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Giftwarnung durch Plastikabfälle im Meer

28.03.2008
Meeresforscher: Kunststoff wirkt als Magnet für toxische Stoffe

Der Plastikabfall in den Weltmeeren birgt eine große Gefahr für die Vergiftung der gesamten Nahrungskette. Zu diesem Schluss kommen internationale Meeresforscher.

Nicht nur große, sondern auch Milliarden von Kleinstteilchen enthalten zum Teil hohe Konzentrationen gefährlicher Gifte wie etwa DDT. Bisher lag der Fokus nur auf größeren Plastikabfällen, die eine unmittelbare Gefahr für Seevögel oder Schildkröten darstellten. Nun warnen die Forscher aber auch vor den mikroskopisch kleinen Teilchen, denn in ihnen liegt die Gefahr einer versteckten Kontamination.

Der Meeresbiologe Richard Thompson von der University of Plymouth hat untersucht, wie Plastik im Wasser zu immer kleineren Teilchen zerfällt und wie kleine marine Organismen wie etwa Seepocken auf diese reagieren. Das Ergebnis war selbst für den Experten schockierend, denn die Kunststoffpartikel akkumulieren Giftstoffe des Meerwassers und sorgen für Konzentrationen, die tausende Male größer sind als im Wasser. "Die Gefahr ist dann gegeben, wenn Lebewesen diese Teilchen als Nahrung zu sich nehmen", erklärt der Forscher. Dann werde es erst recht gefährlich, denn dadurch gelangen die Toxine in den Organismus der Tiere. Thompson bringt die Gefahr der Abfälle auf den Punkt: Die Kunststoffteilchen wirken wie Magnete für Toxine im Meer.

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Thompson hat sowohl im Hafen von Plymouth in Cornwall als auch im Aquarium Experimente gemacht, um zu sehen wie schnell Kunststoffe zerfallen und wie viel der Plastikpartikel von den Lebewesen aufgenommen wird. Untersuchungen am Strand haben ergeben, dass auf mikroskopischem Niveau die Kunststoffverschmutzung viel schlimmer ist, als bisher angenommen. In Sandproben machen die Abfallpartikel bis zu einem Viertel des gesamten Gewichts aus. Das Dramatische daran ist, dass diese Kunststoffteilchen in allen Kontinenten der Erde gefunden wurden.

"Das Schlimme an dem Kunststoffabfall ist seine Stabilität", erklärt Matt Brown von der Midway-Station des US Fish and Wildlife Service. Das kleine Midway-Atoll, das im 2. Weltkrieg einmal in den Schlagzeilen der Weltpresse stand - hier hatten die Amerikaner den Japanern schwere Schäden an der Flotte zugefügt - zählt seit Jahren zu den Nistplätzen für sehr seltene Vogelarten. Mehr als zwei Mio. Albatrosse nisten hier. Forscher hatten erst vor kurzem berichtet, dass etwa ein Drittel der Albatros-Jungen sterben, weil sie versehentlich mit Plastikabfällen gefüttert werden. Wildhüter untersuchen regelmäßig die Mägen der toten Vögel und finden dort Mengen von Plastikabfällen. Allein die großen Mengen an täglich angeschwemmten Plastikabfall aus dem Meer, die von den Wildhütern aus dem mittlerweile zum Marine National Monument erklärten Atoll entfernt werden müssen, machen klar, dass die Schlacht um Midway noch lange nicht zu Ende ist.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.plymouth.ac.uk
http://www.fws.gov/midway

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