Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auskreuzung gentechnisch veränderter Pflanzen

12.02.2003



Kreuzungen zwischen verwandten Pflanzen sind ein biologisches Prinzip. Sind gentechnisch veränderte Pflanzen daran beteiligt, weckt es zumeist den Argwohn der Öffentlichkeit. Lange Zeit hat sich die ökologische Sicherheitsforschung vor allem dafür interessiert, ob und unter welchen Umständen Auskreuzungen möglich sind. Nun ändert sich die Perspektive: Welche Folgen hätte es, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen ein neues Merkmal weitergeben? Nicht jede Auskreuzung ist ein ökologischer Schaden.


Auskreuzung findet statt - aber was bedeutet das? Mehrere wissenschaftliche Kongresse haben sich in den letzten Monaten mit diesem Thema beschäftigt. Dort - und in Fachartikeln - wurde eine Reihe von Fallbeispielen vorgestellt - mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen.

Auf einem Workshop der European Science Foundation Ende Januar 2003 in Amsterdam (siehe: Im Web) befassten sich einige Referenten mit gentechnisch verändertem Raps als Quelle für die Verbreitung von Transgenen.


Zur Sprache kam erneut ein Versuch mit GVO-Sonnenblumen einer Arbeitsgruppe um die US-amerikanische Ökologin Allison Snow von der Ohio State University. Sie hat ihre Befunde bereits auf dem Internationalen Biosafety-Kongress in Peking (Oktober 2002) zur Diskussion gestellt.

Sonnenblumen: ökologischer Vorteil Bt-Toxin. In Teilen der USA sind verwilderte Sonnenblumen ein Unkraut und deswegen bei Landwirten unerwünscht, da sie mit den angebauten Feldfrüchten um Licht und Nährstoffe konkurrieren. Kreuzungsbarrieren zwischen den wild wachsenden Sonnenblumen und den Kulturformen auf den Feldern gibt es nicht. Vor diesem Hintergrund wirkten Snows Ergebnisse beunruhigend. Sie hatte Versuche mit gentechnisch veränderten Sonnenblumen durchgeführt, die Bt-Toxin zur Abwehr gegen Schmetterlingslarven produzieren. Entgegen den Erwartungen hatten die Bt-Sonnenblumen gegenüber konventionellen Verwandten einen Vorteil: Sie können sich in ihrer natürlichen Umgebung außerhalb der Felder besser durchsetzen. Danach würde das Unkrautproblem bei Sonnenblumen durch die Einführung des Bt-Gens größer.

Das in den transgenen Sonnenblumen produzierte Bt-Toxin schädigt deren Fraßfeinde. Die Folge: Diese Sonneblumen entwickeln sich besser als normale Pflanzen und bilden mehr Samenkörner. Daraus wachsen mehr Keimlinge heran. Das Bt-Toxin-Gen breitet sich in der Population aus. Zudem gebe es Daten, die auf eine erhöhte Pflanzenanzahl und eine größere Zahl von Samen im Boden bei den Bt-Sonnenblumen hindeuten, so Diana Pilson, Mitglied der Arbeitsgruppe um Allison Snow auf dem Workshop in Amsterdam.

Diese Hypothese soll nun in weiteren Versuchen experimentell überprüft werden.
Allison Snow und ihre Arbeitsgruppe hatte Bt-Sonnenblumen hergestellt, die keinen Pollen produzieren. So konnte der Versuch unter Freilandbedingungen durchgeführt werden, ohne ein Verbreitungsrisiko für das transgene Merkmal einzugehen. Bt-Sonnenblumen sind in den USA nicht für den kommerziellen Anbau zugelassen.

Raps: Transgene Unkraut-Rübsen sind weniger fit. Zu anderen Schlussfolgerungen kam eine Gruppe um Neal Stewart von der Tennessee Universität (Knoxville), die ebenfalls in Amsterdam vortrug. Sie hatten das Bt-Toxin-Gen in Rapspflanzen übertragen und diese anschließend mit Rübsen (Brassica rapa) gekreuzt, einem engen Raps-Verwandten und ein verbreitetes Unkraut. Die so erhaltenen Raps-Rübsen- Hybride wurden erneut mit Rübsen gekreuzt. Damit sollte die verbreitete Befürchtung überprüft werden, dass auf diesem Weg "Superunkräuter" entstehen.

Stewart pflanzte diese Rübsen, die in zweiter Generation von transgenem Bt-Raps abstammen, in Weizenfelder. Die transgenen Unkraut-Rübsen waren dort um 20 Prozent weniger durchsetzungsfähig als normale Rübsen. In diesem Versuch wurde die These von den Superunkräutern damit nicht bestätigt.

Ökologischer Schaden? Auskreuzungen von transgenen Pflanzen auf verwandte Wildarten sind nicht immer automatisch ein ökologischer Schaden. Welche Folgen eine Auskreuzung hat, ist je nach Pflanze, Merkmal und Ökosystem verschieden. Zudem räumte Allison Snow ein, dass die "populationsdynamischen Konsequenzen" ihrer Befunde ohne langjährige Versuche nur schwer einzuschätzen seien.

Dass es nicht einfach ist, die Folgen möglicher Auskreuzungen von Transgenen zu bewerten, hat noch einen anderen Grund: Es gibt weder in der Gesellschaft, noch in der Wissenschaft eine allgemein anerkannte Vorstellung davon, was unter "ökologischem Schaden" zu verstehen ist. Ökosysteme sind dynamische, sich ständig ändernde Systeme. Veränderungen in der Artenzusammensetzung sind nichts Ungewöhnliches. Und wenn es in diesem Prozess tatsächlich einen besonderen Einfluss durch transgene Pflanzen geben sollte: wann ist er "gut" und wann "schlecht"?

Auch die beiden Studien über Bt-Sonnenblumen und Bt-Raps haben es vorgezogen, die möglichen Folgen an konkreten, "handfesten" Kriterien zu überprüfen: Denn ob es mehr oder weniger durchsetzungsfähige Unkräuter gibt, ist in erster Linie kein ökologisches, sondern ein ökonomischen Problem.

| bioSicherheit.de
Weitere Informationen:
http://www.biosicherheit.de

Weitere Berichte zu: Auskreuzung Bt-Sonnenblumen Sonnenblumen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten