Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bakterien und Pflanzen im Kampf gegen "strahlenden" Bauschutt

25.07.2003


Mikrobiologen-Team der Universität Jena will Material aus dem Rückbau von Kernreaktoren dekontaminieren


Prof. Kothe will die Phytoremediation mit Mikroorganismen vorantreiben.

Foto: Scheere/FSU-Fotozentrum



Große Wunden, wie sie beispielsweise der Uranbergbau in die Ostthüringer Landschaft geschlagen hat, heilen langsam. Welche Rolle Pflanzen und Mikroorganismen bei solchen Genesungsprozessen spielen können, wird an der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersucht. "Für das Szenario einer Heilung durch Pflanzen, Phytoremediation genannt, wurde bisher je nach Schadstoff ein Zeitraum von ca. 100 Jahren angesetzt", berichtet Prof. Dr. Erika Kothe. Die Mikrobiologin von der Universität Jena will diesen Prozess mit Hilfe spezieller Bakterien und Pilze beschleunigen. Anfang Juli startete ihr Forschungsprojekt "Untersuchungen zur Strahlenschutzvorsorge für radionuklid-belastetes Substrat: Mikrobieller Beitrag zur Bioakkumulation aus Bauschutt". Es wird vom Bundesforschungsministerium für drei Jahre mit 600.000 Euro aus den Mitteln für den Rückbau kerntechnischer Anlagen gefördert.

... mehr zu:
»Bakterien »Bauschutt »Rückbau


Das von Prof. Kothe vorgeschlagene Dekontaminationsverfahren wird zunächst an Bauschutt und Haldenmaterial aus dem Ostthüringer Uranerzbergbau erprobt. Das Material enthält Radionuklide wie Uran und Radium sowie Schwermetalle wie Nickel oder Cadmium, die in den umliegenden Boden ausgetragen werden und so in die Nahrungskette gelangen können. Das Team um Prof. Kothe will nun testen, welche Bakterien-, Pilz- und Pflanzengemeinschaften auf solchen schwach kontaminierten Böden wachsen. "Es geht darum, enthaltene Radionuklide und Schwermetalle zu binden", erklärt die Jenaer Expertin für Mikrobielle Phytopathologie. Die Pflanzen sollen sie quasi aus dem Boden "saugen".

Die "grünen Schwermetallsauger" stehen jedoch erst am Ende einer komplizierten Abreicherungskette. Bisher sei man allein von der Aufnahmeleistung der Pflanzen ausgegangen, so Kothe. "Die zusätzliche Aufnahme durch Einsatz einer speziellen, angepassten Mikroflora hat noch niemand bestimmt", erläutert sie ihren Forschungsansatz. Die Impfung des Bodens mit "kleinen Helfern" soll die Phytoremediation schneller und kontrollierter voranschreiten lassen. Denn schließlich will man nicht unbedingt 100 Jahre warten.

Potenzielle Helfer sind z. B. schwermetallresistente Bakterien, die Bodennährstoffe "mundgerecht" aufbereiten und Bodenpilze, so genannte Mykorrhiza, die in enger Symbiose mit den Pflanzenwurzeln wachsen. Kothe greift auf eigens gesammelte, sehr nickelresistente Bakterienstämme und Pilze zurück. Mit ihnen will sie den mit Kompost vermischten Wismut-Bauschutt "beleben". Zusätzlich möchte sie gerne einen Schnell-Test entwickeln, der anzeigt, welche Bakterien- und Pilzarten schon im Boden vorhanden sind. "Mit diesem ,Mikroflora-Monitoring’ kann man verfolgen, wie die Bodenorganismen bei der Regeneration zusammenarbeiten und wann wir mit anderen Arten gezielt nachhelfen können", so Kothe.

Die Untersuchungen erfolgen zunächst im Labor. Die WISUTEC GmbH, eine Tochterfirma der Wismut GmbH, der ehemals drittgrößten Uranproduzentin der Welt, stellt für die Forschung kontaminiertes Material zur Verfügung. Die Firma wird darüber hinaus die Erprobung des Verfahrens im Pilotmaßstab betreuen. In einer zweiten Projektetappe soll die Dekontaminierung von Bauschutt aus dem Rückbau von Kernkraftwerken untersucht werden. Dann wird geprüft, inwieweit das Verfahren sich zur nachhaltigen Sanierung von Liegenschaften eignet, die durch den Uranerzbergbau oder die Nutzung der Kernenergie kontaminiert sind.

Kontakt:

Prof. Dr. Erika Kothe
Institut für Mikrobiologie der Universität Jena
Winzerlaer Str. 10, 07745 Jena
Tel.: 03641 - 657631
E-Mail: Erika.Kothe@uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Bakterien Bauschutt Rückbau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht MULTI-ReUse - Neues Forschungsprojekt zur Abwassernutzung
06.01.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Feinstaub weckt schlafende Viren in der Lunge

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Energieeffizienter Gebäudebetrieb: Monitoring-Plattform MONDAS identifiziert Einsparpotenzial

16.01.2017 | Messenachrichten

Nervenkrankheit ALS: Mehr als nur ein Motor-Problem im Gehirn?

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie