismen ab.

Wie wirken diese Schadstoffe auf die Vegetation?

Diese Luftschadstoffe verbreiten sich über die Atmosphäre innerhalb einiger Tage weltweit. Sie reichern sich in Pflanzen an und schädigen diese dann von innen heraus, indem sie den Schließmechanismus der Spaltöffnungen in den Blättern blockieren. Dadurch wird mehr Wasser verdunstet, der Wasserbedarf steigt und die Pflanzen können im Extremfall verdursten. Zwar gelangen die LHKWs aus den Salzseen schon seit langer Zeit in die Atmosphäre. Der prognostizierte Klimawandel verstärkt jedoch ihre schädigende Wirkung weiter.

Trockengebiete sind besonders betroffen, weil die Vegetation dort sensibler auf Luftschadstoffe reagiert. Letztendlich nimmt die Bodenerosion zu - Salzseen und Trockengebiete breiten sich aus. Schon jetzt wächst die Fläche der Steppengebiete allein im Süden Russlands jedes Jahr um 500 Quadratkilometer. Klimaprognosen rechnen damit, dass sich der eurasische Steppengürtel zwischen Österreich und China weiter ausdehnt. Aber auch Teile Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Sachsens müssen künftig mit zunehmender Trockenheit rechnen. Allein in den letzten 50 Jahren sind die Niederschläge in den Sommermonaten im Norden Sachsens um bis zu 25 Prozent zurückgegangen. Die bereits jetzt in der Atmosphäre befindlichen Schadstoffe werden durch den Klimawandel also künftig noch stärker wirken und so die klimarelevanten Prozesse beschleunigen. Kenntnisse über das Verhalten von Umweltschadstoffen bei veränderten Klimabedingungen sind eine wichtige Voraussetzung, um Strategien zur Eindämmung der Folgen des Klimawandels entwickeln zu können.

Die Untersuchungen der Salzseen in der Kalmückischen Steppe (Südrussland) und in der Kalahari-Wüste (Südafrika) wurden durch die EU, die Forschungsministerien Deutschlands und Südafrikas sowie durch die Russische Regierung unterstützt. Die Ergebnisse der Untersuchungen fließen in die praktische Umsetzung der UN-Konvention zum Kampf gegen die Wüstenausbreitung ein. Tilo Arnhold

Weitere Informationen über:
UFZ-Pressestelle, Doris Böhme
Telefon: 0341/235-2278
e-mail: doris.boehme@ufz.de

Doris Böhme | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de
http://www.ufz.de/index.php?de=5329
http://www.agu.org/pubs/crossref/2005/2004GL020807.shtml

Weitere Berichte zu: Bakterien Klimawandel LHKW Luftschadstoff Mikroorganismus Salzseen Vegetation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie