Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Boden als Ressource schätzen

16.05.2008
"Cleansoil"-Verfahren ermöglicht eine schonende Aufbereitung

Der Wert fruchtbarer, unbelasteter Erde wird in Zeiten der Nahrungsmittelengpässe in einigen Teilen der Welt besonders deutlich. Daher wird die Suche nach effektiven Methoden zur Regeneration umso dringlicher.

Bisher wird den Problemen hauptsächlich mit Abtragung der verseuchten Erde begegnet. Im Rahmen des 6. EU-Forschungsrahmenprogrammes haben für das Projekt Cleansoil acht Partner aus Forschung und Industrie - darunter das Umweltinstitut des ttz Bremerhaven - eine vor Ort anwendbare Methode zur Regeneration der Bodenqualität entwickelt. Erprobt wurde das Verfahren in russischen und ukrainischen Gebieten, die durch Rückstände der Petrochemie schwer belastet waren. Das nun beendete dreijährige Projekt mit einem Volumen von 965.000 Euro diente neben der Entwicklung eines ökonomischen und ökologischen Verfahrens zur Bodenaufbereitung dem Ziel, Landbesitzern das Methodenwissen zu vermitteln.

Eine Untersuchung des russischen Landwirtschaftsministeriums lieferte 2001 erschreckende Zahlen zum Verschmutzungsgrad der regionalen Böden: 70 Millionen Hektar waren mit Schwermetallen belastet, 2,5% der untersuchten Böden wiesen Chemikalien der Risikoklasse 1 auf und auf 4% der Flächen wurden Pestizide nachgewiesen. Schwermetalle, Pestizide, organische Industrierückstände, flüchtige und schwerflüchtige organische Verbindungen gehören zu den am meisten gefundenen Bodenverunreinigungen. Die Lebensqualität in diesen Gebieten ist gering, Ackerbau kann nicht betrieben werden und die Belastung des Trinkwassers enorm hoch. Es wird davon ausgegangen, dass der größte Anteil der Bodenverschmutzung auf die Gewinnung von Hydrocarbonaten in der Erdölindustrie zurückgeht. Dass es keine Grenzwerte für die zugelassene Ölbelastungen im Boden gibt, erschwert die Regeneration der verseuchten Flächen.

Gerade in West Sibirien und der nördlichen Kaukasusregion, der Republik Komi, Baschkirien, der Republik Tatarstan und der Wolga Region ist der Verschmutzungsgrad hoch. Genaue Zahlen dazu liegen nicht vor. Das Problem wurde bisher ausschließlich mit der Abtragung und dem Austausch von Boden behandelt - einer teuren, nicht immer praktikablen und für das Ökosystem sehr belastenden Methode. Die Kosten dafür variieren je nach eingesetzter Technologie und Kontaminierungsgrad von 59 bis 109 Mio. €/ha. Mit dem Projekt CLEANSOIL wurde bewusst ein anderer Weg beschritten: zusammen mit drei russischen, einem polnischen und einem ukrainischen Forschungsinstitut, den Unternehmen Bioazul S.L. aus Spanien und Globe Water AB aus Schweden haben Forscher vom ttz Bremerhaven einen Weg gefunden, die Bodenwerte mittels Adsorption und Aufbereitung vor Ort zu verbessern. Dazu werden synthetischen Hülsen mit einem aufnahmefähigen Material in den Boden eingesetzt, die wiederum durch Rohren miteinander verbunden sind.

Ist der Absorbtionsprozess weit genug fortgeschritten, kann das System einfach deinstalliert und die Kanülen für eine weitere Verwendung aufbereitet werden. Der große Vorteil des Systems ist der großflächige Einsatz direkt vor Ort - besonders, wenn vorhandene Infrastruktur eine Abtragung unmöglich macht. Durch Installation und den Einsatz an verschiedenen Orten in Russland und der Ukraine wurde die Wirksamkeit bei verschiedensten Verschmutzungsgraden und -arten getestet. In Monchegorsk auf der Kola-Halbinsel sowie im sibirischen Khanty-Mansiysk konzentrierte sich der Aufbereitungsprozess auf Verunreinigungen der Hydrocarbone aus dem Erdöl. In Novo-Alexandrova, Dnepropetrovsk (Ukraine) sollte vor allem die Pestizidbelastung des Bodens reduziert werden.

Während des gesamten Untersuchungszeitraums wurden zur Überprüfung der Fortschritte Bodenproben entnommen. Parallel haben die Partner eine Machbarkeitsstudie erstellt und geklärt, in welchem Verhältnis der finanzielle Aufwand, die praktische Anwendbarkeit vor Ort und die Kosten für die Technik steht. Die Ergebnisse wurden in einer abschließenden Studie zusammengefasst, die der Europäischen Kommission und den Projektpartnern vorliegt. Fazit: Die absorbierenden Substanzen haben unterschiedlich auf verschiedene Arten der Verschmutzung reagiert. Die höchste Effizienz wurde bei der Reinigung des Bodens von Pestiziden erreicht. Damit das entwickelte Know-how den Weg in die Praxis findet, wurden zwei Workshops - in Warschau und in Moskau - durchgeführt. Aufgrund der regen Beteiligung könnten 150 Landbesitzer über das Verfahren informiert werden.

Funded by the European Commission under the Sixth Framework Program Specific Targeted Research or Innovation Project.

Kontakt:
Britta Rollert,
ttz Bremerhaven, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0471 / 4832-121/-124
Fax 0471 / 4832-129
E-Mail: brollert@ttz-bremerhaven.de

Britta Rollert | idw
Weitere Informationen:
http://www.cleansoilproject.info
http://www.ttz-bremerhaven.de

Weitere Berichte zu: Pestizid Regeneration Schwermetall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie