Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Binnenschifffahrt: Umweltbelastungen nicht automatisch ausgeschlossen

11.06.2002


Umweltbundesamt weist Kritik der SPD-Bundestagsfraktion an Studie zum Elbe-Ausbau zurück

Der Gütertransport mit dem Binnenschiff ist vor allem wegen des geringeren Energieverbrauchs und der geringeren Lärmemissionen dem Straßengütertransport vorzuziehen. Umweltbelastungen durch die Binnenschifffahrt sind damit aber nicht automatisch ausgeschlossen: Durch einmalige oder wiederkehrende Eingriffe in Flussläufe im Rahmen baulicher Maßnahmen werden Strömungen und die natürlichen Veränderungen des Flussbettes dauerhaft und unter Umständen großräumig eingeschränkt. Daher sind an den Binnenwasserstraßenausbau strenge ökologische Bedingungen zu stellen. Dies gilt vor allem für die wenigen erhaltenen naturnahen Flussabschnitte in Deutschland, wie die weitgehend natürliche Elbe-Strecke zwischen Dömitz und Hitzacker. Die am 7. Juni 2002 vom verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion geäußerte Kritik an einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zum geplanten Elbe-Ausbau berücksichtigt weder dies noch die fachlich solide Vorgehensweise der Studie. Denn es reicht nicht, lediglich die Infrastruktur für einen umweltverträglicheren Gütertransport zur Verfügung zu stellen - die Güter müssen dort auch wirklich transportiert werden und andere Verkehrsträger entlasten. Hier zeigt die Studie, dass es an günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fehlt, so dass der Elbe-Ausbau auch ökonomisch nicht tragfähig sein würde.


Das UBA hat ein Forschungsprojekt von einem Konsortium - bestehend aus der Planungsgruppe Ökologie und Umwelt, Hannover, Biota GmbH, Güstrow, IWW - Universität Karlsruhe, IMS-Ingenieurgesellschaft, Bückeburg, und Prof. Linde, Technische Universität Berlin - durchführen lassen, um für die Erstellung des Bundesverkehrswegeplans Kriterien für die Bewertung von Ausbaumaßnahmen von Binnenwasserstraßen zu erhalten.
Das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen hat das Forschungsprojekt fachlich mit begleitet. Auch die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost als planende Behörde wurde informiert und um Unterlagen über die geplanten Maßnahmen an der Elbe-Reststrecke gebeten, die dem UBA jedoch nicht zur Verfügung gestellt wurden. Dennoch kommen die hypothetischen Ausbaumaßnahmen den tatsächlich geplanten Maßnahmen relativ nahe, weil dort insbesondere Stromregulierungen durch Neubau und Verlängerung von Buhnen geplant sind. Diese Maßnahme wurde im Fallbeispiel zugrundegelegt. Das UBA weist den vom verkehrspolitischen Sprecher der SPD erhobenen Vorwurf zurück, die Ergebnisse der UBA-Studie seien "nicht nachvollziehbar und unseriös". Inhalt und Hintergrund dieser Studie belegen das Gegenteil.
Ausgangspunkt war die im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans 1992 für die Bundeswasserstraßen festgelegte vereinfachte Vorgehensweise bei der umweltbezogenen Projektbewertung. Bei der gesamtwirtschaftlichen Bewertung wurden bisher die Bewertungsansätze, die für den Verkehrsträger Straße Anwendung fanden (Lärm, Schadstoffausstoß, innerörtliche Trennwirkung), auf den Verkehrsträger Wasserstraße übertragen. Eine Umweltrisikoeinschätzung für Vorhaben im Bereich Wasserstraßen fehlte gänzlich.
Mit den Ergebnissen des Forschungsprojektes liegt nun ein anwendbares Bewertungsinstrumentarium für Bundeswasserstraßenausbauprojekte innerhalb der Bundesverkehrswegeplanung vor. Am Beispiel der Elbe-Reststrecke wurden hypothetische stromregulierende Maßnahmen, die für diesen Abschnitt wahrscheinlich sind, einer gesamtwirtschaftlichen und ökologischen Bewertung unterzogen. Diese Bewertung zeigte, dass das Bewertungsinstrument plausible Ergebnisse erzeugt. Auch zeigte die Bewertung, dass ein Ausbau der unteren Mittelelbe gesamtwirtschaftlich nicht sinnvoll erscheint. Zudem muss bei einer strombaulichen Regelung der Elbe-Reststrecke mit erheblichen und voraussichtlich nicht vermeidbaren Beeinträchtigungen vorhandener Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete) gerechnet werden.

! Die Studie "Umweltorientierte Bewertung von Bundeswasserstraßenplanungen" ist als Band 02/02 in der Reihe TEXTE des Umweltbundesamts erschienen. Sie kann unter Einsendung eines Verrechnungsschecks an die Firma Werbung und Vertrieb, Ahornstraße 1-2, 10787 Berlin, bezogen werden. Eine Bestellung ist auch über das Internet möglich unter der Adresse www.umweltbundesamt.de, Stichwort "Veröffentlichungen".

Josephine Bienert | idw
Weitere Informationen:
http://www.umweltbundesamt.de

Weitere Berichte zu: Binnenschifffahrt Umweltbelastung Verkehrsträger

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Gebietsfremde Arten weltweit auf dem Vormarsch
15.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Müllmenge in der arktischen Tiefsee steigt stark an
08.02.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung