Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weisshandgibbons in China ausgestorben

15.05.2008
Chinas Tierwelt weist eine einzigartige Vielfalt an Menschenaffen auf. Die Menschenaffen in China sind jedoch stärker vom Aussterben bedroht als in andern Ländern der Welt. Ein Forschungsteam um Anthropologen der Universität Zürich musste jetzt in der Provinz Yunann feststellen, dass eine weitere Menschenaffenart ausgestorben ist.

Ein wissenschaftliches Team, bestehend aus Mitgliedern der Gibbon Conservation Alliance der Universität Zürich und dem Zoologischen Institut von Kunming sowie Mitarbeitern des Nangunhe Naturreservats, hat eine Bestandesaufnahme in allen chinesischen Waldgebieten durchgeführt, in denen der Weisshandgibbon (Hylobates lar) in den letzten 20 Jahren vorkam.


Die Weisshandgibbons in China sind ausgestorben.

Zuletzt wurde die Art im Jahr 1988 im Nangunhe Naturreservat im Südwesten der Provinz Yunnan beobachtet und ihre lauten, melodischen Rufe wurden zuletzt 1992 gehört. Nach zwei Wochen Feldarbeit war dem 14-köpfigen schweizerisch-chinesische Team klar: Als Folge kontinuierlicher Vernichtung, Zerstückelung und Ausdünnung des Waldes sowie der Jagd auf Wildtiere ist diese Gibbonart nicht mehr länger Bestandteil der chinesischen Tierwelt.

"Dieser Verlust ist besonders tragisch", so der Anthropologe Thomas Geissmann, "weil die erloschene chinesische Population als eigene Unterart beschrieben wurde, als so genannter Yunnan-Weisshandgibbon." Diese Unterart (Hylobates lar yunnanensis) ist von keinem anderen Ort bekannt. Geissmann hofft nun, dass die Unterart vielleicht auch im angrenzenden Myanmar vorkommt, aber dafür hat er bis jetzt keine Hinweise.

"Das Aussterben des chinesischen Weisshandgibbons ist ein dringendes Alarmsignal, da auch mehrere andere Menschenaffenarten Chinas vor der Ausrottung stehen", sagt Geissmann. Zum Beispiel wurde der Weisswangen-Schopfgibbon (Nomascus leucogenys) in China seit den achtziger Jahren nicht mehr gesichtet. Vom Cao-Vit-Schopfgibbon (N. nasutus) in den Provinzen Guangxi (China) und Cao Bang (Vietnam) leben weniger als 50 Individuen und vom Hainan-Gibbon (N. hainanus) auf der südchinesischen Insel Hainan weniger als 20 Tiere, um bloss die zwei bedrohtesten Arten zu nennen. Darum warnen die Forscher, dass der Verlust des Yunnan-Weisshandgibbons nur der Anfang einer beispiellosen Welle der Ausrottung ist, der die meisten oder sogar alle chinesischen Menschenaffenarten zum Opfer zu fallen drohen.

"Wir hoffen, mit unseren Forschungsergebnissen die chinesische Regierung als auch internationale Naturschutz-Organisationen zu alarmieren und dazu zu bewegen, sofortige Massnahmen einzuleiten, um die letzten noch verbleibenden Menschenaffen Chinas zu retten", so Geissmann.

Kontakt:
Thomas Geissmann, Anthropologisches Institut, Universität Zürich
Tel: +41-44-635 54 13 oder +41-44-635 54 11
E-Mail: thomas.geissmann@aim.uzh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.gibbonconservation.org

Weitere Berichte zu: Menschenaffe Menschenaffenart

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise