Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturschutz im Schneckentempo

28.06.2001


WWF-Zwischenbilanz: Deutschland tut zu wenig für die Rettung bedrohter Lebensräume

Frankfurt (ots) - Europa bleibt im Naturschutz weit hinter den selbst gesteckten Ansprüchen zurück. Zu diesem Ergebnis kommt der WWF in einer jetzt vorgelegten Zwischenbilanz zur Umsetzung der so genannten Flora & Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie. Bei dem internationalen Vergleich schnitt auch die Bundesrepublik, die sich sonst gern als "ÖkoPrimus" feiern lasse, schlecht ab und landete gemeinsam mit Spanien und Portugal auf dem drittletzten Platz.

Die EU-Staaten hatten sich mit der FFH Richtlinie 1992 das Ziel gesteckt, durch die Ausweisung von Schutzgebieten bedrohte Arten und Lebensräume besser zu schützen. Doch mit der Umsetzung des wichtigsten europäischen Naturschutzgesetzes hapere es nach Einschätzung des WWF in allen EU-Ländern. Gesetzte Fristen wurden nicht eingehalten. Die bei der Europäischen Kommission eingereichten Listen mit schützenswerten Gebieten seien unvollständig und Kürzungen aus wirtschaftlichen Gründen seien eingeflosssen. "Das verstößt gegen EU Recht. Wirtschaftliche Abwägungen dürfen erst nach Einrichtung der FFH Gebiete erfolgen. Dafür wurde Deutschland inzwischen eine Vertragsstrafe angedroht.", betont Alfred Schumm vom WWF.

In seiner Bilanz untersucht der WWF wie weit die einzelnen Mitgliedsstaaten mit ihren Bemühungen inzwischen gekommen sind. Bewertet wurden die Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht und ihre wirkungsvolle Anwendung zum Schutz bedrohter Arten. Die Ergebnisse flossen in ein imaginäres "30-Kilometer-Rennen zur Rettung der Natur" ein. Darin wird deutlich, dass die EU Staaten noch längst nicht auf der Zielgeraden sind. Selbst die Spitzenreiter Dänemark und Holland seien laut WWF "Einäugige unter Blinden" und haben erst etwa zwei Drittel der Strecke bewältigt (21 bzw. 20 km)."Die EU Länder betreiben Naturschutz im Schneckentempo", bemängelt Alfred Schumm vom WWF. Deutschland, Spanien, Portugal (je 13 km) und Griechenland (12 km) gehören bereits zu den Nachzüglern. Das Schlusslicht bildet Irland (8 Km).

Die Mängelliste des WWF ist lang: Alle Fristen zur Umsetzung der EU-Richtlinie wurden bislang überschritten: 1992 war die Richtlinie erlassen worden, bis 1994 sollte sie im nationalen Recht verankert sein. Die Mitgliedsstaaten hatten sich verpflichtet, eine Liste aller schützenswerten Gebiete bis 1995 einzureichen, 1998 sollte sie EU-weit vollendet sein. Kaum ein Land hat die Richtlinie bisher national umgesetzt. Nur wenige haben die Gebietsauswahl abgeschlossen und ihre Liste bei der Europäischen Kommission eingereicht.

Der WWF fordert vom belgischen Vorsitz der EU Kommission großen Einsatz, damit zumindest die per FFH-Richtlinie geschützten Gebiete komplett werden. Nach der Richtlinie gelten insgesamt 700 bedrohte Tier- und Pflanzenarten sowie 168 Lebensräume Europas als besonders schützenswert.

Alfred Schumm | ots

Weitere Berichte zu: FFH Naturschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften