Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Fledermaus-Art in Europa entdeckt

23.08.2002


Forscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz entdecken neue Fledermaus-Art: Alpenlangohr hat weißen Bauch und grauen Rücken.
6. Europäische Fledermausnacht vom 24. auf den 25. August.


"Vor 20 Jahren waren die Tiere noch völlig unbeliebt und heute sind sie zur Flagge für den Naturschutz geworden." Fledermäuse, so erzählt Andreas Kiefer vom Institut für Zoologie/Abteilung Ökologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, galten schon im Mittelalter als Vampire und Blutsauger und bis in unsere Zeit haftet an den nachtaktiven Jägern das Stigma von Dracula. Die stillen Flieger mit den scharfen Zähnen sind jedoch keineswegs blutsaugende Monster, sondern ernähren sich - zumindest in unseren Breitengraden - von Insekten. Weil ihnen zunehmend die Nahrungsgrundlage und mehr noch die Schlafplätze entzogen werden, sind Naturschützer über den anhaltenden Rückgang der Bestände besorgt. Einen Einblick in das Leben der lautlosen Nachtjäger versprechen zahlreiche Veranstaltungen aus Anlass der 6. Europäischen Fledermausnacht vom 24. auf den 25. August, an der sich etwa 30 europäische Länder beteiligen.

In Deutschland können Wissenschaftler 24 verschiedene Fledermaus-Arten nachweisen. Die kleinste Art, die Sopranofledermaus mit einer Spannweite von elf Zentimetern und einer Kopf-Rumpf-Länge von vier Zentimetern, passt in schlafendem Zustand in eine Streichholzschachtel. Mit 40 Zentimeter Flügel-Spannweite ist das große Mausohr der Riese. "In Deutschland bisher nicht nachgewiesen ist das Alpenlangohr", erklärt der Fledermausforscher Andreas Kiefer. Er hat gemeinsam mit Dr. Michael Veith die neue Säugetierart 1997 am Gardasee bei einer "ganz normalen studentischen Exkursion" entdeckt und den Fund im April 2002 in der europäischen Fledermaus-Fachzeitschrift "Myotis" publiziert. Die Fledermaus mit dem extrem weißen und langen Fell am Bauch ist im Alpenbogen beheimatet sowie im Dinarischen Gebirge und im südlichen Pindosgebirge. Eine Fundstelle weist das Alpenlangohr mittlerweile auch in den Pyrenäen aus. Das räumlich nächste Vorkommen zu Deutschland fand sich im österreichischen Tirol. "Fast alle Fundorte liegen sehr hoch, das heißt höher als 800 Meter, oft 1.400 oder im Süden gar 1.600 Meter hoch", erklärte Kiefer. Das ist ungewöhnlich, weil Fledermäuse sonst eher in Niederungen zu finden sind. "Völlig ungewöhnlich ist", so Kiefer weiter," dass das Alpenlangohr seine Tiere auch in großer Höhe aufzieht - in der Schweiz und in Frankreich auf 1.500 Metern!"

Die Neuentdeckung ist dem Forscher buchstäblich ins Netz gegangen. Wie Vögel werden Fledermäuse zur Bestimmung der Art nachts mit feinsten Netzen gefangen. Die beste Zeit dafür ist kurz vor Sonnenuntergang bis etwa zwei Uhr. "Ich hatte das Tier in der Hand und erklärte den Studenten, dass es ein typisches graues Langohr ist. Dann kamen mir Zweifel." Gewissheit brachten DNA-Analysen, bei denen das Erbgut untersucht und verglichen wird. Plecotus alpinus, so der wissenschaftliche Name, ist eine eigene Art, die sich u.a. durch den weißen Bauch, einen langen Daumen und graues Rückenfell auszeichnet. Wie bei anderen Langohren sind auch beim Alpenlangohr die Ohren mit 2,5 Zentimetern vergleichsweise lang.


Kontakt und Informationen:
Andreas Kiefer
Institut für Zoologie
Abteilung Ökologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131/39-23941
E-Mail kiwi@oekologie.biologie.uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw

Weitere Berichte zu: Alpenlangohr Fledermaus Fledermaus-Art Fledermausnacht Langohr

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften