Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Klimafaktor Mensch": Die Indizien verdichten sich

08.06.2000


Neue statistische Berechnungsmethode als Alternative zu den üblichen Klimamodellrechnungen

Rückenwind für die Politik zum Schutz des Weltklimas: Die Indizien, dass die Menschen das Klima maßgeblich beeinflussen, verdichten sich weiter. Dies zeigen neue Forschungsergebnisse der Universität Frankfurt/Main im Auftrag des Umweltbundesamtes, die heute in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Die Frankfurter Klimaforscher um Prof. Dr. Christian Schönwiese belegen mit einer neuen statistischen Berechnungsmethode, dass der Mensch zu einem großen Teil für die Erwärmung der Erdatmosphäre verantwortlich ist. Das Besondere: Die Untersuchungsmethode, die allein auf Beobachtungsdaten beruht, ist eine innovative und wichtige Alternative zu den üblichen Klimamodellrechnungen.

Die Frage, ob der Mensch das Klima ändert, insbesondere in Zusammenhang mit dem "Treibhauseffekt", wird in Wissenschaft und Öffentlichkeit immer wieder kontrovers diskutiert. "Wir wollten mehr Klarheit in der Frage, ob und wie der Mensch das Klima beeinflusst. Mit der Studie haben wir in mehrfacher Hinsicht neue Wege beschritten", sagte Projektleiter Prof. Dr. Christian Schönwiese. Basis der Studie "Statistische Analysen zur Früherkennung globaler und regionaler Klimaänderungen aufgrund des anthropogenen Treibhauseffektes" sind allein Beobachtungsdaten. Die Ergebnisse sind somit frei von den Unsicherheiten der bekannten Klimamodellrechnungen. Die Studie bezieht neben den Treibhausgasen alle weiteren wichtigen Einflüsse auf das Klima ein. Dazu zählen der Schwefeldioxidausstoß - als weiterer auf menschliche Aktivitäten zurückgehender Klimafaktor -, der Vulkanismus, die Sonnenaktivität, das El-Niño-Phänomen und die Nordatlantik-Oszillation. Die empirisch-statistische Methodik ist komplex. Mit dem statistischen Modell kann bestimmt werden, welcher Klimafaktor sich am meisten in den Klimabeobachtungsdaten widerspiegelt, welcher auf Rangplatz zwei steht und so weiter. Dabei werden nicht nur Temperatur-, sondern auch Niederschlags- und Luftdruckdaten verwendet - und das alles in unterschiedlicher räumlicher Betrachtung: global und für Europa.

Entsprechend vielfältig sind die Ergebnisse. Am deutlichsten fällt die Antwort auf die Rolle des "Klimafaktors Mensch" bei der global gemittelten bodennahen Lufttemperatur aus: Rund 80 % der Variabilität dieses Klimaparameters lassen sich durch die genannten, auf den Menschen zurückgehenden oder natürlichen Einflußgrößen erklären. Der weitaus größte Anteil, nämlich fast 60 %, geht dabei offenbar auf den vom Menschen verursachten (anthropogenen) Treibhauseffekt zurück. Rund 20 % verteilen sich auf den anthropogenen Schwefeldioxidausstoß, den Vulkanismus, das El-Niño-Phänomen und die Sonnenaktivität, die übrigens nur mit einem Anteil von 4,2 % nachweisbar ist. Der bei dem Klimaparameter der global gemittelten Temperatur verbleibende unerklärte Rest beobachteter Variationen von rund 20 % weist weitgehend Zufallseigenschaften auf. Bei zunehmender regionaler Differenzierung und insbesondere bei der Betrachtung anderer Klimaelemente - wie Luftdruck und Niederschlag - gelingt der Nachweis des "Klimafaktors Mensch" nur zum Teil und stets in geringerem Ausmaß.

"Die Ergebnisse nehmen ein gutes Stück an Unsicherheit in der Klimaforschung. Sie zeigen, wie wichtig und richtig es ist, dass sich die Politik weltweit darauf verständigt hat, das Klima zu schützen. Klimaschutz ist eine zwingend notwendige Vorsorge", sagte der Präsident des Umweltbundesamtes, Prof. Dr. Andreas Troge, bei der Vorstellung der Studienergebnisse. Troge erinnerte auch an das deutsche Klimaschutzziel. Bis 2005 soll in Deutschland der Ausstoß des wichtigsten Klimagases Kohlendioxid (CO2) im Vergleich zu 1990 um 25 % verringert werden. Geschafft sind bislang 15,5 %. Zudem hat sich Deutschland auf der Basis des Protokolls der 3. Vertragsstaaatenkonferenz zur Klimarahmenkonvention von Kyoto im Jahr 1997 verpflichtet, den Ausstoß der sechs maßgeblichen Treibhausgase (Kohlendioxid, Methan, Lachgas, Schwefelhexafluorid, perfluorierte Kohlenwasserstoffe unf teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe) um insgesamt 21 % im Zeitraum 2008 bis 2012 gegenüber dem Basisjahr 1990 zu verringern. "Wir dürfen nicht lockerlassen beim Klimaschutz - im Gegenteil. Wenn wir nicht zügig handeln, werden wir die Ziele nicht erreichen. Die Möglichkeiten haben wir - wir müssen sie konsequent ausschöpfen", so Troge. Im November sollen auf der internationalen 6. Vertragsstaatenkonferenz zur Klimarahmenkonvention im niederländischen Den Haag weitere Einzelheiten der Umsetzung der internationalen Ziele im Klimaschutz geklärt werden.

Eine Zusammenfassung und weitere Informationen zur Studie "Statistische Analysen zur Früherkennung globaler und regionaler Klimaänderungen aufgrund des anthropogenen Treibhauseffektes" gibt es bei der

Universität Frankfurt/Main,
Institut für Meteorologie und Geophysik


Postfach 11 19 32, 60054 Frankfurt/Main
Tel. 069 - 798 - 23578/28578/28989, Fax - 22482
INTERNET: http://www.rz.uni-frankfurt.de/IMGF/meteor/klima

Weitere Informationen finden Sie im WWW:


Karsten Klenner |

Weitere Berichte zu: Klimaschutz Klimaänderung Treibhauseffekt Treibhausgas

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Antarktisches Meereis: mehr Schutz als Vorratskammer für Krilllarven
22.11.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften