Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Daten für bessere Luft

01.07.2008
Emissionen aus natürlichen Quellen beeinflussen Luftqualität

Die Luftqualität in Europa wird hauptsächlich von anthropogenen (vom Menschen verursachten) Quellen negativ beeinflusst. Ein gewisser Anteil wird jedoch auch durch natürliche Quellen verursacht.

Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen aus Wäldern und Wiesen übersteigen die Emissionen aus anthropogenen Quellen im Sommer teilweise sogar um das dreifache und tragen in Smogperioden erheblich zu hohen Ozonwerten bei.

Unter Führung der Universität Stuttgart optimierte ein internationales Konsortium renommierter Institute im EU-Forschungsprojekt NatAir die Berechnungsmethoden der Emissionen aus natürlichen und biogenen Quellen. Die Ergebnisse des Projektes unterstützen die EU-Kommission bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Europa und wurden in der aktuellen im April 2008 beschlossenen EU-Luftqualitätsrichtlinie berücksichtigt.

... mehr zu:
»Emission »Luftqualität

Vor allem im Zusammenhang mit den in vielen Ländern Europas zu beobachtenden Überschreitungen des Kurzzeitgrenzwertes für Feinstaub von 50 µg/m3 (Mikrogramm pro Kubikmeter) an mehr als 35 Tagen im Jahr spielen natürliche Quellen eine erhebliche Rolle. In Südeuropa führen oft Saharastürme zu stark erhöhten Werten. Und auch Seesalzaerosole, die sich vor der niederländischen Küste bei starkem Wind bilden, sorgen bis ins Ruhrgebiet für Überschreitungen der Grenzwerte.

Die Wissenschaftler entwickelten im Rahmen von NatAir verbesserte Berechnungsmethoden für die Emissionen aus natürlichen und biogenen Quellen auf der Basis von Auswertungen aktueller Messergebnisse und vorhandenen Daten. Untersucht wurden die Emissionen von Stickstoffoxiden, flüchtigen organischen Verbindungen, Methan, Schwefeldioxid, Ammoniak, Kohlenmonoxid, Staub verschiedener Partikelgröße, organisches Material und Seesalz sowie Dimethylsulfid, das von Ozeanen abgegeben wird.

Am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Uni Stuttgart stellten die Forscher dann auf Grundlage dieser verbesserten Berechnungsmethoden sowie von aktualisierten Eingangsdaten (beispielsweise Landnutzungskarten, Baumartenkarten und Bodendatenkarten) Emissionsdaten für Europa zusammen. Das Ergebnis waren Emissionsdatensätze von vier verschiedenen Jahren mit ihren jeweiligen meteorologischen Besonderheiten, dargestellt in einer räumlichen Auflösung von zehn Quadratkilometern und einer zeitlichen Auflösung von einer Stunde. Dabei bezogen die Stuttgarter Wissenschafter auch die Auswirkungen des Klimawandels anhand veränderter Temperaturprofile in Europa mit ein. Gemessene und modellierte Werte stimmen durch die gewonnenen Erkenntnisse nun deutlich besser überein, wie die Forscher beispielsweise bei den gemessenen und modellierten Überschreitungen des Acht-Stunden-Grenzwertes für Ozon zeigen konnten.

Die Ergebnisse des Projekts NatAir flossen nicht nur in die aktuelle EU-Luftqualitätsrichtlinie mit ein; die umfangreichen Emissionsdatensätze und die neuen Berechnungsmethoden dienen der EU auch als Grundlage für weitere Strategien zur Verbesserung der Luftqualität. Weitere Informationen zum Projekt NatAir (Improving and Applying Methods for the Calculation of Natural and Biogenic Emissions and Assessment of Impacts on Air Quality) unter http://natair.ier.uni-stuttgart.de/. Näheres zum Simulationsmodell CHIMERE mit dem beim Projekt NatAir die Daten berechnet wurden unter http://euler.lmd.polytechnique.fr/chimere/.

Ansprechpartner: Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Abteilung Technikfolgenabschätzung und
Umwelt der Universität Stuttgart, Prof. Dr.-Ing. habil. Rainer Friedrich, Tel. 0711/685-87812, e-mail:

rainer.friedrich@ier.uni-stuttgart.de; Dr.-Ing. Jochen Theloke, Tel. 0711/685-87856, e-mail: jochen.theloke@ier.uni-stuttgart.de

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://euler.lmd.polytechnique.fr/chimere/
http://natair.ier.uni-stuttgart.de/

Weitere Berichte zu: Emission Luftqualität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Die Zerschneidung der Tropenwälder steigert den Ausstoß von Treibhausgasen um weiteres Drittel
30.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE